Sonntag, 14. August 2022

15. - 21. August: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche nimmt der Mond wieder ab und zieht sich langsam vom Abendhimmel zurück. Von den hellen Planeten ist Saturn praktisch die ganze Nacht über zu sehen, Jupiter geht gegen 22 Uhr auf, Mars schafft es jetzt auch schon kurz vor Mitternacht über den Horizont zu steigen. Die Venus bleibt Morgenstern und geht gegen 4:45 Uhr im Osten auf. Die ISS ist in dieser Woche nicht am Nachthimmel zu beobachten.

Am Montag, den 15. August, geht die Sonne um 6:0ß9 Uhr auf und um 20:48 Uhr unter. Der helle Tag ist also wieder 25 Minuten kürzer als noch vor einer Woche. Zum Ende der Woche hin ist es schon wieder zwischen 23 Uhr und 4 Uhr richtig astronomisch dunkel. Der immer noch zu 81 Prozent beleuchtete Mond geht um 22:29 Uhr auf, er steht nicht weit von Jupiter entfernt.

Am Dienstag, den 16. August, beginnt um 5:23 Uhr ein Schattenvorübergang von Io auf Jupiters Planetenscheibe. Am Abend fällt bis 22:35 Uhr noch der Schatten von Europa auf Jupiter. Der Mond ist zu ca. 72 Prozent beleuchtet und geht um 22:42 Uhr auf, er zeigt maximale Libration in Breite, der Krater Grimaldi steht nah am Rand.

Am Mittwoch, den 17. August, ist der Mond ist zu ca. 63 Prozent beleuchtet und geht um 22:56 Uhr auf. Bei Jupiter stehen zunächst zwei Monde links, zwei rechts und der Große Rote Fleck ist gegen 22:30 Uhr auch gut zu sehen.Ab 23:52 Uhr wandert dann de Schatten von Jupitermond Io über den Planeten.

Am Donnerstag, den 18. August, wandert bis 2:06 Uhr noch Ios Schatten über den Planeten, der Mond selbst zieht von 0:50 Uhr bis 3:02 Uhr vor der Planetenscheibe vorüber. Der Mond ist noch zu ca. 53 Prozent beleuchtet und geht um 23:15  Uhr auf.

Am Freitag, den 19. August, erreicht der Mond exakt um 6:36 Uhr das Letzte Viertel. Am Morgen nähert er sich dem Planeten Mars, wenn er am Abend kurz vor Mitternacht aufgeht, ist er bereits deutlich an Mars vorbei gezogen.

Am Samstag, den 20. August, steht der veränderliche Stern Algol um 1:05 Uhr im Minimum. Am Abend geht die abnehmende Mondsichel erst um Mitternacht auf In seinem dunklen Teil ist jetzt mehr und mehr der Schimmer des Erdlichts zu sehen.

Am Sonntag, den 21. August, geht der noch zu 18 Prozent beleuchtete Mond um 18:36 Uhr im Westen unter. Aufgehen wird er erst am Montagmorgen um 0:40 Uhr, der Abend bis dahin eignet sich also sehr gut zur Beobachtung lichtschwacher Objekte am Sternenhimmel.

Freitag, 12. August 2022

11. August 2022: Die ISS am Tag

 Zur Zeit verläuft die Flugbahn der ISS so, dass sie bei uns in den Nächten nicht beobachtet werden kann. Stattdessen überfliegt sie unsere Gegend am Tage. Doch da ist ein so kleiner Punkt am hellen Himmel natürlich nicht auszumachen.

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Wenn "hinter" der ISS eine ganz starke Lampe leuchtet, dann kann man vor diesem Licht doch den Schatten der ISS sehen.

Und eine solche Lampe gibt es tatsächlich, nämlich unsere Sonne. Man muss natürlich schon viel Glück haben, das die Bahn der ISS exakt vor der Sonne entlang zieht. Doch so etwas gibt es tatsächlich. Am Mittwoch, den 11. August 2022, war es wieder einmal soweit. Von meinem Garten aus sollte diese Ereignis genau um 16:03 Uhr und vier Sekunden stattfinden. 

So ein Vorbeiflug der ISS vor der Sonne ist leider nur ein sehr kurzes Ereignis, das nicht länger als eine Sekunde dauert.

