Montag, 27. April 2026

26. April 2026: Mal wieder ein paar Kleinplaneten: (44)Nysa, (154)Bertha und (387)Aquitania

 Neben der Suche nach interessanten Supernovae habe ich in den letzten Tagen auch wieder ein paar Kleinplaneten detektiert. Hier ein paar Beispiele:

(44) Nysa wandert gerade vor dem offenen Sternhaufen M44 ("Praesepe" oder auch "Krippe" genannt)  entlang. Leider habe ich ein erstes Bild vom 25.4. aus Versehen wohl gelöscht, aber hier ein Bild vom 26. April:

(44)Nysa am 26.4.26 um 21:58 Uhr MESZ in M44, 5 min belichtet

 Da M 44 dicht an der Ekliptik liegt, kommt es häufig zu Begegnungen mit Objekten unseres Sonnensystems. Am 2. Juni 2023 konnte ich zum Beispiel Mars dort fotografieren. Mein bisher am längsten belichtetes Bild von M 44 mit 4140 Sekunden (=69 Minuten) habe ich am 15. März 2023 machen können.

Asteroid (154) Bertha habe ich tatsächlich an zwei Tagen hintereinandfer fotografieren können:

(154)Bertha am 25.4.26 um 23:47 Uhr MESZ

 
(154)Bertha am 26.4.26 um 22:52 Uhr MESZ

Beide Bilder wurden 5 Minuten lang belichtet. Die Bewegung von Bertha lässt sich leicht erkennen. Sie bewegt sich zutr Zeit im Sternbild Jungfrau.

Ein letztes Bild:

(387)Aquitania am 25.4.26 im Sternbild "Haar der Berenice"


Dies ist (unbeabsichtigt) ein Einzelbild. Ich hatte zwar eigentlich auch hier fünf Minuten belichtet, aber mein Vespera hat die meisten Bilder mit der Bemerkung "Roundness Error" verworfen. Wahscheinlich zogen gerade doch ein paar Wolken durch.

Umso spannender zu sehen, wie schwache Objekte doch selbst so ein Einzelbild von nur 10 Sekunden Belichtungszeit zeigen kann. (387)Aquitania wurde in Stellarium mit einer Helligkeit von 11,6mag angegeben. Bei dem kleinen Doppelstern etwas unterhalb von Aquitania lauten die Helligkeitsangaben 11,6mag bzw. 12,3mag, und es sind sogar einzelne Sterne mit nur 13mag zu erkennen. 
 

(154)Bertha und (387)Aquitania sind mein 122. und 123. sicher identifizierter Kleinplanet. 

Sonntag, 26. April 2026

27. April - 3. Mai 2026: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche haben wir Vollmond. Die dunklen Nächte sind daher nicht nur kurz, sondern auch stark vom hellen Mond aufgehellt. Von den großen Planeten ist die Venus abends tief im Westen zu sehen, sie geht erst nach 23:15 Uhr unter. Jupiter steht nach Sonnenuntergang hoch im Südwesten, er geht nach 2:00 Uhr morgens unter. Die anderen Planeten stehen alle noch zu dicht bei der Sonne und sind dadurch praktisch nicht beobachtbar. Die ISS ist bei morgendlichen Überflügen zu beobachten.

Am Montag, den 27. April, geht die Sonne um 6:04 Uhr auf und um 20:42 Uhr unter. Astronomisch dunkel ist es nur noch ca. 4 Stunden zwischen 23:30 Uhr und 3:30 Uhr. Der Mond ist abends (22 Uhr) zu 85 Prozent beleuchtet. Die ISS ist zum einen um 3:15 Uhr kurz im Osten zu sehen, ein zweites Mal fliegt sie dann zwischen 4:47 Uhr und 4:54 Uhr hoch (maximal 72° Grad über dem Horizont) über unseren Himmel hinweg.

Am Dienstag, den 28. April, fliegt die ISS zwischen 4:01 Uhr und 4:07 Uhr über unseren Himmel hinweg. Der Mond ist am Abend zu 86 Prozent beleuchtet, er geht um 17:25 Uhr auf.

