Mittwoch, 18. Mai 2022

18. Mai 2022: Neue Sonnenflecken

 Heute ist auf der Sonnenoberfläche eine große Sonnenfleckengruppe zu sehen, sie trägt die Bezeichnung AR3014 ("aktive Region Nr. 3014").

Hier ein Foto von mir von heute kurz nach 15 Uhr MESZ:

Sonne mit Flecken am 18. Mai 2022

Die NASA hat aus Aufnahmen des SDO-Satelliten eine kleine Animation erstellt, wie diese Sonnenfleckengruppe sich in den letzten 24 Stunden entwickelt und dabei ihre Größe mehr als verdoppelt hat:

Animation der (c)NASA

Ich habe diese Animation der  Webseite spaceweather.com von heute entnommen.

Ich bin schon ganz gespannt, ob die Fleckengruppe noch weiter wachsen wird oder ob sie jetzt vielleicht die größte Ausdehnung erreicht hat.

Wer sich das Bild der Sonne genau anschaut, kann noch viele weitere Flecken bzw. Fleckengruppen erkennen.

Montag, 16. Mai 2022

16. Mai 2022: Mondfinsternis

 Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

Mondfinsternis 16. Mai 2022

Dazu ein tolles Vogelstimmenkonzert....

Doch von Anfang an, so begann es am Abend des 15. Mai:

Der Mond wird hinter den Büschen sichtbar, Sonntag, 15. Mai 2022, 21:42 Uhr

Der mathematische Mondaufgang erfolgte am Sonntagabend um 20:33 Uhr MESZ. Doch bei uns wird es immer eine ganze Weile später, bis der Mond (oder ein Stern oder die Sonne) über der Egge hervorsteigt. Und dann muss man ja auch noch die Hecken und Büsche oder Bäume oder Häuser auf den benachbarten Grundstücken überwinden. Zum Zeitpunkt des Photos oben stand der Mond knapp 8° Grad über dem mathematischen Horizont.

 

Der volle Mond am 15. Mai 2022 um 21:43 MESZ

Bis zum Beginn der totalen Mondfinsternis waren es noch gut sechs Stunden, heute ging ich frühzeitig ins Bett, um 4 Uhr sollte der Wecker mich wieder wecken. Ob der Himmel dann immer noch klar sein würde?

Der Mond am 16. Mai um 4:11 Uhr

Es dauert nach dem Weckerklingeln natürlich ein paar Minuten, bis man so seine sieben Sinne zusammen hat und bereit ist zum ersten Photo. Hurra! Der Mond ist noch zu sehen. Die Halbschattenfinsternis hatte um 3:30 Uhr begonnen, ab etwa 4:00 Uhr sollte man eine leichte Verdunkelung erkennen können. Und in der Tat, links oben scheint der Mond doch wirklich irgendwie dunkler zu sein als üblich!?

Der Mond um 4:22 Uhr, kurz vor Beginn des Eintritts in den Kernschatten (4:27 Uhr MESZ).
  

Mond im Kernschatten um 4:30 Uhr. Scharf umrissen ist der Rand des Erdschattens auf dem Mond nie.

Um 4:32 Uhr sank der Mond jedoch schon in die ersten horizontnahen Wolkenstreifen hinein. Jetzt muss man beim Beobachten aufpassen: was sind Wolken? Was ist Erdschatten?

Um 4:38 Uhr war die erste Wolkenschicht passiert, oben sieht man eine dünne Strichspur, da muss gerade ein Flugzeug vorbei geflogen sein.

Nur eine Minute später...

Um 5:04 Uhr ist sowohl die Finsternis, als auch die Dämmerung schon gut fortgeschritten.

Um 5:05 Uhr stand der Mond nur noch gut 3° Grad über dem Horizont.

Jetzt wäre es nicht mehr lang bis zum Beginn der Totalität, doch dann würde der Mond hier bei uns auch untergehen. Um diese beobachten zu können, hätte man mindestens in Südwestdeutschland wohnen müssen, oder noch weiter in diese Richtung, in Frankreich oder Spanien. Um die ganze Mondfinsternis zu beobachten, wäre ein Platz im Osten der USA nötig gewesen.

Ich habe mich gefreut, dass das Wetter doch einigermaßen klar geblieben war und selbst am Horizont nur wenige Wolkenstreifen zu sehen waren. Das der Mond um kurz nach 5 Uhr noch sichtbar war, hat mich positiv überrascht.

Mehr war an diesem Morgen nicht zu beobachten, also ging ich wieder ins Bett, bis um 7 Uhr der Wecker erneut klingelte...

Sonntag, 15. Mai 2022

16. - 22. Mai 2022: Der Himmel über Bad Lippspringe

Die Woche beginnt gleich am Montag früh mit Vollmond und sogar einer (schwer zu beobachtenden) Mondfinsternis. Der danach langsam abnehmende Mond zieht sich schnell vom Abendhimmel zurück. Helle Planeten kann man nur in der Morgendämmerung sehen, Saturn steigt im Südosten gegen 3:00 Uhr über den Horizont, Mars und Jupiter folgen gegen 4:00 Uhr und die Venus ab etwa 4:30 Uhr. Die ISS kann bei vielen nächtlichen Überflügen gesichtet werden. In dieser Woche endet bei uns die Zeit, in der es nachts richtig "astronomisch" dunkel wird. Zum Ende der Woche sinkt die Sonne nachts nicht mehr tiefer als 18° Grad unter den Horizont, d.h. es bleibt selbst mitten in der Nacht (nach Norden hin) immer noch etwas dämmrig. Noch weiter nördlich in Deutschland spricht man dann auch von den "weißen Nächten".

Am Montag, den 16. Mai, beginnt der Morgen mit einer totalen Mondfinsternis. Bei uns ist jedoch nur der Beginn zu sehen. Um 3:30 Uhr tritt der Mond in den Halbschatten der Erde, was ab ca. 4:00 Uhr mit einer leichten Verdunkelung sichtbar wird, um 4:27 Uhr tritt der Mond in den Kernschatten, jetzt beginnt die richtige Mondfinsternis. Der Mond steht dann jedoch nur noch 7° Grad hoch im Südwesten über dem Horizont. Um 5:29 Uhr beginnt die totale Phase, dann geht er bei uns jedoch auch unter, zeitgleich geht die Sonne auf, es ist also schon länger hell. Es wird eine echte Herausforderung sein, den sich verdunkelnden Mond noch in der Dämmerung tief am Westhorizont zu finden. Die Sonne geht um 21:10 Uhr wieder unter. Bereits um 0:59 Uhr fliegt die ISS exakt über Bad Lippspringe hinweg, weitere Überflüge finden statt um 2:32 (nur ganz kurz im Westen), um 4:13 Uhr (tief im Süden im Sternbild Schütze und abends zwischen 22:30 Uhr und 22:39 Uhr in maximal 43° Grad Höhe.

Am Dienstag, den 17. Mai, fliegt die ISS gleich um 0:10 Uhr ein weiteres Mal (fast) direkt durch unseren Zenit, also genau über unsere Stadt hinweg. Um 1:45 Uhr steigt sie noch einmal im Westen auf 45° Grad Höhe auf, bevor sie im Erdschatten verschwindet. Bei Jupiter stehen heute früh die Monde Europa, Ganymed und Kallisto rechts (westlich) vom Mutterplaneten. Am Abend fliegt die ISS zwischen 23:18 Uhr und 23:26 Uhr in maximal 81° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg. Der noch zu 96 Prozent beleuchtete Mond geht um 23:24 Uhr auf.

Am Mittwoch, den 18. Mai, fliegt die ISS zwischen 0:53 Uhr und 0:58 Uhr aus dem Westen aufsteigend bis hoch über den Zenit hinaus über unseren Himmel. Bei Jupiter stehen heute früh die Monde Io, Ganymed und Kallisto rechts (westlich) vom Mutterplaneten. Am Abend ist sie dann noch einmal zwischen 22:30 Uhr und 22:38 Uhr in maximal 69° Grad Höhe bei einem Überflug zu beobachten. Der Mond geht erst deutlich nach Mitternacht (um 0:51 Uhr) auf.

Am Donnerstag, den 19. Mai, fliegt die ISS kurz nach Mitternacht zwischen 0:06 Uhr und 0:12 Uhr ein weiteres Mal in dieser Woche mit 87° Grad Höhe fast genau über unsere Stadt hinweg. Bei Jupiter stehen heute früh die Monde Ganymed, Io und Europa links (östlich) und Kallisto rechts (westlich) vom Mutterplaneten.Am Abend um 23:21:47 Uhr klappt es dann ganz genau mit einem Überflug exakt durch unseren Zenit.

Am Freitag, den 20. Mai,steigt die ISS gegen 0:56 Uhr bis kurz vor Arkturus im Westen auf, der Mond geht um 1:48 Uhr auf. Abends ist die ISS zwischen 22:29 Uhr und 22:38 Uhr bei einem Überflug zu sehen. Heute Abend gibt es von der Volkssternwarte Paderborn wieder einmal einen Online-Vortrag. Peter Zeidler von der ESA berichtet ab 19 Uhr über das "Das James Webb Space Telescope – Ein Überblick und die ersten Monate im All " Der Link zum Online-Meeting lautet: https://us06web.zoom.us/j/82842203292

Am Samstag, den 21. Mai, kann die ISS zwischen 0:06 Uhr und 0:11 Uhr bei einem Überflug in maximal 68° Grad Höhe beobachtet werden, abends dann erneut zwischen 23:18 Uhr und 23:24 Uhr bis auf maximal 80° Grad Höhe. Der Mond geht um 2:28 Uhr auf und ist dann noch zu knapp 70 Prozent beleuchtet.

Am Sonntag, den 22. Mai, ist die ISS kurz gegen 0:55 Uhr tief im Westen zu sehen. Der zu 58 Prozent beleuchtete Mond geht um 2:56 Uhr auf, er nähert sich heute früh dem Planeten Saturn, der bereits kurz zuvor aufgegangen ist. Am Abend fliegt die ISS zwischen 22:30 Uhr und 22:37 Uhr ein weiteres Mal fast (88° Grad Höhe) genau über unsere Stadt hinweg.

Donnerstag, 12. Mai 2022

12. Mai 2022: Das Schwarze Loch in unserer Milchstraße

 

Im Zentrum unser Galaxie: ein Schwarzes Loch (Sgr A*) - selbst unsichtbar, aber durch seinen Schatten verrät es sich...

Heute war die große, weltumspannende Pressekonferenz der ESA und anderer Organisationen.

Hier geht es zur Pressemitteilung und vielen weiteren Bildern.

 

Und hier noch ein Bild, das mir persönlich sehr gut gefällt:

Dieses Bild zeigt das Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) mit Blick auf die Milchstraße sowie die Position von Sagittarius A*, dem supermassereichen schwarzen Loch in unserem galaktischen Zentrum. Im Kasten hervorgehoben ist das Bild von Sagittarius A*, das von der Event Horizon Telescope (EHT) Collaboration aufgenommen wurde. Das in der chilenischen Atacama-Wüste gelegene ALMA ist das empfindlichste aller Observatorien des EHT-Arrays. Die ESO ist im Namen ihrer europäischen Mitgliedstaaten Miteigentümerin von ALMA.

Herkunftsnachweis:

ESO/José Francisco Salgado (josefrancisco.org), EHT Collaboration


 Wer mehr über die Geschichte des Event Horizon Teleskops erfahren will, dem möchte ich das Buch von Heino Falcke "Licht im Dunkeln" sehr empfehlen. Eine schöne Rezension seines Buches gibt es beim Spektrum Verlag.

Mittwoch, 11. Mai 2022

11. Mai 2022: Sonne, Mond und ein Schwarzes Loch in M 87

 In den letzten Tagen gab es wieder eine Reihe schöner Abende, die man gut zur Himmelsbeobachtung nutzen konnte. Doch hier zunächst ein aktuelles Bild der Sonne von heute, Mittwoch 11. Mai 2022:

Sonne mit Flecken am 11. Mai 2022

Die Flecken sind nicht besonders spektakulär, aber wenn man sich die beiden Gruppen etwas genauer anschaut, dann sind da doch jeweils mehrere kleine Einzelflecken zu erkennen. So sind die Gruppen dann auch magnetisch recht aktiv, so dass wieder mehrere Flares gemeldet wurden.

