Sonntag, 29. Januar 2023

30. Januar - 5. Februar 2023: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche haben wir Vollmond. Das helle Licht des Mondes überstrahlt natürlich viele schwächer leuchtende Sterne und macht auch die Beobachtung des Kometen C/2020 E3 ZTF schwieriger. Der Komet zieht in dieser Woche im Norden vom Polarstern weg immer weiter in den Zenit hinein und steht am 5. Februar nicht weit entfernt vom hellen Stern Capella im Fuhrmann. Von den hellen Planeten ist am Abend bis gut 19 Uhr die Venus tief im Westen zu sehen, Jupiter leuchtet noch bis gegen 22 Uhr ebenfalls im Westen, Mars steht zum Beginn des Abends in südlicher Richtung und geht dann nach 4:00 Uhr unter, Merkur beendet seine Morgensichtbarkeit und wird von der immer früher aufgehenden Sonne wieder verschluckt. Die ISS kann in den ersten Tagen dieser Woche noch bei abendlichen Überflügen gesichtet werden.

Am Montag, den 30. Januar, geht die Sonne um 8:08 Uhr auf und um 17:09 Uhr unter, der helle Tag dauert jetzt also schon etwas länger als neun Stunden. Der Mond erreicht seine größte Höhe um 19:59 Uhr, er steht dann im sogenannten "goldenen Tor" der Ekliptik zwischen den Plejaden und den Hyaden in der Nähe des Mars. Um 17:50 Uhr beginnt ein Durchgang von Jupitermond Europa vor der Planetenscheibe (bis 20:24 Uhr), Europas Schatten fällt ab 20:07 Uhr auf den Planeten. Der veränderliche Stern Algol steht um 20:20 Uhr im Helligkeitsminimum. Die ISS fliegt zwischen 18:31 Uhr und 18:38 Uhr in maximal 58° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg. Um 20:07 Uhr steigt sie noch einmal im Westen kurz auf, um jedoch schon nach zwei Minuten in der Nähe des Jupiters in 16° Grad Höhe im Erdschatten wieder zu verschwinden. Kleinplanet (261)Prymno steht heute in Opposition zur Sonne und ist dann 11,7mag hell.

Am Dienstag, den 31. Januar, endet um 18:11 Uhr eine Verfinsterung von Jupitermond Ganymed.  Zwischen 17:42 Uhr und 17:50 Uhr fliegt die ISS mit maximal 73° Grad Höhe noch einmal hoch über unseren Abendhimmel hinweg. Zwischen 19:18 Uhr und 19:23 Uhr ist sie noch einmal in nur noch maximal 25° Grad Höhe im Südwesten zu sehen. Der Mond entfernt sich schon wieder vom Mars, er ist zu circa 80 Prozent beleuchtet.

Am Mittwoch, den 1. Februar, kann ab ca. 3:30 Uhr bis zum Monduntergang der "goldene Henkel" beim Mond beobachtet werden. Am Abend ist der Mond zu ca. 86 Prozent beleuchtet. Zwischen 18:30 Uhr und 18:37 Uhr fliegt die ISS mit maximal 35° Grad Höhe noch einmal über unseren Abendhimmel hinweg. Kleinplanet (20)Massalia (12,0mag) zieht heute gegen 6:00 Uhr in nur 4' Bogenminuten Abstand am Kugelsternhaufen NGC6235 (10,2mag) vorbei.

Am Donnerstag, den 2. Februar, bedeckt der Mond um 18:45 Uhr an seinem nördlichen Rand ein 6.6mag schwach leuchtendes Sternchen (SAO78700). Der Mond ist zu 92 Prozent beleuchtet. Zwischen 19:19 Uhr und 19:24 Uhr ist die ISS noch einmal in nur noch maximal 13° Grad Höhe tief im Südwesten zu sehen.

Am Freitag, den 3. Februar, steht der bereits zu 96 Prozent beleuchtete (fast) volle Mond am Abend nur gut 2° Grad vom Stern Pollux in den Zwillingen entfernt. Um 19:24 Uhr bedeckt er den Stern 76 Gem (5,4mag). Zwischen 18:30 Uhr und 18:36 Uhr fliegt die ISS mit maximal 19° Grad Höhe ein letztes Mal in dieser Abendsichtbarkeitsperiode über unseren Abendhimmel hinweg. Um 20:01 Uhr beginnt ein Durchgang von Io vor der Jupiterplanetenscheibe, ab 21:06 Uhr fällt Ios Schatten auf den Planeten.

Am Samstag, den 4. Februar, geht Kleinplanet (4)Vesta (8,3mag) nur 7' Bogenminuten nördlich am Stern 30 Piscium (4,7mag) vorüber. Um 20:24 Uhr endet eine Verfinsterung von Jupitermond Io. Der Mond zeigt maximale Libration in Breite, so dass sein Südpol sichtbar wird.

Am Sonntag, den 5. Februar, erreicht der Mond exakt um 19:29 Uhr seine Vollmondposition. Bereits um 17:47 Uhr endet ein Schattendurchgang von Jupitermond Io auf der Planetenscheibe.

Freitag, 27. Januar 2023

28. Januar - endlich wieder klarer Himmel

 Überraschenderweise klarte es am Nachmittag des Samstag, 28. Januar 2023 auf und der klare Himmel hielt, nur von wenigen Wolken durchzogen, bis kurz vor 22 Uhr an. Endlich mal wieder eine Möglichkeit, den Himmel zu beobachten.

Als erstes habe ich mal wieder ein Foto der Sonne und ihrer Flecken gemacht. Es sind viele kleine Fleckengruppen zu sehen, einige davon waren, nach Vergleich meines Bildes mit den Daten bei spaceweather, gerade heute erst entstanden (Nr. 3204 und 3205). Hier mein Foto, gleich nummeriert mit den Bezeichnungen der aktiven Regionen:

Sonne mit Sonnenfleckengruppe am 28.1.2023


Danach habe ich dann zum Mond geschaut, um 16:19 Uhr sollte er exakt das Erste Viertel erreicht haben. Mein Foto entstand einige Minuten später:

Der Mond am 28. Januar 2023 um 16:41 Uhr

Die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt noch über dem Horizont, daher auch der hohe Blauanteil in diesem Foto.

Plötzlich tauchte auch noch ein Flieger am Himmel auf:

Ein Flugzeug am Himmel, so etwa sah es mit bloßem Auge aus

Fotografiert mit Supertele von 2000mm Brennweite

Es handelte sich um eine Cargo-Maschine der Fluggesellschaft von Katar, eine Boeing 747 auf dem Flug von Doha nach Amsterdam. Laut der App "Flightradar24" würde sie von mir bis zum Zielflughafen in Holland in 252 km Entfernung nur noch 26 Minuten brauchen.

Dann erfolgte der Sonnenuntergang:

Ein letztes Foto der Sonne um kurz vor 17 Uhr

Um 16:58 Uhr gelang mir ein letztes Foto durch die Bäume und Nachbarhäuser hindurch Richtung Südwesten, ungefähr zehn Minuten vor dem mathematischen Sonnenuntergang.

Danach begann ich am Himmel mit dem Fernglas nach der Venus zu suchen. Wobei letzteres aber gar nicht nötig war, so hell strahlte sie. Doch hinter dem Baum war sie nicht einfach zu entdecken, deshalb hab eich die Stelle auf dem Foto auch gleich markiert.

Venus hinter einem Baum versteckt

Wie schön, dass die meisten Bäume jetzt im Winter kein Laub tragen und man quasi durch sie hindurch gucken kann. Deutlich wird auf dem Bild auch ein kräftiges Abendrot. Ich war gespannt, was der Abend noch bringen würde und vor allem, wie lange der Himmel noch klar bleiben würde, von Nordwesten waren neue Wolken schon angekündigt.

Als erstes habe ich dann nach dem Kometen Ausschau gehalten. Mit bloßem Auge habe ich ihn nicht gefunden. Da konnte ich heute vielleicht Sterne bis zur 4. Größenklasse erkennen, so hell war der Komet jedoch nicht. Im Fernglas war er jedoch einfach zu entdecken. Zum Auffinden konnte man sich gut am Sternbild "Kleiner Wagen" (eigentlich "Kleine Bärin", "Ursa minor") orientieren. 

Das Sternbild "Kleiner Wagen" und der Komet

Der Polarstern ist die Spitze der Deichsel des kleinen Wagens, die beiden hinteren Kastensterne sind die nächst hellsten dort, besonders der Stern Kochab (2,1mag) fällt auf. Und etwa in der Verlängerung dieser beiden Kastensterne war dann auch der Komet im Fernglas sofort als etwas verwaschener Fleck ("Stern") zu erkennen. Die grünliche Farbe war jedoch für das bloße Auge nicht sichtbar, sie erscheint nur auf Fotografien wie dieser hier. Dieses Bild entstand mit meiner Canon RP mit einem 50mm Objektiv, f/2.0 und 15 Sekunden Belichtungszeit bei ISO400.

Hier jetzt ein Bild meiner Vespera-Beobachtungsstation, genauer gesagt, ein gestacktes Bild aus 12 Einzelbelichtungen a 10 Sekunden, also genau zwei Minuten belichtet:

Komet C/2022 E3 ZTF gegen 18:48 Uhr, zwei Minuten belichtet.

 Wenn man den Komet länger belichtet, wird er durch das Überlagern der Bilder natürlich noch heller, aber man erkennt auch, wie sein Kern schon zu einer richtigen Strichspur langgezogen:

Der Komet, jetzt gut zehn Minuten belichtet

Ein Komet steht ja nicht still am Himmel wie die Fixsterne, sondern zeigt jetzt, wo er in zwei Tagen die größte Annäherung an die Erde erreicht, natürlich schon eine große Eigenbewegung. Das macht richtig gute Kometenfotografien auch zu einer schwierigen Angelegenheit. Meine Beobachtungsstation kann automatisch die Bewegung der Sterne nachführen, dadurch "verwischt" sich jedoch das Bild des Kometen und feinere Details werden unsichtbar. Wenn man dagegen auf den Kern des Kometen das Stacking ausrichtet, dann werden natürlich die Sterne langgezogen. Detailreiche Kometenbilder vor punktförmigen Sternen sind daher immer auch ein Ergebnis von intensiver Photobearbeitung.

Ich habe jedoch nicht nur den Kometen fotografiert. Es gab heute Abend noch ein paar weitere interessante Objekte am Himmel:

M 79 im Sternbild Hase (32 Minuten belichtet)

 Endlich konnte ich ein Foto des Kugelsternhaufens Messier 79 im Sternbild Lepus ("Hase") unterhalb des Orions aufnehmen. Dieser Kugelsternhaufen stand nur wenige Grad über dem Südhorizont. Mehr Informationen über diesen interessanten, aber weit entfernten Kugelsternhaufen (ca. 40000 Lichtjahre) kann man bei Wikipedia nachlesen.

Danach habe ich einen offenen Sternhaufen im Sternbild Orion fotografiert, die sog. "kleinen Plejaden".

NGC 2169 ("kleine Plejaden") im Sternbild Orion

Die Bezeichnung "kleine Plejaden" ist im deutschen Sprachraum allerdings nur wenig verbreitet. Er wird manchmal auch die "kosmische 37" genannt, weil die Sterne - bei höherer Vergrößerung als mein Foto - dann der Zahl 37 sehr ähnlich aussehen. Auch dieses Bild wurde 30 Minuten belichtet.

Und dann gelang mir noch ein schönes Bild von NGC 2174:

NGC 2174, 60min belichtet, der "Monkey-Head-Nebula"

Dieses Bild entstand mit meiner Vaonis Vespera und einem zusätzlichen Dualband-Filter, dadurch werden die H-alpha Anteil dieser interessanten Gaswolke stärker betont und die einzelnen Sterne in der Helligkeit eher reduziert. Dieser Nebel trägt nicht ganz zu unrecht auch den Namen "Affenkopfnebel", weil er den Makake-Affen sehr ähnlich sein soll. Dieser Nebel ist am Himmel recht groß, etwas größer als der Vollmond. Für das bloße Auge ist er jedoch nicht sichtbar, da die meiste Strahlung im infraroten Licht abgegeben wird.

Weiterhin konnte ich an diesem Abend auch noch die Planeten Jupiter, Mars und Uranus beobachten und manch andere Objekte mit meinem Fernglas überfliegen.

Um 22 Uhr ging der Beobachtungsabend zu Ende. Er hatte sich heute wirklich wieder einmal sehr gelohnt.