Am Mittwoch, den 29. April, fliegt die ISS um 4:51 Uhr direkt über Bad Lippspringe hinweg, vier Minuten zuvor steigt sie genau im Westen am Himmel auf und vier Minuten später verschwindet sie am Horizont im Osten. Der Mond ist am Abend zu 97 Prozent beleuchtet, er steht in der Nähe von Spica in der Jungfrau.

Am Donnerstag, den 30. April, zwischen 4:02 Uhr und 4:09 Uhr fliegt die ISS sehr hoch (83° Gard Höhe, oberhalb der Wega in der Leier) über unseren Himmel hinweg. Der Mond ist am Abend fast voll, er ist zu 99 Prozent beleuchtet.

Am Freitag, den 1. Mai, Maifeiertag, fliegt die ISS zwischen 4:49 Uhr und 4:58 Uhr ein weiteres Mal (fast) genau über Bad Lippspringe hinweg. Um 19:24 Uhr erreicht der Mond seine exakte Vollmondstellung, steht dann bei uns jedoch noch unter dem Horizont. Er geht erst um 21:09 Uhr auf, ist aber natürlich immer noch zu 100 Prozent beleuchtet. Bis ca 23:00 Uhr wandert der Schatten von Jupitermond Ganymed (dicht am Großen Roten Fleck) über den Mutterplaneten. Später, ab ca. 0:15 Uhr in der Nacht zieht der Schatten von Europa ebenfalls über Jupiter hinweg.

Am Samstag, den 2. Mai, fliegt die ISS zwischen 4:03 Uhr und 4:10 Uhr noch einmal ganz exakt (um 4:05:24 Uhr) über unsere Stadt hinweg. Der Mond ist immer noch zu 99 Prozent beleuchtet, er geht jedoch erst um 22:23 Uhr auf. Kleinplanet (8)Flora (10,9mag) steht um 21:50 Uhr in nur 7' Bogenminuten Abstand zu Stern HIP96440 (6,1mag). Ab ca. 22:45 Uhr wandert der Schatten von Jupitermond Io über den Planeten.

Am Sonntag, den 3. Mai, fliegt die ISS zwischen 4:51 Uhr und 4:59 Uhr in maximal 64° Grad Höhe über unsere Stadt hinweg. Der Mond geht kurz vor Mitternacht um 23:34 Uhr im Sternbild Skorpion auf, er ist noch zu 95 Prozent beleuchtet.

Freitag, 24. April 2026

22. April 2026: Der Mond bedeckt Sterne

 In meinem Blog weise ich immer wieder einmal daraufhin, wenn der Mond auf seiner Bahn am Himmel über einzelne Sterne hinwegzieht. Be zunehmenden Mond bedeckt er die Sterne mit seiner dunklen Seite, das Licht der Sterne wird dann scheinbar plötzlich ausgeknipst. Bei abnehmenden Mond kann man beobachten, wie ein Stern hinter dem dunklen Mondrand plötzlich wieder angeknipst wird, also wieder auftaucht. Bedeckungen oder Auftauchen am hellen Mondrand lassen sich nur bei sehr hellen Sternen oder Planeten beobachten, meist überstrahlt der helle Mondrand jedoch alles.

Am 22. April sollte es kurz nach 22 Uhr - also zu einer sehr beobachterfreundlichen Stunde - zu einer Sternbedeckung kommen, auch passte endlich mal wieder das Wetter.

So wollte ich ein neues Feature meiner Vespera-Beobachtungsstation ausprobieren. Dieses erlaubt, bei der Mondfotografie die Belichtungszeiten und den "Gain" (also die Chip-Empfindlichkeit) über einen großen Bereicht eigenständig zu steuern. Meine Hoffnung war, das so auch schwächere Sterne dicht am Mond sichtbar werden.

So sah der Mond "normal" fotografiert aus, mit 1/500 Sekunde fotografiert:

Der Mond am 22.4.26 um 21:25 Uhr MESZ

 Und hier jetzt ein erstes "überbelichtetes" Bild, um die Sterne in der Umgebung des Mondes sichtbar zu machen:

Mond und Sterne am 22.4.26 

 Von der meist üblichen Belichtungszeit von 1/500 Sekunden bin ich abgewichen und habe hier auf 1/10 Sekunde gestellt. Dadurch ist der helle, beleuchtete Teil des Mondes stark überbelichtet. Dafür kann man im dunklen Teil des Mondes doch ein paar Strukturen erkennen. Denn ganz dunkel ist es dort ja nicht, denn für einen Astronauten auf dem Mond steht dort "in der Nacht" die hell leuchtende Erde am dunklen Himmel, vier mal so groß wie bei uns auf der Erde der Mond. 

Außerdem habe ich zwei Sterne markiert. HIP 34567 hat eine Helligkeit von 7,1mag und HIP 34582 hat eine Helligkeit von 7,75mag. Wenn man sich das Bild in der Originalgröße anschaut kann man noch einige Sterne mehr erkennen. (Dazu im Firefox-Browser mit der Maus auf das Bild gehen, rechte Maustaste anklicken, dann "Link in neuem Tab öffnen", dann in den neuen Tab gehen und wenn im Mauszeiger ein + zu sehen ist, noch einmal mit linker Maustaste klicken.)

Um 22:00 Uhr MESZ ist der Mond schon dicht an die Sterne herangerückt.

 
Um 22:05:08 steht HIP 34567 genau am Mondrand

Das nächste Foto:

Um 22:05:11, also drei Sekunden später ist HIP 34567 verschwunden

 Und es wiederholt sich:

Um 22:07:51 steht auch HIP 34582 direkt am Mondrand

 ... und drei Sekunden später ist auch dieser Stern hinter dem Mond verschwunden.

Bei diesen etwas überbelichteten Bildern ist die ganze Zeit am unteren dunklen Mondrand ein heller Punkt zu sehen. Das ist natürlich kein Stern, sondern eine Struktur auf dem Mond selbst. Wahrscheinlich ein höherer Kraterwall, der schon etwas von der Sonne beschienen wird, so dass er durch die Überbelichtung deutlicher auffällt als im normal belichteten Modus, wo er (siehe oben) ja noch nicht zu sehen ist. 

Leider erlaubt mein Vespera keine Videoaufzeichnung, so dass eine exaktere Zeitbestimmung nicht möglich ist. 

Ich hatte jedoch zwei weitere Kameras aufgebaut, mit denen ich die Bedeckungen ebenfalls fotografiert habe. Mit Hilfe dieser Bilder liess sich der Zeitpunkt der Bedeckung doch noch etwas genauer bestimmen.

HIP 34567 wurde um 22:05:085 Uhr MESZ bedeckt und

HIP 34582 wurde um 22:07:525 Uhr bedeckt, mit einer Genauigkeit von +/- 1 Sekunde. 

Mittwoch, 22. April 2026

21. April 2026: Mond, 2 weitere Supernovae,

 Am Dienstagabend, den 21. April 2026, war es am Abend klar - und das schöne Wetter soll sogar noch etwas längern andauern. Das musste ich natürlich gleich ausnutzen, auch wenn es tagsüber für mich teilweise recht stressig war und die Müdigkeit abends sehr früh einsetzte.

Erstes Fotoziel war natürlich der Mond, an diesem Abend zu 25 Prozent beleuchtet:

Der Mond am 21.4.26 um 21:30 Uhr

 Danach habe ich einmal mehr nach fernen Supernovae gesucht:

UGC 7180 mit SN2026icv (201 exp)

 

UGC 7180 mit SN2026icv

Dies ist ein Ausschnitt aus einem größeren Bild. Insgesamt habe ich für diese kleine Galaxie UGC 7180 33 Minuten belichtet. Die Supernova dort (SN2026icv) zeichnete sich schon sehr frühzeitig ab. 

Die Supernova wurde am 2. April entdeckt. Zuletzt wurde eine Helligkeit von 15,8mag angegeben. Die Supernova befindet sich im Sternbild Drache, nicht weit entfernt von der Großen Bärin. Dadurch gehört die Galaxie UGC 7180 bei uns zu den zirkumpolaren Objekten.

NGC 3861 mit SN2026ihi 


 Mit größerer Brennweite würde NGC3861 schon sehr interessant aussehen, die Galaxie sieht fast so aus wie Saturn mit weit geöffnetem Ring, wobei durch die kleine darunterliegende Begleitgalaxie es so aussieht, als ob der "Saturn" eine festte Zigarre raucht. :-)

Doch zurück zur Supernova. Die Galaxie befindet sich im Sternbild Löwe, die SN wurde am 4.4.26 entdeckt. Carlos Segarra hatte zuletzt eine Helligkeit von 16,6mag angegeben. Andere haben jedoch nur 17,5mag gemessen - und das ist für mein Vespera schon recht grenzwertig. Deshalb bin ich auch nicht sicher, ob ich die SN wirklich abgelichtet habe. Es ist vielleicht an der passenden Stelle ein etwas hellerer "Lichtpunkt" im Rauschen zu erkennen, oder bilde ich mir das nur ein? Mein Bild wurde 100 Minuten belichtet.

 Ich habe noch eine ganze Reihe weiterer Beobachtungen gemacht. Nicht nur am 21.4., auch am 22.4., darüber werde ich in Kürze berichten. Leider habe ich morgen (23.4.) in aller Frühe schon wieder Termine. Da fehlt mir dann doch jetzt die Zeit zum dokumentieren.

 

Sonntag, 19. April 2026

20. - 26. April 2026: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche nimmt der Mond kräftig zu. Die Venus ist als Abendstern bis ca. 22:45 Uhr im Westen zu finden. Jupiter steht um 22 Uhr noch gut 40° Grad hoch am Himmel, ebenfalls in westlicher Richtung. Die anderen Planeten stehen noch zu dicht an der Sonne, um beobachtet werden zu können. Die Internationale Raumstation (ISS) kann bei morgendlichen Überflügen beobachtet werden.

Am Montag, den 20. April, geht die Sonne um 6:18 Uhr auf und um 20:30 Uhr unter, der helle Tag ist wieder 24 Minuten länger als noch vor einer Woche. Die "astronomisch dunkle Nacht" (Sonne mehr als 18° Grad unter dem Horizont, keine Dämmerung) dauert nur noch ca. 5 Stunden. Die Mondsichel ist um 22 Uhr zu 16 Prozent beleuchtet. Sie geht erst um 1:28 Uhr am Dienstag unter. Um ca. 22:31 Uhr bedeckt der Mond den 7,0mag schwach leuchtenden Stern HIP 23228. Um 23:00 Uhr steht Kleinplanet (44) Nysa (10,9mag) in nur 9' Bogenminuten Abstand bei Stern eta Cnc (5,3mag). Die ISS ist am Morgen zwischen 5:28 Uhr und 5:34 Uhr in maximal 17° Grad Höhe bei einem Überflug im Südosten zu sehen. Ab 21:15 Uhr wandert der Schatten von Jupitermond Kallisto über seinen Mutterplaneten hinweg, ein recht seltenes Ereignis.

Am Dienstag, den 21. April, ist der Mond am Abend zu 25 Prozent beleuchtet. Die ISS ist ganz in der Frühe zwischen 4:42 Uhr und 4:47 Uhr in maximal 12° Grad Höhe im Südosten zu sehen.

Am Mittwoch, den 22. April, geht der Mond um 2:32 Uhr unter. Am Abend ist er zu 36 Prozent beleuchtet und ist nicht weit (ca. 3° Grad) von Jupiter entfernt. Um ca. 22:02 Uhr bedeckt der Mond den 7,1mag Stern HIP 34567 und um ca. 23:23 bedeckt er den 7.0mag Stern 49 Gem. Die ISS ist zwischen 5:30 Uhr und 5:37 Uhr in maximal 33° Grad Höhe bei einem Überflug zu sehen.

Am Donnerstag, den 23. April, geht der Mond um 3:16 Uhr unter. Abends ist er zu 47 Prozent beleuchtet. Die Venus steht heute nur ca. 0,75° Grad rechts (westlich) von Uranus. Aber ob Uranus in der Dämmerung noch zu sehen sein wird? Die ISS ist zwischen 4:43 Uhr und 4:49 Uhr in maximal 24° Grad Höhe im Südosten zu sehen. Heute Nacht steht (154)Bertha (11,5mag) in nur 2' Bogenminuten Abstand beim Stern TYC 5561-248-1 (11,0mag).