Noch aktueller ist das Foto vom Mond, hier musste ich jedoch schon etwas Glück haben, um ihn zwischen zwei Wolkenlücken zu erwischen.

Mond am Abend des 11. Mai gegen 21:30 MESZ

Der Mond jetzt schon zu 77 Prozent beleuchtet ist. Etwas unterhalb des Sinus Iridum"fallen zwei helle Punkte auf, Bergspitzen, die aus dem Mare Imbrium hervorragen und bis zu 2500 Meter hoch sind. Sie gehören zu den "Montes Harbinger". Der Begriff "harbinger" stammt aus dem englischen und bedeutet in etwa "Vorbote der Morgendämmerung". Ein schöner passender Name für diese auffällige Erscheinung.

************************

Für Donnerstag, 15 Uhr MESZ hat die ESA wieder zu einer großen weltumspannenden Pressekonferenz eingeladen. Angekündigt ist:

Event Horizon Telescope collaboration to announce groundbreaking Milky Way results

Ich vermute, dem Team um das EHT ist es tatsächlich gelungen ein Bild des Schattens des Schwarzen Lochs im Zentrum unserer Galaxie, der Milchstrasse zu entwickeln.

Das Team hatte vor drei Jahren zum ersten Mal weltweit Aufsehen erregt, weil sie ein erstes Photo des Schatten eines Schwarzen Lochs fotografiert hatte.  Damals war man noch nicht so weit, eine Abbildung aus dem Zentrum der eigenen Milchstrasse zu erzeugen, so dass man für ein erstes Bild das Schwarze Loch im Zentrum der Galaxie M 87 in der Jungfrau auswählte. Diese Galaxie ist zwar 55 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, das Schwarze Loch dort ist aber ca. 6,5 Milliarden Mal schwerer als unsere Sonne. Das schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstrasse dagegen soll ,nur ca. 4 Millionen mal die Masse unserer Sonne haben.

Aus diesem Grund habe ich mir gedacht, mal einen Blick auf M 87 zu werfen. Die Galaxie hat eine Helligkeit von ca. 8,6mag. Sie zählt zu den elliptischen Galaxien, zeigt also keine besonderen Spiralarme wie andere Galaxien am Himmel.

Hier zunächst ein Bild, das mit meinem neuen kleinen Vespera-Teleskop entstanden ist:

M 87, aufgenommen mit Vaonis Vespera am 9. Mai 2022

Das Bild wurde 33 Minuten belichtet. Neben der Galaxie M 87 in der Mitte sind einige weitere "verwaschene" Flecken zu erkennen, das sind ebenfalls ferne Galaxien.

Ein Upload bei "astrometry.net" schafft hier etwas Klarheit:

Die Objekte mit den Bezeichnungen "IC xxxx" oder "NGC xxxx" sind ferne Galaxien, Objekte mit "HD xxxxxx" sind Sterne im Vordergund aus unser eigenen Milchstrasse.

Und weil ich schon einmal dabei war, habe ich mit meinem größeren Teleskop (Celestron C8) ebenfalls M 87 abgelichtet. Hier das Ergebnis:

M 87 mit einem Celestron C8 Teleskop fotografiert am 9.5.2022

Auch dieses Bild ist etwas über eine halbe Stunde belichtet, 17 Einzelbilder zu je 2 Minuten wurden gestacked. Dazu habe ich dann natürlich auch noch Darks und Flats gemacht. Die Bilder entstanden mit einer Canon RP Kamera, also einer "spiegellosen" Vollformat-DSLR-Kamera bei ISO 800.

Da das C8 2000mm Brennweite hat, ist der Bildausschnitt natürlich deutlich kleiner. Dafür ist die Auflösung auch besser, was man vielleicht am einfachsten am Abstand der beiden Komponenten des "Doppelsterns" links unterhalb von M 87 erkennen kann. Und wenn man sich die Bilder ganz genau anschaut und mit einem Sternenatlas vergleicht, dann zeigt das Bild vom C8 auch etwas mehr Sterne, da es selbst Sterne mit nur 16mag noch abbildet.