Sonntag, 22. Januar 2023

23. - 29. Januar 2023: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche nimmt der Mond von Tag zu Tag zu, am Wochenende erreicht er das Erste Viertel.  Von den hellen Planeten verabschiedet sich Saturn vom Abendhimmel, er zieht in den kommenden Wochen und Monaten hinter der Sonne vorbei und bleibt damit unsichtbar. Dafür wird die helle Venus am Abend immer auffälliger. Jupiter kann bis ca. 22 Uhr im Westen gefunden werden und Mars leuchtet bis gegen 4:30 Uhr vom Himmel. In der Morgendämmerung kann vielleicht auch Merkur im Südosten ca. 45 Minuten vor Sonnenaufgang gefunden werden. Die ISS kann bei abendlichen Überflügen gefunden werden. Der Komet C/2022 E3 ZTF ist (fast) die ganze Nacht am Himmel zu finden, je höher der Mond im Laufe der Woche am Himmel aufsteigt, desto schwieriger wird es jedoch wohl, seinen Schweif im Fernglas oder Fernrohr zu erkennen. Gegen 19 Uhr steht er jeweils in nördlicher Richtung, am Montag 20° Grad hoch, am Mittwoch 25° und am Sonntag schon über 40° Grad hoch am Himmel. Im Laufe des Abends steigt er dann noch höher auf.

Am Montag, den 23. Januar, geht die Sonne um 8:17 Uhr auf und um 16:57 Uhr unter. Der helle Tag dauert dadurch schon 20 Minuten länger als noch vor einer Woche. Am Abend wird die sehr schmale Mondsichel zum ersten Mal nach Neumond wieder sichtbar sein. Gegen 18 Uhr kann man sie nicht weit entfernt von Venus und Saturn entfernt. Um diese Begegnung zu sehen, ist jedoch eine freie Sicht zum Südwesthorizont notwendig, denn dann stehen alle drei nur etwas über 5° Grad über dem Horizont. Um 17:44 Uhr steigt die ISS genau beim Mond im Westen auf und fliegt bis 17:50 Uhr in maximal 42° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg. Um 19:22 Uhr steigt die ISS im Westen noch einmal auf 52° Grad Höhe auf, verschwindet dann jedoch schnell im Erdschatten. Ab 17:30 Uhr bis 19:56 Uhr wandert der Schatten von Jupitermond Europa über die Planetenoberfläche.

Am Dienstag, den 24. Januar, ist die Mondsichel schon zu 12 Prozent beleuchtet und geht um 20:35 Uhr unter. Zwischen 18:31 Uhr und 18:37 Uhr fliegt die ISS in 80° Grad Höhe hoch über unseren Abendhimmel hinweg.

Am Mittwoch, den 25. Januar, ist der Mond schon zu 20 Prozent beleuchtet und geht kurz nach 22 Uhr unter, er nähert sich Jupiter. Zwischen 17:44 Uhr und 17:50 Uhr fliegt die ISS in maximal 67° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg. Um 19:22 Uhr steigt die ISS im Westen noch einmal auf 63° Grad Höhe auf, verschwindet dann jedoch um 19:24 Uhr im Erdschatten. Bei Jupiter stehen alle vier Monde auf der östlichen (linken) Seite.

Am Donnerstag, den 26. Januar, ist der Mond am Abend an Jupiter schon vorbei gezogen, er geht erst um 23:24 Uhr unter. Heute steht Kleinplanet (6)Hebe in Opposition zur Sonne. Der veränderliche Stern Algol (beta Perseus) steht um 23:20 Uhr im Minimum. Um 18:36 Uhr fliegt die ISS genau über unsere Stadt hinweg, vier Minuten vorher steigt sie im Westen steil auf und verschwindet um 18:37 Uhr im Sternbild Zwillinge im Erdschatten.Kleinplanet (6) Hebe (8,8mag) geht in 51' Bogenminuten Abstand an Stern 27 Cancri (5,7mag) vorüber.