Am Freitag, den 24. April, geht der Mond um 3:46 Uhr unter, kurz danach (um 4:32 Uhr) erreicht er das Erste Viertel. Am Abend ist er dann schon zu 58 Prozent beleuchtet. Kurz vor Mitternacht gegen 23:57 Uhr bedeckt der Mond den 7,2mag Stern 78 Cnc (HIP 44918). Ab 21:33 Uhr wandert der Schatten von Jupitermond Europa über den Planeten. Die ISS tritt bei ihrem ersten Überflug heute früh um 3:58 Uhr in Südsüdost in ca. 18° Grad Höhe aus dem Erdschatten heraus und verschwindet um 4:03 Uhr am Horizont. Bei einem zweiten Überflug ist sie zwischen 5:31 Uhr und 5:39 Uhr in maximal 58° Grad Höhe  zu sehen.

Am Samstag, den 25. April, geht der Mond um 4:06 Uhr unter. Am Abend steht er dicht bei Regulus im Löwen und ist zu 68 Prozent beleuchtet. Um 22:30 Uhr bedeckt der Mond den 5,3mag Stern nü Leo (HIP 48883). Ab 21:53 Uhr wandert der Schatten von Jupitermond Io über den Planeten. Die ISS ist ganz kurz gegen 3:14 Uhr tief im Osten zu sehen. Zwischen 4:45 Uhr und 4:52 Uhr ist sie mit einer maximalen Höhe von 45° Grad bei ihrem Überflug über unseren ganzen Morgenhimmel deutlich besser zu beobachten. Kleinplanet (154)Bertha (11,5mag) erreicht heute ihre Oppositionsstellung im Sternbild Jungfrau.

 Am Sonntag, den 26. April, geht der Mond um 4:21 Uhr unter, am Abend ist er zu 78 Prozent beleuchtet. Um ca. 23:20 Uhr bedeckt der Mond den Stern 38 Sex (7,1mag). Die ISS ist zum einen zwischen 4:00 Uhr und 4:05 Uhr im Südosten in maximal 34° Grad Höhe zu sehen. Beim nächsten Überflug steigt sie ab 5:32 Uhr aus dem Westen auf, erreicht die größte Höhe von 83°Grad über dem Horizont um 5:36 Uhr im Süden und verschwindet um 5:42 Uhr in Richtung Sonne im Osten. Auf ihrem Weg passiert sie die hellen Sterne Arkturus, Wega und Deneb.

Mittwoch, 15. April 2026

14. April 2026: Eine schöne klare Nacht, zwei Kleinplaneten und drei weitere Supernovae

 Am Dienstagabend, den 14. April 2026, klarte es deutlich auf und ich konnte den ganzen Abend wieder mit meinen Vespera interessante Objekte am Himmel aufsuchen. Leider wurde ich nach Mitternacht doch müde, sonst hätte man bestimmt die ganze Nacht hindurch beobachten können. Und ich musste am Mittwochmorgen auch schon wieder früh raus zu meinen Terminen. Doch hier zu den Bildern:

Jupiter am 14.4.26 um 21:19 Uhr MESZ

 Nachdem es ausreichend dunkel war, konnte ich meine Vespera Beobachtungsstationen starten, das erste Bild galt dem hellen Planeten Jupiter und seinen Monden (v.l.n.r.) Callisto, Ganymed, Io, (Jup), Europa.

Kleinplaneten standen auch wieder auf meinem Programm:

Kleinplanet (471)Papagena um 21:26 Uhr MESZ

 (471)Papagena zeichnet sich durch eine besondere Form aus, die dazu führt, dass dieser Kleinplanet durch seine Rotation um sich selbst unterschiedlich hell erscheint. Einzelheiten dazu kann man bei Wikipedia lesen. Ich könnte mir vorstellen, dass heute dieser Lichtwechsel und die Rotationsdauer (etwas über 7 Stunden) auch mit Smart-Teleskopen zu ermitteln wäre.

