Sonntag, 1. August 2021

2. - 8. August 2021: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche haben wir Neumond, die Nächte eignen sich also gut, um auch lichtschwache Objekte am Himmel zu beobachten. Die Sonne sinkt jetzt nachts schon wieder so tief unter den Horizont, das wir in etwa zwischen Mitternacht und 3:00 Uhr tatsachlich "astronomische Dunkelheit" haben. So können in dieser Woche wahrscheinlich schon die ersten Sternschnuppen der Perseiden gesichtet werden. Von den hellen Planeten ist die Venus weiterhin Abendstern, sie geht kurz nach 22:00 Uhr im Westen unter. Saturn und Jupiter sind beide so ziemlich die ganze Nacht über zu sehen. Die ISS kann in dieser Woche nicht bei nächtlichen Überflügen gesichtet werden.

Am Montag, 2. August, bedeckt Jupitermond Ganymed den Mond Europa für ca. zwei Stunden, dieses seltene Ereignis beginnt um 0:49 Uhr. Ebenfalls in der Frühe geht der abnehmende Mond um 0:38 Uhr auf, er ist noch zu 37 Prozent beleuchtet und steht im Sternbild Stier. Die Sonne geht um 5:49 Uhr auf und um 21:12 Uhr unter, der helle Tag ist damit 26 Minuten kürzer als noch vor einer Woche. Der Planet Saturn steht heute in Opposition zur Sonne, er ist damit die ganze Nacht über zu beobachten.

Am Dienstag, 3. August, geht der noch zu 28 Prozent beleuchtete Mond um 1:00 Uhr auf. Gegen 1:27 Uhr zieht ein 6.0mag Stern ganz knapp am oberen Rand des Mondes vorbei, im Osten Deutschlands wird dieser Stern streifend bedeckt. Der Start des Boeing-Starliners, ursprünglich für letzte Woche geplant, soll vielleicht heute nach 19 Uhr erfolgen.

Am Mittwoch, 4. August,  geht die noch zu 20 Prozent beleuchtete Mondsichel  um 1:30 Uhr auf. Kleinplanet (7) Iris (9.8mag) geht in nur 13' Bogenminuten Abstand an 98 Tauri (5.6mag) vorüber.

Am Donnerstag, 5. August, geht die nur noch zu 13 Prozent beleuchtete Mondsichel um 2:08 Uhr auf. Der Schatten von Jupitermond Europa wandert von 1:25 Uhr bis 4:15 Uhr über die Planetenoberfläche hinweg.

Am Freitag, 6. August, beginnt gleich um Mitternacht ein Schattendurchgang von Jupitermond Io vor der Jupiterscheibe (bis 2:19 Uhr). Ebenfalls in der Frühe geht die nur noch zu 7 Prozent beleuchtete Mondsichel um 2:58 Uhr auf. Das dürfte die letzte Morgensichtbarkeit vor Neumond sein. Um 23:31 Uhr endet bei Jupiter eine Bedeckung von Mond Europa.

Am Samstag, 7. August, zeigt der Bedeckungsveränderliche Stern beta Lyra um 21:50 Uhr ein Helligkeitsminimum. Wenn der Himmel klar ist, eignet sich diese Nacht besonders gut für die Beobachtung lkichtschwacher Objekte am Nachthimmel. Schauen Sie - wenn Sie ein Fernglas besitzen - vielleicht doch mal zur Nova in der Cassiopeia, oder - wenn Sie ein Teleskop besitzen - zur Supernova in NGC 7814!

Am Sonntag, 8. August, kommt es in der Frühe zu sehr engen Begegnungen der Jupitermonde Europa, Ganymed und Kallisto. Der Mond erreicht heute um 15:50 Uhr seine exakte Neumondposition und bleibt so die ganzen Tage/Nächte über unsichtbar.

Dienstag, 27. Juli 2021

26. April: Nova Cas 2021 schon wieder 6mag hell

 Die Nova im Sternbild Cassiopeia ist schon wieder für eine Überraschung gut. Seit einiger Zeit steigt ihre Helligkeit schon wieder Tag für Tag, so dass sie nun wieder mit dem bloßen Auge sichtbar sein kann, einen klaren, dunklen Himmel vorausgesetzt.