Versehen mit einem starken Sonnenschutzfilter habe ich mein Fernrohr auf die Sonne ausgerichtet. Ein paar Sonnenflecken halfen mir, das Bild halbwegs scharf zu stellen. In der Hitze (knapp 30° C) war dies jedoch gar nicht einfach, die Luft flimmerte doch sehr. Es ist mir dann auch nur leidlich gelungen.

Dann die Kamera ans Fernrohr anschliessen und versuchen, in der entscheidenden Sekunde so viele Fotos wie möglich zu machen. Immerhin schafft meine Kamera vier bis fünf Bilder pro Sekunde.

Und tatsächlich: auf vier Bildern ist dann auch die ISS vor der Sonne zu sehen. Hier eine Animation aus diesen vier Bildern:

Die ISS vor der Sonne, am 11. August 2022

 Hier noch ein 1:1 Ausschnitt aus dem dritten Frame, der die ISS in der Nähe eines Sonnenflecks zeigt:

ISS und Sonnenfleck

Die ISS ist im Moment des Vorüberflugs von mir 598,17 Kilometer entfernt. Ihr scheinbarer Durchmesser beträgt 46,19 Bogensekunden. Der Vorbeiflug hat insgesamt 0,77 Sekunden gedauert. Der "Pfad", von dem aus man die ISS vor der Sonne aus sehen konnte, war nur 7,9 Kilometer breit - und mein Garten lag mitten drin, was für ein Glück! (Alle Daten von "transit-finder.com").

Damit die ISS halbwegs scharf auf den Bildern erscheint, hatte ich bei meiner Kamera (Canon EOS RP) eine Verschlusszeit von 1/4000 Sekunden eingestellt. 

Vorhersagen solcher ISS-Transits findet man bei den Webseiten: https://transit-finder.com/ oder auch https://iss.vierwandfrei.de/

Donnerstag, 11. August 2022

9. August 2022: Drei planetarische Nebel

 Trotz des hellen Mondes habe ich in der Nacht vom 9. auf den 10. August drei verschiedene planetarische Nebel fotografiert. Sie tragen diesen Namen, da ihr äußeres am ehesten dem Erscheinungsbild von Planeten ähnelt. Sie umfassen eine gewisse Fläche und zeigen auf der Oberfläche oft farbige Strukturen. Heute weiß man, es handelt sich um Gasnebel, die sich in unserer Galaxie befinden, meist gar nicht so weit von uns entfernt. Oft sind es Sternentstehungsgebiete.

Das erste Bild zeigt das Objekt NGC 7008, den sog. Fötusnebel:

NGC 7008, Fötus-Nebel

Diesen spannenden kleinen Nebel muss ich möglichst bald mal mit einer größeren Optik betrachten. Spätestens, wenn man sich das bei Wikipedia gezeigt Bild anschaut, wird man verstehen, warum. Der Nebel trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Außerdem - man kann es auf meinem Foto in der größeren Darstellung gerade so erahnen - liegt neben dem Nebel ein schöner Doppelstern, von dem eine Komponente strahlend gelb leuchtet und die zweite Komponente deutlich ins Blaue geht.

Der zweite Nebel ist das Objekt NGC 7023, Irisnebel

Irisnebel, NGC 7023

Dieser Nebel befindet sich im Sternbild Kepheus und steht zur Zeit am Abend hoch im Nordosten. Es handelt sich um einen Reflexionsnebel. Materie reflektiert das blaue Licht des 7,1mag hellen Sterns in seiner ungefähren Mitte.  Mit größerer Optik lassen sich natürlich noch mehr feine Details möglich machen. Wer mehr über dieses Objekt erfahren möchte, wird z.B. hier, hier oder hier fündig.


Und als drittes noch das Objekt IC 5146, der Kokonnebel:

IC 5146, der Kokonnebel

Ich zitiere hier einmal die Beschreibung direkt aus Wikipedia: "Der Nebel ist ein Sternentstehungsgebiet mit ionisiertem atomarem Wasserstoff und hat sowohl emittierende, reflektierende als auch absorbierende Bestandteile. IC 5146 befindet sich von der Erde aus gesehen am östlichen Ende der länglichen Dunkelwolke Barnard 168 und ist mit dieser zusammen Teil einer ausgedehnten Molekülwolke."

Auch hier kann man, wie bei NGC 7023, schön erkennen, wie der helle Nebel eigentlich Teil eines Dunkelnebel ist.

Drei verschiedene Objekte, jedes auf seine Art und Weise einzigartig. Wie fantastisch kann doch der Sternenhimmel über uns sein!

Sonntag, 7. August 2022

8. - 14. August 2022: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche haben wir das Maximum des größten Sternschnuppenstroms des Jahres, der Perseiden. Leider fällt es zusammen mit dem Vollmond, so dass diesmal nur wenige Sternschnuppen zu sehen sein werden.  Von den hellen Planeten ist Saturn jetzt praktisch die ganze Nacht zu sehen, am Sonntag erreicht er seine Oppositionsstellung. Jupiter geht gegen 22:30 Uhr auf, Mars folgt kurz nach Mitternacht. Die Venus bleibt Morgenstern, sie geht gegen 4:30 Uhr im Osten auf. Die ISS kann in dieser Woche nicht bei nächtlichen Überflügen gesichtet werden.

Am Montag, den 8. August, geht die Sonne um 5:58 Uhr auf und um 21:01 Uhr unter, der helle Tag ist also gerade noch 15 Stunden lang, wird jedoch jetzt schon merkbar kürzer. Der Mond steht am Abend nur 10° Grad hoch im Sternbild Schütze. Er ist zu 85 Prozent beleuchtet und geht am Dienstag früh gegen 1:45 Uhr unter.

Am Dienstag, den 9. August, wandert von 1:57 Uhr bis 4:57 Uhr der Schatten von Ganymed über die Jupiteroberfläche, um 3:29 Uhr folgt dann auch noch Ios Schatten, die selbst ab 4:36 Uhr vor Jupiter entlang zieht. Am Abend steht Saturnmond Titan in östlicher Elongation.

Am Mittwoch, den 10. August, beginnt ab 23:03 Uhr ein Durchgang von Io vor der Jupiteroberfläche, da gleichzeitig bis 23:22 Uhr auch Mond Kallisto verfinstert wird, sind für die 20 Minuten dazwischen nur zwei Jupitermonde zu sehen.

Am Donnerstag, den 11. August, endet um 0:12 Uhr der Schattenwurf von Io auf die Jupiteroberfläche, ab 1:15 Uhr wird Io selbst wieder neben dem Planeten sichtbar, dann stehen alle vier galliläischen Monde rechts, westlich, von Jupiter. Der Mond zeigt am Abend maximale Libration in Breite, so dass sein Nordpol sichtbar wird.

Am Freitag, den 12. August, ist das Maximum der Perseiden, leider wird das hell strahlende Mondlicht viele Sternschnuppen verschlucken.

Am Samstag, den 13. August, erreicht der Mond um 3:36 Uhr seine exakte Vollmondposition. Um 5:55 Uhr geht er dann unter. Über dem vollen Mond steht Saturn. Am Abend wird Jupitermond Ganymed bis 22:51 Uhr von seinem Mutterplaneten bedeckt.

Am Sonntag, den 14. August, erreicht Saturn seine Oppositionsstellung zur Sonne. Er steht also von der Erde aus gesehen, der Sonne genau gegenüber, erreicht also seine stärkste Helligkeit (0,3mag) und geht ähnlich wie der Vollmond mit dem Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang unter.


5./6. August 2022: Mond und andere Objekte

 Am 6. August sollte der Mond den hellen Stern "Dschubba", auch als delta Scorpii bezeichnet, bedecken. Leider sollte die Bedeckung erst gegen 23:50 Uhr stattfinden, wenn der Mond nur noch 3° Grad vom Horizont entfernt am Himmel steht. Von meinem Garten aus ist diese Höhe nicht mehr einzusehen. Mir gelang jedoch ein "letztes" Foto vom Mond und Stern um 23:42 Uhr. Der Mond wurde schon teilweise durch einige Blätter der benachbarten Büsche bedeckt, glücklicherweise war aber auch der Stern noch gut auf dem Foto zu erkennnen:

Mond und delta Scorpii um 23:42 Uhr MESZ

Zu dieser Zewit stand der Mond noch ein Grad höher über dem Horizont.