Kleinplanet (511)Davida um 21:49 Uhr

 Kleinplanet (511)Davida stand an diesem Abend nicht weit entfernt bei der Galaxie NGC 3245. Dies ist auch auf dem Bild noch gut zu erkennen, einen Tag zuvor war der Abstand nur halb so groß, doch da war der Himmel leider bedeckt. Der wirkliche Abstand ist natürlich gewaltig, Davida ist von unserer Sonne knapp doppelt soweit entfernt wie unsere Erde, also rund 18 Lichtminuten. NGC 3245 ist von uns und Davida jedoch ca. 55 Millionen Lichtjahre entfernt.

Dann habe ich auch mal wieder die veränderlichen Sterne im Sternbild nördliche Krone (Corona borealis) aufgenommen, also R CrB, T CrB, S CrB und W CrB.  Darüber werde ich in einem anderen Blog-Posting schreiben. Nur so viel sei hier verraten: T CrB ist unauffällig wie immer, noch ist nichts von einem Ausbruch zu sehen.

Spannender ist es dagegen, nach Supernovae Ausschau zu halten. Und da gibt es so einige Kandidaten zur Zeit, die vielleicht auch mit meinen Smart-Teleskopen zu erreichen sind:

NGC 2877 in der Bildmitte am 14.4.26 um 23:59 MESZ

 Das Bild zeigt die Galaxie NGC 2877 mit der Supernova SN2026gud. Auf den ersten Blick ist in diesem gut zwanzig Minuten lang belichtetem Bild von einer Supernova in dieser Galaxie nicht viel zu erkennen. Der "Fleck" mit der Galaxie scheint etwas länglich zu sein.

Überrascht war ich jedoch, als ich das Bild mit Hilfe der Vaonis Software "Skycolor" entrauscht habe. Hier ein Ausschnitt aus dem Bild, so dass er hier sofort im 1:1 Format gezeigt werden kann:

NGC 2877 mit SN2026gud 
 

Jetzt lässt sich die Supernova recht gut "rechts neben" der Galaxie erkennen. Dies stimmt jetzt auch sehr gut mit den anderen Bildern ein, die auf der Plattform von "rochesterastronomy" verlinkt sind und die durchweg von wesentlichen größeren Optiken erstellt worden sind.

Diese SN wurde am 20. März entdeckt, sie wurde zuletzt mit einer Helligkeit von 16,5mag angegeben.

 

NGC 3689 mit SN2026gwx

Die Supernova SN2026gwx in der Galaxie NGC 3689 ist schon etwas leichter auszumachen. Auch hier wieder ein entrauschter Ausschnitt:

Ausschnitt (entrauscht) in Originalgröße

 Auch hier ist im Ausschnitt die Supernova sehr schön zu erkennen. Sie wurde zuleztt mit 15,9mag angegeben. Mein Originalbild wurde 23,5 Minuten lang belichtet.

Noch heller soll die Supernova SN2026gzx mit 14,7mag in der Galaxie NGC 3955 im Sternbild Crater  (Becher) sein. Leider ist mir hier keine Aufnahme gelungen, die Galaxie steht einfach zu tief über dem Südhorizont bei mir, Nachbars Haus und seine Gartenhecken sind mir da im Weg. 

NGC 4914 mit SN2026fjc um 0:20 Uhr MESZ am 15.4.26

 Und als dritte Supernova an diesem Abend habe ich noch SN2026fjc in der Galaxie NGC 4914 aufgesucht. Ich war überrascht, wieviele andere Galaxien sich in der Umgebung befinden. Deshalb habe ich hie gleich das von astrometry.net annotierte Bild für mein Posting genommen. Die Supernova ist ganz dicht am unteren Rand der Galaxie zu erkennen (oder besser: zu erahnen). Leider habe ich es hier nicht mehr mit dem Entrauschen probiert wie bei Sn2026gud. Es war wohl einfach schon zu spät.

Alles in allem hat sich dieser Abend wieder sehr gelohnt. Es ist schon toll, was sich mit so einem Smart Teleskop alles beobachten lässt. Von Kleinplaneten in der nächsten Nachbarschaft unserer Erde bis hin zu Supernovae in Galaxien, Millionen von Lichtjahren entfernt. 