Am Freitag, den 27. Januar, ist der Mond am Abend zu gut 40 Prozent beleuchtet und geht erst nach Mitternacht unter. Gegen 19:14 Uhr bedeckt er einen 6,3mag hellen Stern. Außerdem zeigt er maximale Libration in Länge, das Mare Crisium steht weitab vom Rand. Zwischen 17:44 Uhr und 17:50 Uhr fliegt die ISS ein weiteres Mal (fast) genau über unsere Stadt hinweg, den Zenit erreicht sie um 17h:47m:21s. Um 19:22 Uhr steigt die ISS im Westen noch einmal auf 65° Grad Höhe auf, verschwindet dann jedoch um 19:24 Uhr im Erdschatten. Von 18:00 Uhr bis 20:14 Uhr zieht Jupitermond Io vor dem Planeten vorüber, Ios Schatten wandert von 19:10 Uhr bis 21:22 Uhr über die Planetenscheibe. Um 21:10 Uhr beginnt auch ein Durchgang von Ganymed vor dem Planeten.

Am Samstag, den 28. Januar, erreicht der Mond um 16:19 Uhr das Erste Viertel. Er hat dann eine Höhe von 45° Grad am Himmel und sollte bei der tiefstehenden Sonne schon am Himmel zu finden sein. Um 22:03 Uhr bedeckt er den 6,0mag hellen Stern 29 Ari. Zwischen 18:31 Uhr und 18:37 Uhr fliegt die ISS ein weiteres Mal in über 80° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg.

Am Sonntag, den 29. Januar, ist der Mond am Abend schon zu 60 Prozent beleuchtet, er geht erst am Montag nach 3:00 Uhr unter. Zwischen 17:43 Uhr und 17:50 Uhr fliegt die ISS noch ein weiteres Mal genau über unsere Stadt hinweg, den Zenit erreicht sie um 17h:46m:48s. Um 19:20 Uhr steigt die ISS im Westen noch einmal auf, verschwindet dann jedoch um 19:24 Uhr schon in fast südlicher Richtung in 43° Grad Höhe im Erdschatten.

Dienstag, 17. Januar 2023

17. Januar 2023: Ein großer Sonnenfleck

 Nach langer Zeit war es heute Mittag endlich mal klar und ich konnte wieder die Sonne fotografieren. Und was für eine schöne Überraschung präsentierte sie da: ein Sonnenfleck, so groß, dass er mit einer Sonnenfinsternisbrille sogar mit dem bloßen Auge zu sehen ist!  Natürlich nur, wenn dies geschützt durch eine Sonnenfinsternisbrille ist!

Hier mein Foto von heute Mittag, 13 Uhr:

Sonne mit Flecken am 17. Januar 2023 um 13:03 Uhr MEZ

Laut spaceweather.com ist dieser Fleck ungefähr  vier mal so groß wie unsere Erde.Er trägt zusammen mit seinen eng benachbarten kleinen Flecken die Bezeichnung AR3190. (AR steht dabei als Abkürzung für "Aktive Region" oder "active region").

Hier das zugehörige Bild, ebenfalls von der spaceweather.com Website mit den Bezeichnungen auch der anderen aktiven Regionen, die sich zur Zeit auf der Sonne befinden:

Quelle: spaceweather.com

Dort werden zur Zeit 9 ARs gezählt und noch einmal 96 einzelne Flecken, so dass sich eine Sonnenfleckenrelativzahl von 186 ergibt. Etwas genauer: dies ist die Sonnenfleckenzahl wie sie in Boulder, Colorado, durch die NOAA gezählt wird. Sie liegt im allgemeinen ca. 25 Prozent höher als die "internationale Sonnenfleckenzahl, die vom SIDC in Belgien jeweils ermittelt wird.

Ich kann auf meinem Bild sieben Sonnenfleckengruppen mit insgesamt 22 Einzelflecken zählen und komme damit auf eine Sonnenfleckenrelativzahl von 70 + 24 = 94. Wieviele Flecken und Fleckengruppen sehen Sie?.

Sonntag, 15. Januar 2023

16. - 22. Januar 2023: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche haben wir Neumond, die Nächte eignen sich also gut zum Beobachten lichtschwacher Objekte am Himmel. Von den hellen Planeten sind die Venus und der deutlich lichtschwächere Saturn bis ca. 18:45 Uhr tief im Südwesten zu finden. Jupiter geht nach 22:30 Uhr unter, Mars leuchtet bis gegen 5:00 Uhr am Himmel. Mit viel Glück kann Merkur ab 7:15 Uhr in der Morgendämmerung tief im Südosten gefunden werden. Der Komet C/2022 E3 ZTF ist in dieser Woche vielleicht am besten zu sehen. Er ist vor Sonnenaufgang hoch am Himmel zu finden, um 6:00 Uhr steht er in östlicher Richtung ca. 70° Grad hoch am Himmel. Zum Sehen ist jedoch sicherlich ein Fernglas notwendig. Die ISS kann bei abendlichen Überflügen gesichtet werden.