Tags zuvor hatte ich den Cirrus-Nebel im Sternbild Schwan beobachtet und fotografiert. Hier zunächst ein Bild, das mit meiner Vespera-Beobachtungsstation entstanden ist:

NGC 6960 (Cirrus-Nebel) , Belichtungszeit eine Stunde (360mal 10sec)

Wunderschön lassen sich rote und grünliche Filamente dieses uralten Supernova-Überrestes auf diesem Bild erkennen. Parallel habe ich das gleiche Objekt mit meinem großen Fernrohr (Celestron C8) mit einer angeschlossenen Canon EOS RP beobachtet. Auch hierfür habe ich eine Stunde belichtet, jedoch nur 30 Einzelbilder zu jeweils zwei Minuten Belichtungszeit:

NGC 6960 im Celestron C8 und Canon EOS RP Kamera

 Natürlich musste ich dieses Bild selbst stacken, was ich vorhin schnell mal gemacht habe. 30 "Lights", also belichtete Bilder, zehn Darks, allerdings keine Flats, daher ist die Vignettierung dieses Bildes noch sehr auffällig. Gestacked habe ich mit der Software Sequator.

Auch hier kann man die Nebelfilamente sehen, allerdings nur die grünlichen Komponenten. Für die rot leuchtenden Teile ist die EOS RP nicht empfindlich, bzw. der Chip sogar geblockt. Wenn man das Bild noch einmal zusätzlich durch Photoshop jagen würde, kann man es sicherlich noch um einiges schöner machen, den Himmel dunkler, den Nebel heller, die Sterne vielleicht etwas kleiner, usw.

Um die Bilder besser zu vergleichen, müsste man sie eigentlich auch noch um 90° Grad drehen, was ich mir jedoch erspart habe. Das zweite Foto mit dem C8 und der Vollformatkamera lässt sich natürlich wesentlich besser als das erste Vergrößern. In voller Auflösung ist es 6240 x 4160 Pixel groß, das andere Bild aus der Vespera hat nur eine Größe von 1722 x 882 Pixel. Betrachtet man das zweite Bild jedoch im 1:1 Maßstab werden auch shnell viele (kleinere) Abbildungsfehler sichtbar.

Am Abend habe ich auch noch ein paar andere Objekte beobachtet, zum Beispiel den Ringplanet Saturn, den Tulpennebel u.a. Vielleicht ergänze ich diesen Blogeintrag später noch.



Donnerstag, 4. August 2022

2. August 2022: Schwierige Mondbeobachtung

 Am 2. August hatte ich eine Mondbeobachtung unter nicht ganz einfachen Bedingungen. Im Sommer steht der Mond meist nur wenige Grad über dem Horizont. Und gerade nach Westen hin stehen in den benachbarten Gärten Büsche und hohe Bäume, die eine horizontnahe Beobachtung von meiner Terrasse aus praktisch unmöglich machen.

Doch diesmal hatte ich Glück. Durch eine kleine Lücke zwischen den Pflanzen konnte ich den Mond tatsächlich um 22:25 Uhr entdecken, als er nur 7,2° Grad über dem Horizont stand. Hier mein Foto:

Der Mond am 2. August um 22:25 MESZ

Das Bild ist von mir technisch etwas aufgehellt und rauscht stark. In der linken Bildhälfte kann man schemenhaft das Haus auf dem Nachbargrundstück erkennen. Rechts daneben, unterhalb der Baumkronen, schafft es die schmale Mondsichel noch wunderschön durch das "Loch" für mich zu scheinen.

Hier noch ein Mond vom gleichen Tag. Aufgenommen ganz ohne Sichtbehinderung eine dreiviertel Stunde vorher, da stand er noch 12° Grad über dem Horizont und war noch oberhalb des Nachbarhauses von mir aus einem Fenster im Obergeschoss meines Hauses zu fotografieren:

Mondsichel am 2. August 2022 gegen 21:45 MESZ

Der Mond war an diesem Dienstag zu ca. 23 Prozent beleuchtet. Durch die tiefe Stellung sieht er gelblicher aus als sonst üblich. Von der Terrasse aus war der Mond zu dieser Zeit nicht zu sehen, da stand er hinter Nachbars Haus.