 

 

Sonntag, 12. April 2026

13. - 19. April 2026: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche haben wir Neumond, die Nächte eignen sich daher gut zur Beobachtung lichtschwacher deep-sky-Objekte. Am Abend strahlt die Venus nach Sonnenuntergang tief im Westen als Abendstern. Sie geht gegen 22:30 Uhr unter. Jupiter steht zu Beginn der Nacht noch recht hoch im Südwesten, er geht erst am Morgen gegen 3:00 Uhr unter. In dieser Woche ist im Osten am Morgenhimmel - vielleicht mit bloßem Auge, aber sicherlich einfach im Fernglas - gegen ca. 5:30 Uhr im Sternbild Pegasus in knapp 15° Grad Höhe der Komet C/2025 R3 PANSTARRS (5,5mag) zu sehen. Die ISS ist in dieser Woche nicht bei nächtlichen Überflügen zu sehen.

Am Montag, den 13. April, geht die Sonne um 6:33 Uhr auf und um 20:19 Uhr unter. Der helle Tag dauert jetzt schon bald 14 Stunden. Die nur noch zu 22 Prozent beleuchtete Mondsichel geht erst um 5:09 Uhr auf. Um 23:00 Uhr steht Kleinplanet (511)Davida (11,5mag) in nur 1,5' Bogenminuten Abstand zur Galaxie NGC 3245 (10,8mag). (Achtung: in Stellarium wird die Bezeichnung NGC 3245 doppelt benutzt für zwei dicht beieinanderstehende Galaxien.)

Am Dienstag, den 14. April, geht die nur noch zu 14 Prozent beleuchtete Mondsichel erst um 5:22 Uhr in der Morgendämmerung auf. Gegen 8:39 Uhr MESZ kommt es auf einer Linie von Lippstadt über Paderborn-Elsen - Bad Lippspringe - Steinheim/Nieheim - Polle an der Weser zu einem Transit der ISS vor der Sonne. Genaue Einzelheiten findet man bei https://iss.vierwandfrei.de oder https://transit-finder.com/. Die Sonne steht dann ca. 18° Grad hoch über dem Horizont, die ISS ist über 1000 km von uns entfernt, so dass dieser Transit auf der Zentrallinie sogar länger als 1,5 Sekunden dauert.

Am Mittwoch, den 15. April, ob die nur noch zu 7 Prozent beleuchtete Mondsichel heute früh wohl noch sichtbar ist? Sie geht um 5:33 Uhr auf. Um 22:00 Uhr steht Kleinplanet (471)Papagena (11,5mag) in nur 7,5 Bogenminuten Abstand zu Stern 98 Tau (5,8mag).

Am Donnerstag, den 16. April, scheint so gar nichts Besonderes am Himmel zu passieren. Vielleicht ja auch mal eine gute Gelegenheit, nach Sternschnuppen Ausschau zu halten. Ab dieser Woche sollen die Lyriden sichtbar werden. Ab ca. 22:30 Uhr ist deren Radiant im Sternbild Leier ausreichend hoch über dem Horizont. Das Maximum (mit vielleicht 5 Sternschnuppen pro Stunde) wird jedoch erst am 22. April erreicht.

Am Freitag, den 17. April, ist exakt um 13:52 Uhr Neumond. Um 23:00 Uhr steht Kleinplanet (10)Hygiea (11,9mag) in 6' Bogenminuten Abstand zu Stern 3 Gem (5,7mag).

Am Samstag, den 18. April, geht die nur zu 3 Prozent beleuchtete Mondsichel um 22:32 Uhr unter, das ist knapp zwei Stunden nach Sonnenuntergang. Sie könnte bei klarem Himmel gegen 21:30 Uhr in ca. 7° Grad Höhe über dem Horizont noch gut zu sehen sein. Kleinplanet (374)Burgundia (12,0mag) steht heute in Opposition zur Sonne.

Am Sonntag, den 19. April, geht die erst zu 8 Prozent beleuchtete Mondsichel erst um Mitternacht unter. Er steht ca. 7° Grad oberhalb der Venus, direkt über den Plejaden, die er am späten Nachmittag bedeckt hat, was bei uns am helllichten Tag natürlich nicht sichtbar war.