Am Montag, den 16. Januar, geht die Sonne um 8:24 Uhr auf und um 16:45 Uhr unter. Die Tage werden jetzt allmählich auch am Morgen wieder länger. Die Mondsichel geht am frühen Morgen um 2:16 Uhr auf und ist noch zu ca. 38 Prozent beleuchtet. Der Mond zeigt maximale Libration in Breite, der Krater Grimaldi steht weit ab vom Rand.

Am Dienstag, den 17. Januar, geht die Mondsichel um 3:40 Uhr auf und ist noch zu 28 Prozent beleuchtet. Mit viel Glück kann heute die ISS um 19:22 Uhr tief in südsüdwestlicher Richtung gesehen werden. Kleinplanet (1)Ceres (8,0mag) geht heute Abend in nur 17 Bogenminuten Abstand südlich an rho Vir (5,0mag) vorüber.

Am Mittwoch, den 18. Januar, geht die nur noch zu 19 Prozent beleuchtete Mondsichel erst um 5:07 Uhr mit dem Sternbild Skorpion auf. Die ISS erreicht um 18:36 Uhr im Süden eine Höhe von ca. 17° Grad über dem Horizont. Jupitermond Io beginnt um 21:31 Uhr einen Durchgang vor der Jupiterscheibe. Kleinplanet (261)Prymno (12,1mag) kann heute Abend dicht beim Stern HIP44705 (7,6mag).

Am Donnerstag, den 19. Januar, geht die nur noch zu 10 Prozent beleuchtete Mondsichel um 6:33 Uhr auf, sie ist wohl letztmalig vor Neumond zu sehen. Die ISS kann zwischen 17:44 Uhr und 17:49 Uhr ganz tief im Süden/Südosten in maximal 11° Grad Höhe gesehen werden. Um 19:22 Uhr steigt sie noch einmal in Südsüdwest kurz auf 30° Grad Höhe auf, bevor sie im Erdschatten verschwindet. Um 18:40 Uhr beginnt eine Bedeckung von Jupitermond Io.

Am Freitag, den 20. Januar,  fliegt die ISS fliegt zwischen 18:32 Uhr und 18:36 Uhr über den Südhimmel bis sie im Sternbild Orion im Erdschatten verschwindet. Um 18:15 Uhr endet ein Durchgang von Io vor der Planetenscheibe, Ios Schatten fällt von 17:14 Uhr bis 19:27 Uhr auf den Planeten, um 19:44 Uhr endet ein Durchgang von Ganymed, so das zwischenzeitlich nur zwei Monde bei Jupiter zu sehen sind. Ab 21:58 Uhr beginnt der Schatten von Ganymed über den Planeten zu ziehen.

Am Samstag, den 21. Januar, erreicht der Mond um 21:53 Uhr seine exakte Neumond-Postion. Die ISS fliegt zwischen 17:43 Uhr und 17:49 Uhr in maximal 23° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg. Um 19:22 Uhr steigt sie noch einmal kurz im Südwesten auf. Kleinplanet (324)Bamberga (10,7mag) zieht heute Abend in nur 6' Bogenminuten Abstand an Stern HIP15876 (5,6mag) vorüber.

Am Sonntag, den 22. Januar, stehen am Abend Venus und Saturn nur 0,4° Grad auseinander, das ist weniger als ein Vollmonddurchmesser. Die ISS steigt im Westen um 18:29 Uhr ganz in der Nähe von Venus und Saturn auf, fliegt dann etwas oberhalb von Jupiter Richtung Osten, wo sie nach einer Passage unterhalb von Mars um 18:35 Uhr im Erdschatten verschwindet. Kurz zuvor, zwischen 18:26 Uhr und 18:30 Uhr kann in nur 11° Grad Höhe auch die chinesische Raumstation Tiangong gesichtet werden.


Mittwoch, 11. Januar 2023

12. Januar: Asteroid (994) Otthild bedeckt Mehrfachsystem 38 Lyncis

 Für Donnerstagabend um 21:20 Uhr ist für einen ca. 26 Kilometer breiten Streifen quer durch Norddeutschland ein besonderes Ereignis angesagt: eine Sternfinsternis! 

