Sonntag, 8. August 2021

9. - 15. August 2021: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche können mit etwas Glück viele Sternschnuppen beobachtet werden. Der stärkste Strom des Jahres, die Perseiden, erreicht am Donnerstag, den 12. August sein Maximum, aber insbesondere an den tagen vorher kann auch schon mit einer gesteigerten Anzahl von Sternschnuppen gerechnet werden. Der Mond nimmt nach dem Neumond langsam wieder zu, bleibt aber zunächst nur sehr niedrig über dem Horizont. Von den großen Planeten ist nach wie vor die Venus für ca. eine Stunde nach Sonnenuntergang im Westen als Abendstern zu sehen. Saturn und Jupiter können praktisch die ganze Nacht über beobachtet werden. Die ISS kann nicht bei nächtlichen Überflügen gesehen werden, es gibt in unserer Region jedoch drei ISS-Vorüberflüge vor der Sonne oder dem Mond: Einzelheiten unter http://iss.vierwandfrei.de/.

Am Montag, den 9. August, geht die Sonne exakt um 6:00 Uhr auf und um 20:59 Uhr unter, der helle Tag ist also nur noch knapp 15 Stunden lang. Woche für Woche wird er jetzt um ca. 24 Minuten kürzer. Die nur zu 2 Prozent beleuchtete Mondsichel wird heute in der Dämmerung nach Sonnenuntergang noch nicht zu sehen sein.

Am Dienstag, den 10. August, geht die zu 6 Prozent beleuchtete Mondsichel um 22:15 Uhr unter. Der Mond steht abends ca. 8° weiter nordwestlich (also rechts) als die Venus. Auf einer Linie von Rietberg, Delbrück, Paderborn, Dahl, Altenherse kommt es um 17:01 Uhr zu einem ISS-Transit vor der Mondsichel. Der noch sehr schmale Mond zeigt heute maximale Libration in Läge, das Mare Crisium steht nah am Rand und maximale Libration in Breite, so dass wir seinen Südpol sehen können. Um 23:30 Uhr beginnt NASA TV mit der Liveübertragung vom Start des Cygnus-Moduls zur ISS, die Startzeit ist für 23:56 Uhr geplant.

Am Mittwoch, den 11. August, steht am Abend der Mond ca. 4° Grad links (östlich) und oberhalb der Venus, er geht um 22:31 Uhr unter. Um 13:00 Uhr kommt es südlich von Bad Lippspringe, auf einer Linie von Salzkotten über Paderborn, Benhausen, Altenbeken, Pömbsen zu einem ISS-Transit vor der Sonne.

Am Donnerstag, den 12. August, ist in der Frühe um 4:43 Uhr bei Jupiter nur der Mond Kallisto zu sehen, Ganymed und Io werden verfinstert und Europa steht direkt vor der Planetenscheibe. Am Abend geht der zu 20 Prozent beleuchtete Mond um 22:47 Uhr unter. Die nautische Dämmerung endet um 22:21 Uhr, ab diesem Zeitpunkt lohnt es sich, nach Perseiden Ausschau zu halten. Sie beginnt am nächsten Morgen gegen 4:30 Uhr. Die Perseiden sollen Ihren Höhepunkt zwischen 18 und 24 Uhr erreichen. Andererseits steigt der Radiant im Laufe der Nacht noch höher, was ihre Sichtbarkeit auch nach Ende vorhergesagten Maximum positiv beeinflussen dürfte. Eine genaue Zählung kann also spannend werden. (Wenn es das Wetter erlaubt, möchte ich mit anderen Sternfreunden diese Nacht auf dem Eggekamm zum Zählen nutzen, dort könnten bei richtig dunklem Himmel vielleicht an die 40 Sternschnuppen pro Stunde gezählt werden können. (Ergänzung vom 13.8.: Leider hat das Wetter hier nicht mitgespielt, ausgerechnet am Donnerstag war es abends total bewölkt. Schade!) Wer Interesse hat, darf gerne mitkommen, bitte rechtzeitig bei mir melden. Der Kleinplanet (349) Dembowska (9,7mag) steht heute in Opposition zur Sonne.

Am Freitag, den 13. August, zieht ab 1:55 Uhr der Schatten von Jupitermond Io über die Planetenoberfläche. Am Abend geht der zu 30 Prozent beleuchtete Mond um kurz nach 23 Uhr unter.

Am Samstag, den 14. August, geht der zu 41 Prozent beleuchtete Mond um 23:21 Uhr unter. Auf einer Linie von Detmold über Nieheim nach Beverungen Auf einer Linie von Gütersloh, Hövelhof, Paderborn (mit Bad Lippspringe!) nach Borgentreich und ins Hessische kommt es um 15:31 Uhr zu einem ISS-Transit vor dem Mond. Der Kleinplanet (80) Sappho (9,9mag) steht heute in Opposition zur Sonne. Bis 22:42 Uhr zieht am Abend der Schatten von Io über die Jupiterscheibe.

Am Sonntag, den 15. August, erreicht der Mond um 17:20 Uhr das Erste Viertel, am Abend ist er dann schon zu 52 Prozent beleuchtet und geht gegen 23:44 Uhr unter.

Freitag, 6. August 2021

5. August 2021: Wolken vor dem Sommerdreieck

Am Abend des 5. August klarte es teilweise auf. