Samstag, 21. März 2015

20. März: Sonnenfinsternis

Die Wettervorhersagen für den Tag der Sonnenfinsternis für unsere Region in Nordrhein-Westfalen waren in den letzten drei Tagen vor der Finsternis von Tag zu Tag besser geworden. Am Nachmittag des 19. März war die Rede davon, das es in Ostwestfalen weitgehend wolkenfrei sein sollte. Doch so ganz traute ich diesen Prognosen nicht, denn ausgerechnet bei uns in Bad Lippspringe hielt sich in den Prognosekarten der von mir bevorzugten Webseite bis 10 Uhr am Freitag immer eine kleine weiße Wolke, die durch den Ortsmarker wie festgenagelt schien.  Sollten wir tatsächlich Pech haben? Überall klar, nur bei uns nicht? Da wir genau am Ostrand der Wolke lagen, war die "Fluchtroute" klar, man müsste nur etwas nach Osten fahren, und schon müssten wir auch freie Sicht haben.

Doch irgendwie siegte der Optimismus. Die Freunde von der Sternwarte in Paderborn Schloß Neuhaus wollten sich am Flughafen Haxterberg treffen, wo man schon erfolgreich den letzten Venustransit vor der Sonne im Jahr 2012 beobachtet hatte, und die Freunde der Planetariumsgesellschaft wollten sich natürlich auf dem möglichen zukünftigen Planetariumsgelände in Rietberg treffen.

Da eine meiner Töchter extra aus Kiel zu uns gereist war, weil für ihre Heimatstadt konstant Bewölkung angesagt war, wollen wir am Ende aber kein Risiko eingehen und beschlossen, bei Wolken doch lieber rechtzeitig "Richtung Osten" aufzubrechen, um die Sofi wirklich verfolgen zu können. Und nach den Prognosen  hätten wir "schlimmstenfalls" gleich hinter dem Eggekamm auf eine strahlende Sonne vor blauem Himmel stoßen müssen.

Doch es kam anders. Wie befürchtet war in Bad Lippspringe am Morgen alles neblig. Nicht totale Suppe, aber von der Sonne doch nichts zu bemerken. Also schnell alle Ausrüstung ins Auto packen und losfahren über die Bundesstraße 1. Wir hatten noch eineinhalb Stunden Zeit bis zu Beginn, das sollte doch "dicke" reichen. Auf der Egge wurde jedoch zunächst der Nebel dicker. Oh, gleich hinterm Eggekamm, direkt nach der ersten Ausfahrt nach Horn,  plötzlich ein Sonnenstrahl. Klasse, dachte ich, das sieht gut aus. Doch wir fahren keine 50 Meter weiter gefahren, da waren wir schon wieder im dichten Nebel. Bei der nächsten Ausfahrt  war schon wieder dicke Suppe. Umkehren? Hoffen, das dieses kleine Loch bestehen bleibt? Nein, dann doch lieber weiter fahren.... aber wie lange bloß? Wir bogen von der B1 Richtung Höxter ab auf die B 239. Und immer noch Nebel. Zwischendurch Sichtweiten deutlich unter 50 Meter, da konnte man auch nicht mehr "schnell" nach Osten fahren und die Sonne suchen, da galt es Ruhe zu bewahren und die Verkehrssicherheit im Blick zu behalten. Nach einiger Zeit kamen wir bei der Abtei Marienmünster an. Auf dem Parkplatz stiegen wir aus, noch 20 Minuten bis zum Beginn. Hier bleiben? Immerhin war die Sonne durch den Nebel, der wie ein natürliches Filterglas wirkte, gefahrlos als runde Scheibe zu sehen.  Per Smartphone wollte ich die Webcams in der Gegend um Höxter checken, doch leider war der Handyempfang eingeschränkt, das laden der Bilder dauerte - wir enschieden, sicherheitshalber doch weiter zu fahren. Noch war ja etwas Zeit ...

Und das war genau die richtige Entscheidung. Nach wenigen Minuten richtig Sonne! Hurra! An der erstbesten Stelle bogen wir von der Bundesstraße ab und fuhren auf einen benachbarten Feldweg. Um uns herum, besonders aus der Richtung aus der wir gekommen waren, noch viel Nebel, doch über uns blauer Himmel und die Sonne strahlte heftig. Hier bleiben wir erstmal und schauen uns auf alle Fälle den Beginn der Finsternis an.

Ein erstes Testfoto zeigte auf der noch vollkommen runden unverfinsterten Sonnensacheibe immerhin einen deutlichen Sonnenfleck:

Sonne mit Sonnenfleck direkt vor Beginn der Finsternis.


Das war recht spannend. Der Beginn der Finsternis habe ich als kleines Filmchen aufgenommen. Wer würde als erstes erkennen, das der Mond sich tatsächlich schon vor die Sonne schiebt? Vor der Sonnenscheibe schiebt sich der Mond ganz langsam etwa bei einer Position von 2 1/2 Uhr rein:



Und hier jetzt eine ganze Serie von Fotos, die nach und nach entstanden:

Sonnenfinsternis um 9:35 Uhr


Sonnenfinsternis um 9:40 Uhr


Sonnenfinsternis um 9:47 Uhr

Sonnenfinsternis um 9:50 Uhr

Sonnenfinsternis um 9:59 Uhr

Sonnenfinsternis um 10:15 Uhr
 Und weil wir zufällig mit unserem Camping-Bulli unterwegs waren, fiel mir ein kleines Experiment mit unserem Durchschlagsieb ein. Dies  hatte in der Mitte einige kreisrunde Öffnungen, die wie eine Lochbildkamera funktionieren sollten. Und in der Tat, hier die zugehörigen Bilder:

Sonnenfinsternis mit Lochbildkamera

Sonnenfinsternis mit Lochbildkamera, selbst die Ränder der langen gradlinigen Löcher zeigen "runde" Schattenränder
 Auf so einfache Art und Weise hätte man, vollkommen ungefährlich, Kindergartenkindern oder Schülern die Sonnenfinsternis demonstrieren können. Doch einige Schulleiter wollten ja sogar die Rollos herunterlassen, damit niemand von der gefährlichen "Strahlung" getroffen werden könnte... Kein Wunder, das bei soviel naturwissenschaftlichem Sachverstand an unseren Schulen der liebe Gott sich entschieden hat, den größten Teil des Landes lieber gleich im Nebel versinken zu lassen.

Doch wir hatten es hier zum Glück besser, es blieb die ganze Zeit klar. Wir nähern uns dem Höhepunkt der Verfinsterung. 77 % sollten es bei uns ja werden. Und irgendwie zog bei mir und meiner Tochter sogar ein Frösteln auf. Und wurde es nicht auch wieder dunstiger? Sollte der Rückgang der Sonneneinstrahlung tatsächlich einen Temperaturrückgang ausgelöst haben? Schade, das wir kein Thermometer dabei hatten. Oder hatte der auch bei uns stärker werdende Nebel doch eher meteorologische Ursachen? Aber auf alle Fälle konnten wir deutlich bemerken, dass die Schatten auf dem Erdboden deutlich schärfer abgegrenzt waren als sonst üblich. Ein Effekt, den ich auch schon bei früheren Sonnenfinsternissen beobachtet hatte. Wenn die Verfinsterung stärker wird, also die Fläche der Sonne deutlich verringert wird, zeichnen sich die Schatten auch zunehmend "härter" vom Licht ab. Dies liegt daran, das die Sonne eben kein "idealisierte"   Punktstrahler ist, sondern ihre Strahlen halt aus einer größeren Fläche kommen und dadurch Schattengrenzen imer leicht "verwischt" erscheinen. Wird diese Sonnenfläche verkleinert, werden die schatten automatisch stärker gezeichnet.

Und hier jetzt Bilder vom Maximum der Sonnenfinsternis:

Sonnenfinsternis um 10:33 Uhr

Sonnenfinsternis um 10:37 Uhr

Sonnenfinsternis um 10:41 Uhr

Nun war das wesentliche passiert. Nach dem Finsternismaximum wurde es langsam auch wieder wärmer. Und auch der Dunst ging wieder zurück. Also wird dies wohl doch nicht einfach am "Wetter" gelegen haben, sondern wird wahrscheinlich schon ursächlich mit der Finsternis verknüpft gewesen sein.

Hier jetzt mal ein Foto, welches nicht durch mein Spektiv mit Kleinbildkamera, sondern mit meinem größeren Teleskop entstanden ist. Vergleichen sie mal den oberen Rand der Sonne mit dem unteren Rand des Mondes:

Während der Rand der Sonne ganz gleichförmig ist, zeigt der Rand des Mondes keine "glatte" Kante
 Diese "unruhige" Rand des Mondes ist keine Unschärfe oder atmosphärische Störung. Der Mond ist in der Tat keine "glatte" Kugel, sondern seine Oberfläche ist an vielen Sternen von Kratern und Bergen ja nur so übersät. Deshalb lassen sich hier diese "unruhigen" Konturen erkennen. Kenner der Mondoberfläche können sie sicherlich genau bestimmten Kratern oder entsprechenden Strukturen zuordnen.

Schließlich zog sich der Mond wieder ganz aus der Sonnenscheibe zurück:

Sonnenfinsternis um 11:19 Uhr


Um 11:37 Uhr ist auch der Sonnenfleck wieder zu sehen.

Sonnenfinsternis um 11:50 Uhr

Gleich ist der Mond weg, 11:52 Uhr

Und das tatsächliche Ende habe ich wieder auf einem kleinen Film aufgenommen:


Hier noch ein Foto von unserem Beobachtungsplatz und unserer Ausrüstung:

v.l.n.r.: Celestron C8 Teleskop auf äquatorialer Montierung mit automatischer Nachführung mit Sonnenfilter, Leica Spektiv Apo-Televid 82 mit Sonnenfilter (hiermit entstanden die meisten Fotos und Filme dieser Seite, die Kamera ist jedoch gerade nicht auf dem Foto), eigene Augen mit Sonnenfinsternisbrille, außerdem meine Tochter und ich selbst.

Um kurz vor 12 Uhr war die Finsternis vorbei und wir konnten wieder die 40 Kilometer zurück nach Hause fahren. Auch jetzt noch hatten wir über weite Strecken Nebel, wenn auch nicht mehr so stark wie am Morgen. Insbesondere war jetzt auf der Rückfahrt vor dem Eggekam auch wieder viel Sonne. Hätten wir vielleicht doch nur bis hierhin fahren müssen? Egal, wir haben die Finsternis vom Anfang bis zum Ende verfolgen können und dabei interessante Beobachtungen machen können. Und Zuhause in Bad Lippspringe? Da war leider immer noch keine Sonne zu sehen, der Nebel war immer noch viel zu dicht. Schade für alle, die nicht so mobil sein konnten wie wir. 

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