Heir ein Foto von mir vom 26. Juli 2021 um 23:21 Uhr. Leider war der Himmel dabei teilweise schon recht bewölkt. Die Nova ist jedoch einfach zu finden. Direkt unter ihr gibt es einen Stern, dessen Helligkeit bei Stellarium mit 6.6mag angegeben wird. Ich habe die Nova auf etwas heller eingeschätzt. Beobachter bei der AAVSO schätzen ihre Helligkeit aktuell sogar teilweise für leicht besser als 6.0mag.

(Zur Erläuterung: Die Astronomen teilen die Helligkeit der Sterne nach Größenklassen ein, so ähnlich wie Schulnoten. Die hellsten Sterne haben Helligkeit "1" und die schwächsten, gerade noch mit bloßem Auge sichtbaren Sterne die Helligkeit "6".)

Hier mein Foto:

Nova Cas 2021 am 26. Juli 2021

Die Aufnahmedaten im einzelnen: Canon 5D MarkII, 50mm Festbrennweite, f/1.8, ISO3200, 6 Sekunden Belichtungszeit.

Durch die Wolken erscheinen insbesondere die hellsten Sterne der Cassiopeia (das "Himmels-W") etwas diffus, dadurch aber deutlicher hervorgehoben. Die Nova befindet sich dicht beim kleinen Sternhaufen M52, im Fernglas ein schöner Anblick!

Und hier die Lichtkurve der Nova seit ihrer Entdeckung am 18. März 2021. Eingezeichnet sind visuelle Schätzungen (schwarze runde Kreise) und photografische Messungen im definierten grünen Bereicht, der am ehesten dem visuellen Eindruck entspricht:

Lichtkurve Nova Cas 2021 der AAVSO (siehe https://www.aavso.org/)

**** Nachträge vom 29.7.21: 

Aktuell soll am 29.7. in der Frühe laut Beobachtungsberichten bei der AAVSO die Helligkeit plötzlich wieder auf 7.1mag abgesackt sein. Leider war es hier die letzten Abende bedeckt, so dass ich die Nova nicht beobachten konnte. 

Am Abend des 29.7. habe ich nach 23 Uhr versucht, die Nova im Fernglas zu beobachten. Wegen immer wieder durchziehender Bewölkung war eine Helligkeitsschätzung schwierig. Sie war jedoch deutlich dunkler als der 6.6mag helle Stern unter ihr. Maximal würde ich die Helligkeit nur noch auf 7.0 mag einschätzen, eher noch darunter.


26. Juli 2021: ISS und Nauka

*** Am 28. Juli habe ich diesen Artikel ergänzt *****

Am Abend des 26. Juli klarte es passend zum Überflug der ISS kurz nach 22 Uhr sehr schön auf, so dass ich diesen Überflug gut fotografieren konnte. Ich habe meine Kamera in etwa auf die zu erwartende Flugbahn der ISS ausgerichtet und dann automatisch ein Bild nach dem anderen fotografiert. Die Belichtungszeit betrug jeweils 6 Sekunden, so dass die ISS eine schöne Strichspur auf jedem einzelnen Foto hinterlassen sollte. Die Empfindlichkeit hatte ich auf ISO100 eingestellt. Noch empfindlicher konnte ich es nicht einstellen, denn im Westen war der Himmel selbst noch sehr hell, da wäre das Bild sonst völlig "abgesoffen".  Zweimal musste ich die Aufnahmeserie unterbrechen, weil ich die Kamera in eine andere Himmelsrichtung drehen musste, sonst wäre die ISS zu schnell aus dem Bild herausgeflogen, so konnte ich sie recht gut verfolgen.

Anschließend habe ich die vielen Einzelbilder übereinandergelegt, so dass sich ihre Bahn Abschnitt für Abschnitt verfolgen ließ. Danach habe ich dann versucht, die Summenbilder zu einem Panorama zusammen zu fügen. Leider ist mir das nur für die ersten beiden Bilder gelungen und nicht mehr für das dritte. Hier hatte ich die Kamera wohl leider etwas zu weit gedreht, so dass die Software keine "Anschlusstellen" mehr finden konnte.

Hier das Ergebnis, ein kleines Panorama des ISS-Überfluges:

ISS Überflug am 26. Juli 2021

Wenn Sie auf das Bild klicken, öffnet es sich in einer größeren Darstellung. Die ISS fliegt von rechts nach links über das Foto. Am Anfang ist ihre Bahn (Strichspur) im Vergleich zum hellen weißen Himmel nur schwer zu erkennen. Hier schauen wir Richtung Westen hinein in die noch helle Dämmerung. Der Sonnenuntergang ist ja noch keine Stunde her. Wenn Sie das Bild etwas genauer betrachten, kann man gegen Ende des ersten Abschnitts (etwas rechts der Mitte des Bildes) einen hellen Stern erkennen. Das ist Arkturus, der hellste Stern im Sternbild Bärenhüter. Die ISS zieht ihre Bahn deutlich oberhalb von Arkturus am Himmel. In der linken Bildseite blicken wir nach Süden, dort ist der Himmel schon deutlich dunkler und die ISS tritt viel heller am Himmel hervor.

Hier noch das Bild der letzten Etappe der ISS, das sich leider nicht direkt mit den anderen kombinieren ließ.

Das Ende des ISS-Überflugs

Hier schauen wir in Richtung Südosten. Die ISS fliegt knapp 400 Kilometer über der Erde, bleibt daher fast die ganze Zeit bis kurz vor dem Horizont von der Sonne angestrahlt, denn diese stand zurzeit des Überflugs nur 8° Grad unter dem Horizont.

Am 21. Juli 2021 wurde ein neues russisches Modul für die ISS gestartet: Nauka. Der Bau dieses Moduls wurde schon 2004 begonnen. Durch eine unglückliche Verkettung verschiedenster Umstände verzögerte sich die Fertigstellung jedoch immer wieder. Und auch jetzt beim Start ging einiges schief, denn das Modul erreichte zunächst nur eine viel zu niedrige Umlaufbahn. Nach einigen Überprüfungen stellte man jedoch fest, das sich die ISS durchaus noch erreichen lässt. Ein Andocken soll jetzt am 30 Juli erfolgen.

Am Montagabend sollte das Nauka Modul kurz vor 23 Uhr über unseren Himmel fliegen. Würde man es sehen können? Es ist ja viel kleiner als die ISS selbst, sollte also sicherlich deutlich lichtschwächer sein.  Zum Glück war es gegen 23 Uhr auch schon dunkler, so dass ich die Empfindlichkeit meiner Kamera diesmal auf ISO800 stellen konnte. Ich habe wieder jeweils 6 Sekunden belichtet.

Hier das Bild vom Überflug, wieder zusammengesetzt aus vielen Einzelbildern wie oben beschrieben:

Nauka-Überflug am 26. April

Leider wurde es gegen 23 Uhr wolkiger. Auch Nauka fliegt wieder von rechts nach links durch das Bild. Das Erscheinen über den Bäumen in der Mitte ist nur sehr schwer zu erkennen. Nauka war also durchaus lichtschwächer als die ISS. Erreichte die ISS teilweise durchaus Venus-Helligkeit, war Nauka aber doch immerhin noch in etwa so hell wie Arkturus oder andere helle Sterne.

Zum Zeitpunkt des Nauka-Überflugs stand die Sonne schon fast 12° Grad unter dem Horizont. Das bedeutete natürlich, das Nauka viel eher im Erdschatten verschwinden müsste. Und so war es natürlich auch. Hier brauchte ich die Aufnahmeserie zwischendurch nur einmal zu unterbrechen.

Die Bahn von Nauka ist im Vergleich zur ISS längst nicht so hoch am Himmel. Sie fliegt deutlich unterhalb von Arkturus in den Himmel hinein.

Und schauen Sie einmal genau hin, was im linken Teil des Bildes zu erkennen ist: Kurz bevor die Spur von Nauka verschwindet, wird sie noch einmal deutlich heller. Fast wie früher bei einem Iridiumflare leuchtete Nauka noch einmal recht hell auf. Wahrscheinlich müssen hier die Sonnenkollektoren von Nauka das Licht der Sonne genau in meine Beobachtungsrichtug reflektiert haben.

Einem britischen Amateurastronomen gelang übrigens ein tolles Foto von Nauka, kurz nach dem Start in der Nähe von London aufgenommen.

Hoffen wir, das die weitere Mission von Nauka gelingt und somit auch die Mission der ISS weiter erfolgreich fortgeführt werden kann.

*** Ergänzung vom 28. Juli *****

Am 28. Juli wollte ich noch einmal die ISS und Nauka beobachten, da beide kurz nacheinander auf fast gleicher Bahn über den Himmel fliegen sollten. Auch hier war der Himmel ab 20:15 Uhr wunderschön klar, und ab 22:15 Uhr, kurz bevor die ISS und dann ab 22:30 Uhr auch Nauka auftauchen sollte, begann der Himmel sich zu bewölken. Hier ein animiertes gif, zusammengesetzt aus 100 Bildern a 6 Sekunden, die jetzt nur jeweils 0,2 Sekunden gezeigt werden:

Können Sie die ISS hinter den Wolken aufblitzen sehen?

Die ISS ist in den ersten Bildern (wenn der Himmel noch am blauesten ist) ab und an kurz aufblitzend zu finden, für Nauka waren dann die Wolken schon zu dicht.


Sonntag, 25. Juli 2021

26. Juli - 1. August 2021: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche zieht sich der Mond langsam vom Abendhimmel zurück. Die Venus ist nach Sonnenuntergang tief im Westen bis gegen 22:15 Uhr zu finden. Saturn (Aufgang ca. 21:45 Uhr) und Jupiter (Aufgang ca. 22:15 Uhr) sind so ziemlich die ganze Nacht über zu sehen. Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag bieten die Jupitermonde eine große Zahl von Vorübergängen und Schattenspielen, da diese meist jedoch in der Zeit zwischen Mitternacht und 4:00 Uhr stattfinden, verzichte ich hier jedoch auf viele Einzelheiten. Die ISS ist noch bei abendlichen Überflügen zu sehen. Zurzeit ist ein russisches Modul "Nauka" unterwegs zur ISS. Mit welcher Helligkeit dieses Modul zu sehen sein wird, ist jedoch (noch) nicht bekannt. Da viel kleiner wird es sicherlich auch deutlich lichtschwächer als die ISS.

Am Montag, den 26. Juli, geht die Sonne um 5:39 Uhr auf und um 21:28 Uhr unter. Die ISS fliegt das erste Mal zwischen 22:20 Uhr und 22:27 Uhr ungefähr von der Venus über eine Höhe von 58° Grad im Süden zum Jupiter über unseren Abendhimmel. 15 Minuten vorher ist auf fast der gleichen Bahn wahrscheinlich das Modul Nauka zu sehen, das in einigen Tagen an die ISS andocken soll. Der noch zu 90 Prozent beleuchtete Mond geht um 23:06 Uhr auf. Direkt vor Mitternacht ist die ISS noch einmal im Westen zu sehen, sie steigt jedoch nur 17° Grad hoch und verschwindet dann schnell im Erdschatten.

Am Dienstag, den 27. Juli, endet um 2:12 Uhr eine Sternbedeckung durch den Mond. Außerdem zeigt der Mond maximale Libration in Breite, so dass wir auf seine Nordpolregion schauen können. Der Stern SAO 165425 (6.3mag) tritt am dunklen Mondrand wieder hervor. Am Abend fliegt Nauka von 22:14 Uhr bis 22:18 Uhr über unseren Himmel, die ISS folgt erst ab 23:10 Uhr bis 23:14 Uhr von West bis Süd, wo sie dann im Erdschatten verschwindet. Der zu 83 Prozent beleuchtete Mond geht um 23:22 Uhr auf.

Am Mittwoch, den 28. Juli, wandert ab 3:37 Uhr der Schatten von Io über die Jupiteroberfläche. Am Abend sind die ISS und das Modul Nauka kurz hintereinander zwischen 22:23 Uhr und 22:28 Uhr (ISS) bzw. 22:30 Uhr bis 22:34 Uhr (Nauka) am Himmel zu sehen, wobei die ISS mit 33° Grad die höhere Bahn gegenüber Nauka mit 27° Grad hat. Um 23:37 Uhr geht der zu 75 Prozent beleuchtete, abnehmende Mond auf. Er zeigt maximale Libration in Länge, der Krater Grimaldi steht nah am Rand. Ab 22:50 Uhr (bzw. 23:57) zieht zunächst der Schatten von Jupitermond Europa, dann der Mond selbst vor der Jupiteroberfläche vorüber.

Am Donnerstag hat das Modul  Nauka nach einem verunglücktem Start vor einigen Tagen erfolgreich an die ISS angedockt. Jetzt ist es also nur noch mit der ISS zusammen zu sehen. Leider sind damit die Probleme mit Nauka noch nicht zu Ende. Einzelheiten finden Sie zum Beispiel bei heise.de auf deutsch oder direkt von der NASA in englisch.

Am Donnerstag, den 29. Juli, kommt es in der Frühe bis 3:43 Uhr zu vielfältigen Verfinsterungen und Bedeckungen bei Jupiter. Am Abend ist die ISS zwischen 23:13 Uhr und 23:15 Uhr kurz in nur maximal 12° Grad Höhe im Südwesten zu sehen. Heute geht der Mond um 23:50 Uhr auf und er ist noch zu 65 Prozent beleuchtet. Am Abend fällt der Schatten von Io auf die Jupiteroberfläche (bis 0:24), da ab 23:12 Uhr auch Kallisto vor der Jupiterscheibe entlang zieht, sind dann nur die Mond Europa und Ganymed zu sehen.

Am Freitag, den 30. Juli, ist die ISS ein letztes Mal zwischen 22:25 Uhr und 22:30 Uhr tief im Südwesten in maximal 17° Grad Höhe bei einem Überflug zu sehen. Damit endet diese abendliche Sichtbarkeitsperiode. Der Mond geht heute erst kurz nach Mitternacht auf. Kleinplanet (12) Victoria (8,8mag) steht heute in Opposition zur Sonne.

Der für heute geplante Start der Boeing-Starliner-Kapsel zur ISS wurde von der NASA wegen der Probleme mit dem Nauka-Modul bis auf weiteres verschoben.

Am Samstag, den 31. Juli, erreicht der Mond um 15:16 Uhr das Letzte Viertel. Er geht bei uns jedoch erst um 0:20 Uhr am Sonntag auf.

Am Sonntag, den 1. August, steht in der Frühe der Mond im Sternbild Widder. Der Mond wird langsam immer schmaler, im dunklen Teil leuchtet das Erdlicht. Der Planet Uranus steht heute früh um 1:00 Uhr nur 1,8° Grad oberhalb vom Mond. Es könnten inzwischen auch schon die ersten Perseiden zu sehen sein, der Höhepunkt dieser Sternschnuppen wird jedoch erst am 12. August erreicht.

Samstag, 24. Juli 2021

23. Juli 2021: Eine klare Nacht und Vollmond

 Die Nacht von Freitag auf Samstag war wieder einmal klar. Allerdings war Vollmond. Schwächere Himmelsobjekte sollten dadurch nicht gut zu beobachten sein. Und so war es tatsächlich auch. Obwohl der Mond nur sehr tief über den Horizont entlang zog, waren mit bloßem Auge nur die hellsten Sterne am Himmel zu sehen. Das Band der Milchstraße war überhaupt nicht auszumachen.