Das Schwarze Loch, oder genauer sein Schatten, kann ich mit meinem Equipment natürlich nicht abbilden. Aber ist es nicht faszinierend, abends in den Himmel zu schauen, ein Teleskop zur Hilfe zu nehmen und dann tatsächlich auch die Objekte am Himmel zu finden, mit den sich die professionellen Astronomen zur Zeit beschäftigen?

Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, was morgen die Forscherinnen und Forscher vom EHT zu berichten haben.


Sonntag, 8. Mai 2022

9. - 15. Mai 2022: Der Himmel über Bad Lippspringe

 Die dunklen Nächte werden immer kürzer, trotzdem gibt es in dieser Woche viel zu beobachten am Himmel. Die Woche beginnt mit dem Ersten Viertel des Mondes, der danach immer weiter zunimmt und Kurs auf Vollmond nimmt. Von den hellen Planeten kann der immer lichtschwächer werdende Merkur kaum noch am Abendhimmel gefunden werden. Am Morgenhimmel zeigen sich im Osten bzw. Südosten ab ca. 3:25 Uhr Saturn, ab 4:15 Uhr Mars und Jupiter und ab ca. 4:45 Uhr die Venus. Die ISS kann bei morgendlichen Überflügen gesehen werden. Und die ESA kündigt für Donnerstag eine Pressekonferenz an.

Am Montag, den 9. Mai, zeigt der Mond gleich um 2:21 Uhr sein Erstes Viertel, er geht danach um 3:40 Uhr unter. Zuvor bedeckt der Mond um 1:08 Uhr den Stern HIP 46155 mit 6,5mag. Nach den vier hellen Planeten am Morgenhimmel geht die Sonne um 5:42 Uhr auf und um 21:02 Uhr unter. Astronomisch Dunkel wird es am Abend erst gegen Mitternacht, und schon vor 3:00 Uhr in der Frühe beginnt schon wieder die astronomische Dämmerung. Die ISS ist gegen 1:50 Uhr ganz kurz tief im Osten sichtbar, zwischen 3:23 Uhr und 3:29 Uhr fliegt sie mit 88° Grad Höhe fast genau durch unseren Zenit, also über unsere Stadt hinweg, und ein drittes Mal zwischen 4:58 Uhr und 5:06 Uhr fliegt sie in maximal 62° Grad Höhe über unseren Morgenhimmel hinweg. Am Abend ist der Mond dann gegen 22 Uhr schon zu 58 Prozent beleuchtet. Er zeigt mal wieder maximale Libration in Breite, so dass wir diesmal auf seinen Südpol schauen können. Kurz vor Sonnenuntergang, um 20:47 Uhr bedeckt der Mond den 3,5mag hellen Stern eta Leo (30 Leo). Ein Ereignis, was auf Grund der noch vorhandenen Tageshelligkeit kaum zu beobachten sein dürfte. Das Wiedererscheinen des Stern um 21:47 Uhr am allerdings hellen Mondrand könnte vielleicht eher beobachtet werden.

Am Dienstag, den 10. Mai, erscheint die ISS das erste Mal um 2:35 Uhr etwas westlich vom Zenit und fliegt dann schnell bis 2:41 Uhr nach Osten, der zweite Überflug beginnt um 4:09 im Westen und geht über ca. 76° Grad Höhe im Süden bis um 4:16 Uhr tief im Osten.

Am Mittwoch, den 11. Mai, ist die ISS einmal gegen 1:50 Uhr kurz im Osten zu sehen, beim zweiten Überflug zwischen 3:22 Uhr und 3:29 Uhr fliegt sie mit 85° Grad ein weiteres Mal fast genau über Bad Lippspringe hinweg. Bei Jupiter sind in der Frühe nur die Monde Io und Ganymed zu sehen.