Es ist die hellste Sternbedeckung durch einen Asteroiden in diesem Jahr in Deutschland. Es gibt dazu, wie ich ja auch in meiner Wochenübersicht geschrieben habe, einen großen Beobachtungsaufruf der Vereinigung der Sternfreunde Deutschland.

Leider sieht es ganz danach aus, das Wolken und Regen eine Beobachtung verhindern werden.

Heute, am Mittwoch, den 11. Januar, konnte ich jedoch die Beteiligten an dieser Sternenfinsternis noch fotografieren. 

Asteroid Otthild einen Tag vor der Konjunktion mit 38 Lyn

 38 Lyn (Lyn steht als Abkürzung für Lynx, das lateinische Wort für Luchs) ist ein Mehrfachsternsystem im Sternbild Luchs. Die hellste Komponente leuchtet mit 3,9mag, die nächst schwächere mit 6,1mag. Um diese beiden Komponenten optisch zu trennen braucht man jedoch ein etwas größeres Fernrohr, da diese nur 2'' Bogensekunden auseinander stehen.

Wenn man sich das heutige Photo anschaut, kann man sich kaum vorstellen, das so ein lichtschwacher Punkt wie der vom Asteroid (994)Otthild morgen diesen hellen Stern "ausknipsen" kann, wenn er direkt vor ihm vorbeizieht. Dabei soll er nur die helle Komponente bedecken. Mit 6,1mag ist die schwächere Komponente aber praktisch für die allermeisten Augen unsichtbar. Es wird also wirklich so aussehen, dass der Stern für einen kurzen Moment verschwindet. Es wird angenommen, dass dieses Ereignis maximal nur 2,1 Sekunden dauert.

In mein Photo habe ich für einige benachbarte Sterne die Helligkeiten angegeben. Die Helligkeit des Asteroiden wird mit 14,3mag angegeben, das ist für mein Photo schon nahe an der Grenze des sichtbaren. Das Bild ist insgesamt 6 Minuten belichtet, gerne hätte ich noch etwas mehr Licht gesammelt, doch dann kamen auch schon die Wolken und bald soll es anfangen zu regnen. Und der ist leider auch für morgen Abend angesagt, praktisch im gesamten Bedeckungsgebiet in Deutschland soll es bewölkt sein und Schauer geben. Schade! Am vergangenen Montag war die Vorhersage noch besser und wir waren am Überlegen, ob wir mit ein paar Sternfreunden unserer Volkssternwarte uns nicht in das Finsternisgebiet irgendwo zwischen Nienburg und Osnabrück begeben könnten

(994)Otthild wurde übrigens vor fast genau 100 Jahren durch den Astronomen Karl Wilhelm Reinmuth an der Sternwarte in Heidelberg entdeckt. Im englischsprachigen Wikipedia-Eintrag kann man übrigens viel mehr über den Asteroiden erfahren als auf der deutschsprachigen Wikipedia-Seite oder erst recht im fre'e Nakieksel.

+++++

Zuvor habe ich auf einem  anderen Foto die enge Begegnung von (505)Cava und Pollux dokumentiert:

(505)Cava bei Pollux, 10 Minuten belichtet

 (505)Cava wird sich in den nächsten Stunden noch etwas dichter an Pollux annähern und dann in nur 4,5 Bogenminuten Abstand an Pollux vorbei ziehen. (505)Cava hat eine Helligkeit von ca. 11,5mag, ist also deutlich heller als (994)Otthild. Hier kommt es jedoch nur zu einer engen Begegnung und nicht zu einer richtigen Bedeckung.