So habe ich zunächst einfach mal ein paar hellere Sternen rausgesucht. Zum Beispiel den Doppelstern Albireo im Schwan:

Albireo
Albireo ist ein Paradebeispiel für einen Doppelstern. Er ist im Sternbild Schwan zu finden. Die unterschiedlichen farblichen Komponenten stehen so weit auseinander, das sie mit einem guten Fernglas, das ruhig steht, schon unterschieden werden können. Stehen diese beiden Sterne zufällig so dicht nebeneinander, sind sie also nur ein "optischer" Doppelstern? Oder sind sie tatsächlich über die Gravitation miteinander gekoppelt und damit ein echter Doppelstern? Das ist selbst heute und mit modernsten Meßmethoden nicht zu klären, lesen Sie doch dazu einmal den spannenden Wikipedia-Artikel

Ein Foto des Vollmonds möchte ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Da der Mond maximal nur 13° Grad hoch am Himmel stand, blieb er die ganze Zeit recht rötlich/gelblich. Im Fernrohr waberte sein Rand in der warmen Atmosphäre die ganze Zeit. So sah er aus:

Vollmond

Und dann habe ich einfach trotzdem mal auf ein "deep-sky" Objekt gehalten. Der planetarische Nebel M 27 war mein Ziel. Dafür habe ich 58 Bilder mal 30 Sekunden belichtet (also fast 30 Minuten), bei ISO3200. Diese Bilder habe ich später mit zusätzlichen sog. Darks und Flats und der Spezialsoftware Sequator gestackt und dies Ergebnis wiederum mit Photoshop bearbeitet. Das Ergebnis sieht so aus:

M 27, auch "Hantelnebel" genannt.

Mit Hilfe der Digitalfotografie und anschließender Softwarebearbeitung kommt der Nebel doch ganz gut zur Geltung. Die schwächsten Sterne auf diesem Bild haben ca. 16mag oder vielleicht sogar noch niedriger. Immerhin zeigt das Bild mehr Sterne, als man insgesamt sich im Programm Stellarium reinladen kann.

Außerdem standen in dieser Nacht natürlich auch noch die ISS, Saturn und Jupiter und eine Reihe weiterer Objekte auf meiner Beobachtungsliste. Es lohnt sich immer, nachts aufzubleiben, wenn der Himmel klar ist.

Dienstag, 20. Juli 2021

Mond und Saturn am 19. Juli 2021

 Auch am 19. Juli klarte es spät am Abend wieder auf, so dass ich ein wenig Himmelsbeobachtung betreiben konnte. Das erste Ziel war der Mond, sollte er doch heute wieder seinen "goldenen Henkel" zeigen.

Dieser "goldene Henkel" sind die Bergspitzen des Juragebirges auf dem Mond, welches die "Regenbogenbucht" ("Sinus Iridium") teilweise umschließt. Teile der Bucht lagen auch gerade noch im Schatten, so dass sich die bereits beleuchteten Berge sehr schön am Mondrand abzeichneten.

Mare Imbrium und Sinus Iridium auf dem Mond.

Die Regenbogenbucht ist Teil des Regenmeeres ("Mare Imbrium") auf dem Mond. Letztere ist die zweitgrößte Mare-Fläche auf dem Mond. Nur wenige jüngere Kratereinschläge beeinträchtigen seine klare Oberfläche.

Ich bin mit diesem Foto nicht ganz zufrieden. Was sind die kleinsten Details, die man auf dem Bild erkennen kann? Am Übergang vom Sinus Iridium zum Mare Imbrium kann man einen kleinen Krater erkennen. Dieser trägt den Namen Laplace, benannt nach Pierre Simon Laplace - ein französischer Mathematiker und Astronom (1749-1827). Genauso wie der nordwestlichste Ausläufer des Juragebirges als "Kap Laplace" benannt worden ist. Dieser kleine Krater hat einen Durchmesser von neun Kilometern. Er ist, erstrecht wenn man das Bild in Originalgröße anschaut, noch recht gut zu erkennen. Von daher hatte ich angenommen, das man auch Objekte von nur etwa der Hälfte dieser Größe auch noch erkennen sollte. Und zwei solche noch kleineren Krater gibt es tatsächlich im Sinus Iridium, zumindest auf den einschlägigen Mondatlanten. Auf dem Foto sind sie jedoch nicht zu sehen. Ursache ist wahrscheinlich die doch starke Unruhe in der Luft am Montagabend., das "Seeing" war sehr schlecht, beim Blick durchs Fernrohr schien alles nur zu wabern. Und dadurch bedingt konnte dann auch die Bildbearbeitung durch den PlanetarySystemStacker diese Krater nicht mehr hervorzaubern.