Am Donnerstag, den 12. Mai, kommt es um 0:35 Uhr zu einer Sternbedeckung (HIP57636, 6,7mag) durch den Mond. Außerdem zeigt der Mond maximale Libration in Länge, das Mare Crisium steht nah am Rand. Danach ist die ISS am Morgen theoretisch gleich dreimal zu sehen: Um 1:02 Uhr für zwei Minuten tief im Osten, um 2:35 Uhr fliegt sie dann exakt senkrecht über Bad Lippspringe hinweg (sichtbar ist sie schon etwas früher im Westen aufsteigend und bis ca. 2:40 Uhr im Osten hinter dem Horizont verschwindend), und ein drittes Mal zwischen 4:09 Uhr und 4:17 Uhr in maximal 50° Grad Höhe in der Morgendämmerung. Um 15 Uhr sollen auf einer Pressekonferenz der ESA "bahnbrechende Ergebnisse des Event Horizon Teleskop(EHT)-Projekts zur Milchstraße" präsentiert werden. Ist es gelungen, das schwarze Loch im inneren unser Milchstraße zu identifizieren und fotografieren? Verfolgen Sie die Pressekonferenz im Livestream.

Am Freitag, den 13. Mai, ist die ISS am Morgen zweimal zu sehen, um 1:47 Uhr tritt sie genau über uns im Zenit aus dem Erdschatten heraus und fliegt dann bis 1:52 Uhr nach Osten zum Horizont, und zwischen 3:23 Uhr und 3:29 Uhr fliegt sie dann in maximal 64° Grad Höhe über unseren Morgenhimmel hinweg. Doch aufgepasst: am Abend kommt es bei einem Überflug der ISS zu einer Besonderheit: Um 23:18 Uhr steigt sie im Westen auf, verschwindet dann um 23:20 Uhr bereits im Erdschatten, kurz bevor sie um 23:27 Uhr im Osten untergeht, ist sie (theoretisch für ca. 20 Sekunden noch sichtbar), da sie dann schon wieder aus dem Erdschatten herausgetreten ist. Solche seltenen Konstellationen sind nur rund um die Sommersonnenwende bei uns sichtbar. Um 3:04 Uhr wird der helle Stern "Porimma" (gamma Vir, 2,9mag) vom Mond bedeckt. Ob auch das Wiedererscheinen von Porimma am hellen Mondrand um 3:48 Uhr zu beobachten sein wird?, Dann steht der Mond jedoch nur noch 7° Grad über dem Horizont.

Am Samstag, den 14. Mai, ist die ISS kurz nach 1:00 Uhr kurz im Osten zu sehen, zwischen 2:33 Uhr und 2:40 Uhr fliegt sie in maximal 77° Grad Höhe über unseren Himmel, zwischen 4:05 Uhr und 4:17 Uhr in maximal 28° Grad Höhe über unseren Himmel hinweg. Am Abend kann sie zwischen 22:30 Uhr und 22:39 Uhr noch in der Abenddämmerung in maximal 24° Grad Höhe bei einem Überflug knapp oberhalb des fast vollen Mondes gesehen werden. Der Mond ist bereits zu 97 Prozent beleuchtet. Um 23:40 Uhr wird am nur noch ganz schmalen dunklen Rand des Mondes der Stern lambda Vir (4,6mag) vom Mond bedeckt.

Am Sonntag, den 15. Mai, fliegt die ISS gleich nach Mitternacht zwischen 0:07 Uhr und 0:15 Uhr in maximal 71° Grad Höhe über unseren Himmel, ein zweiter Überflug erfolgt zwischen 1:43 Uhr und 1:52 Uhr mit 86° Grad Höhe fast genau über unserer Stadt, ein dritter Überflug zwischen 3:20 Uhr und 3:29 Uhr erreicht nur noch 39° Grad Höhe. Am Abend fliegt die ISS zwischen 23:18 Uhr und 23:27 Uhr in maximal 56° Grad Höhe, direkt über den Stern Arkturus hinweg. In der Nacht zum Montag haben wir Vollmond. Der volle Mond wandert dabei sogar wieder durch den Erdschatten, so dass es zu einer Mondfinsternis kommt. Bei uns ist jedoch nur der Beginn zu sehen. Um 3:30 Uhr tritt der Mond in den Halbschatten der Erde, was ab ca. 4:00 Uhr mit einer leichten Verdunkelung sichtbar wird, um 4:27 Uhr tritt der Mond in den Kernschatten, jetzt beginnt die richtige Mondfinsternis. Der Mond steht dann jedoch nur noch 7° Grad hoch im Südwesten über dem Horizont. Um 5:29 Uhr beginnt die totale Phase, dann geht er bei uns jedoch auch unter (exakt um 5:33 Uhr am mathematischen Horizont). Ob der verdunkelte Mond durch den Horizontdunst hindurch dann überhaupt noch sichtbar sein wird, ist stark zu bezweifeln, zumal genau zu diesem Zeitpunkt ja auch schon die Sonne aufgeht, denn bei einer Mondfinsternis stehen Sonne Erde und Mond ja genau auf einer Linie. Es ist ja dann schon wieder richtig hell draußen.