Sonntag, 8. Januar 2023

8. Januar 2023: Ein (ziemlich) wolkenfreier Abend

Am Sonntagabend, den 8. Januar 2023, war der Himmel zeitweise sehr wolkenfrei, so dass ich den Abend wieder zum Beobachten des Nachthimmels nutzen konnte. Hier ein paar meiner Ergebnisse:

Zunächst stand das Objekt "Messier 77" im Sternbild Walfisch ("Cetus") auf meiner Liate. Der Korkoschka schreibt darüber "Prototyp für eine Seyfert-Galaxie, hell und klein, aktiver sehr heller Kern auffallend bei starker Vergrößerung". Okay, eine starke Vergrößung hat meine Vespera Beobachtungsstation nicht, aber trotzdem sehe ich durch mein Foto diese Aussage bestätigt:

M 77, am 8.1.23 um 20:00 Uhr MEZ, 30 Minuten belichtet, stack aus 180 Einzelaufnehmen


Danach bin ich dann zu einem weiteren Messier Objekt gewechselt. Der Sternhaufen M 35 im Sternbild Zwillinge:

M 35, 23 Minuten belichtet (ca. 20:45 Uhr MEZ)

Auch hier wollte ich 30 Minuten belichten, leider zogen dann aber doch Wolken durch. Aber auch 23 Minuten sind für dieses schöne Objekt nicht schlecht.  Bei dunklem Himmel kann dieser große Haufen auch schon mit bloßem Auge so gerade eben erkannt werden. besonders schön wirkt er im Feldstecher. Insgesamt gehören zudiesem Sternhaufen wenige hundert Sterne. M 35 ist ca. 3000 Lichtjahre entfernt und 100 Millionen Jahre alt.

Wie ein größeres Fernrohr, so zeigt auch dieses Foto rechts neben dem großen Haufen noch einen scheinbar kleineren,lichtschwächeren, aber recht konpakten Sternhaufen. Dieser kleine Haufen trägt die Bezeichnung NGC 2158. In Wirklichkeit ist dieser Haufen viel größer als M 77, er enthält wohl zehnmal so viel Sterne wie M 35, ist jedoch sechsmal weiter etfernt und dadurch so viel lichtschwächer. Auch ist dieser Haufen mindestens eine Milliarde Jahre alt.

Nicht weit von M 35 und NGC 2158 befindet sich ein weiterer,jedoch sehr unscheinbarer Sternhaufen: NGC 2129

NGC 2129

Dieser Sternhaufen ist 5000 Lichtjahre entfernt. Mit einem Alter von nur 10 Millionen Jahren gehört er zu den jüngsten seiner Art. Dieses Bild konnte ich wieder 30 Minuten lang belichten.

Richtig dunklen Himmel hatte ich heute Abend nicht, denn der Mond schien ja noch sehr voll vom Himmel. Der Vollmondzeitpunkt lag ja gerade 44 Stunden zurück, so dass er noch zu 97 Prozent beleuchtet war:

Der Mond am 8.1.23 gegen 21 Uhr.

Anschließend versuchte ich es noch mit einer kleinen Besonderheit am Himmel, dem "Weihnachtsbaum-Sternhaufen." Googelt man danach, findet man oft Photos, die auch interessante Gasnebel-Strukturen zeigen, in welche dieser "Sternhaufen" eingebettet zu sein scheint, so zum Beispiel den berühmten "Konusnebel". Von diesen nebeln ist auf meinem Bild jedoch (fast)nichts zu sehen, denn dafür schien der Mond viel zu hell und viel zu sehr in der Nähe.

Aber wenn man etwas genauer hinschaut, kann man dafür die Silhouette eines geschmückten Weihnachtsbaum doch gut erkennen:

Weihnachtsbaum-Sternhaufen

 Doch Achtung! Dieser Weihnachtsbaum steht ziemlich auf dem Kopf. Der ganz helle Stern ioben im Bild st nicht die Spitze, sondern der Fuß des Baumes. Deshalb hier noch einmal ein gedrehtes Einzelbild, in das ich einige "Strukturen" des Baumes unterstützend eingezeichnet habe:

Der Weihnachtsbaum

Im Gegensatz zu den zuerst fotografierten Sternhaufen, deren Sterne wirklich gemeinsam miteinander entstanden sind, handelt es sich hier jedoch nicht um einen Sternhaufen in diesem strengen Sinne. Es ist wohl eher eine zufällige Ansammlung (oder "Aufstellung") von Sternen, die bei uns diese Assoziation eines Weihachtsbaumes hervorrufen. Also einfach nur ein "Asterismus".

Das obere Bild des Weihnachtsbaum-Sternhaufens wurde immerhin 49 Minuten belichtet, dann hatte sich der Himmel jedoch wieder vollkommen zugezogen. Selbst der Mond kam kaum noch durch die Wolken durch. Trotzdem hat sich auch dieser Astroabend wieder sehr gelihnt!