Saturn am 19. Juli 2021
Eine ähnlich Erfahrung habe ich mit dem zweiten Objekt des Abends gemacht. Ich hatte mir Saturn etwas genauer angeschaut. Auch hier habe ich mit meiner Astrokamera (eine ZWO ASI 178 MC) einen mehrminütigen Film gedreht und in etwa die besten 10 Prozent der Bilder stacken lassen.  Auch dieses Ergebnis ist nicht besonders "scharf". Man kann schon erkennen, dass dies ein Foto vom Ringplanet ist, und auch die Cassinische Teilung im Ringsystem lässt sich erkennen. Aber man erkennt auch eine gewisse atmossphärische Verzeichnung, auf der einen Seite mehr Blauanteile, gegenüber mehr Rot, was auf den tiefen Stand von Saturn über dem Horizont zurückzuführen ist. Zum Zeitpunkt des Fotos stand er nur ca. 10° Grad über dem Horizont. Seinen höchsten Stand im Süden hätte er drei Stunden später erreicht, das wären dann 20° Grad Höhe geworden, doch solange wollte ich nicht warten. Es wird im Laufe des Jahres sicherlich noch weitere und wahrscheinlich auch bessere Gelegenheiten geben, um schöne Fotos der beiden Nachtplaneten Saturn und Jupiter zu machen.

Die nächsten Gelegenheiten zur Beobachtung des Goldenen Henkels auf dem Mond sind übrigens am 16. September und besonders gut am 14. November, weil es dann zur besten Beobachtungszeit am Abend auch schon richtig dunkel ist.



Sonntag, 18. Juli 2021

17./18. Juli 2021: Eine weitere wunderschöne Astronacht

 Wochenende und klarer Himmel? Das passt gut zusammen. Und so gab es auch in der Nacht vom 17. zum 18. Juli an Nachthimmel viel zu beobachten. Der Mond war zu gut der Hälfte beleuchtet, er hatte am Samstagmittag gerade das Erste Viertel erreicht. Gegen 1:00 Uhr am Sonntag sollte er untergehen, danach sollte es also auch noch gut dunkel werden, so dass das Band der Milchstraße am Himmel wieder sichtbar sein sollte.

Und so wunderschön kam es auch. Als erstes habe ich micht auf die Suche nach der Mondeule gemacht. Das es die gibt, habe ich erst durch das "Astronomy Picture of the Day" der NASA vom selben Tag erfahren. Eine lustige Formation der Krater Alphonsus, Arzachel und Alpetragius bei richtigem Beleuchtungsstand. Und tatsächlich, ich habe die Eule auch gleich gefunden, wie das nebenstehende Bild beweist. Natürlich ist dieses Bild, das mit meinem kleinen Spektiv entstand, technisch nicht mit dem APOD-Original zu vergleichen, das mit einem 10-Zoll-Fernrohr aufgenommen wurde. Im Krater Alphosus "landete", besser gesagt zerschellte, übrigens am 24. März 1965 die Mondsonde "Ranger 9".