Donnerstag, 5. Mai 2022

3./4. Mai 2022: Sonnenflecken und Mondsichel

 In den letzten Tagen habe ich ich mich natürlich nicht nur mit der neuen Vespera beschäftigt. Am 3. und 4. Mai gab es zum Beispiel wieder Sonnenflecken zu beobachten und auch eine schmale Mondsichel. Hier einige Bilder, entstanden mit meinem Spektiv und angesteckter Kleinbildkamera:

Sonne mit Flecken am 3. Mai

Sonnenflecken am 4. Mai

Sehr schön kann man erkennen, wie die Fleckengruppe etwa in der Mitte des Bildes sich innerhalb eines Tages entwickelt hat. Sie trägt die Nummer AR3004 und ist nicht nur als Fleck auffällig, sondern hat auch schon mehrere Flares produziert, so dass die Wahrscheinlichkeit für Polarlichter wieder leicht ansteigt.

Leider ist es mir nicht gelungen, die Begegnung von Mond und Merkur am 2. Mai im goldenen Tor der Ekliptik zu fotografieren. Erst am 3. Mai konnte ich die schmale Mondsichel, jetzt schon zu 8 Prozent beleuchtet, fotografieren:

Mondsichel am 3. Mai

Die Luftunruhe war zum Glück nicht sehr hoch, so dass dieses Einzelfoto doch eine ganze Reihe von Kratern recht klar zeigt. Das Mare Crisium ist vielleicht so gerade zur Hälfte beleuchtet. Der auffällige Krater etwa in der Mitte der Mondsichel ist Langrenus, er hat einen Durchmesser von ca. 130 Kilometern. Heute war die Libration so günstig, das auch der Krater Weierstrass zu finden ist.

Am 4. Mai war die beleuchtete Mondsichel schon auf 14 Prozent angewachsen:

Mondsichel am 4. Mai

Jetzt ist das Mare Crisium schon komplett im Bild. In den nächsten Tagen wird die Mondsichel schnell weiter wachsen und dann bald wieder mit seinem hellen Licht die dunkleren Teile der Nacht erleuchten.

Merkur konnte ich leider an beiden Tagen selbst mit dem Fernglas nicht mehr finden. Dafür war der Himmel dann leider doch zu dunstig. Dafür wurde von meinem Sternfreund Sebastian Voltmer ein tolles Bild das APOD am 3. Mai ( "Astronomy-Picture-of-the-day" ): Merkur mit Schweif! Herzlichen Glückwunsch!

Mir selbst war zuletzt eine Beobachtung von Merkur am 28. April geglückt. Allerdings kein gutes Foto. Dafür steht der Planet zu sehr in der Dämmerung im Dunst des Horizonts. Immerhin konnte ich auch bei Merkur die gegenwärtige Sichelgestalt deutlich erkennen. Er befindet sich ja auf dem Weg zur "unteren Konjunktion, zieht also demnächst wieder zwischen Sonne und Erde auf seiner Bahn entlang.

Mit der Vespera konnte ich Merkur nicht beobachten. Vespera braucht, um sich gezielt auf Objekte auszurichten, einen dunklen Himmel, muss also zunächst viele Sterne erkennen können, um sozusagen ein exaktes Koordinatensystem über sich zu erstellen. Als es auf diese Weise endlich starten konnte, war Merkur schon so tief am Horizont, das der Planet längst hinter Nachbars Häusern oder Bäumen verdeckt wurde.