 

Wollen Sie selbst sich einmal auf die Suche nach der Mondeule machen? Hier ein Komplett-Bild des Mondes am Samstagabend. Um die Eule zu finden, müssen Sie allerdings ihren Kopf um 90° Grad drehen :-)

Mond im Ersten Viertel am Abend des 17. Juli 2021


 
In dieser Nacht habe ich insgesamt rund 50 verschiedene Objekte beobachtet. Von einer ganzen Reihe davon, habe ich auch Fotos gemacht. Würde ich alle hier aufzählen und zeigen, wäre dieser Blogbeitrag schnell "endlos". Ich werde im Laufe des Tages daher wohl nur noch ein paar Highlights ergänzen. Schauen Sie zu einem späteren Zeitpunkt also gerne noch einmal wieder in diesen Blog!

Natürlich habe ich auch noch einmal kontrolliert, ob ich am 14.7. wirklich Pluto gesehen habe. Also habe ich erneut ein Foto dieser Region gemacht. Leider habe ich nicht exakt die gleichen Aufnahmedaten verwendet wie am 14.7., diesmal habe ich nur 30 Sekunden belichtet, statt 88 sec wie beim ersten Mal. Doch ich hatte Glück, auch auf diesem Foto ist Pluto zu erkennen. Vergleicht man seine Position mit den umliegenden Sternen kann man unschwer erkennen, das er inzwischen ein wenig weiter gewandert ist. Zwar nur 18'' Bogensekunden, doch weit genug, um die unterschiedlichen Posiutionen zu erkennen. Und tatsächlich, dort wo er am 14.7. war, ist jetzt kein "Stern" mehr zu erkennen, dafür war umgekehrt am 14. an seiner heutigen Position nichts zu sehen. Und ein Vergleich mit einem Planetariumsprogramm wie "Stellarium" bestätigt diese Beobachtung natürlich auch.

Pluto am 17. Juli 2021

Nach Pluto folgten viele weitere schöne Beobachtungen, von Saturn und Jupiter (hier war wunderschön der Schattenwurf von Jupitermond Ganymed auf die Planetenoberfläche zu beobachten), Kleinplanet Hebe, der ebenfalls in Opposition steht, jedoch am Himmel etwas höher als Pluto und dann wieder unzählige planetarische Nebel, Sternhaufen und ferne Galaxien.

Auf das letzte Objekt, NGC 7814, habe ich eigentlich die ganze Nacht über gewartet. Doch es dauerte bis nach 3:00 uhr morgens, dass dieses Objekt hinter meinem Haus hervor kam. NGC 7814 wird auch "kleiner Sombrero" genannt (da sie sehr ähnlich aussieht wie M 104, die "Sombreorogalaxie" im Sternbild Jungfrau). Es ist ein Spiralnebel, bei dem wir genau auf seine Kante schauen. In der Mitte zeigt er einen dunklen Strich und auf beiden Seiten davon leichte Aufhellungen.

Und in dieser Galaxie wurde vor kurzem eine Supernova entdeckt. Man muss sich das mal vorstellen, die Galaxie ist etwas über 50 Millionen Lichtjahre von uns entfernt (zum Vergleich: die Andromedagalaxie ist 2 Millionen Lichtjahre entfernt). Und in dieser Galaxie ereignet sich eine Supernova-Explosion und bringt einen Stern zum Leuchten, das er fast heller als die ganze Galaxie erscheint, nämlich gut 12mag.

Und dies kann man tatsächlich auf meinem Foto erkennen:

Supernova SN2021rhu in NGC 7814

Die Supernova und die Galaxie befinden sich ziemlich genau in der Mitte des Bildes. Dieses wurde am 18. Juli 2021 um 3:12 MESZ aufgenommen, Kamera Canon 5D MarkII am Celestron 8 Teleskop (2000mm Brennweite, 118sec belichtet bei ISO1600.

Etwas mehr kann man über diese Supernova auf der Webseite https://www.rochesterastronomy.org/sn2021/sn2021rhu.html erfahren.

Die Supernova ist am besten zu erkennen, wenn Sie auf das Bild klicken und es sich dann in größerer Darstellung öffnet. Und wenn Síe ganz genau auf das Bild schauen, können sie unterhalb von NGC 7814 noch eine weitere Galaxie erkennen. Diese trägt die Bezeichnung IC 5381 und ist ca. 500 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.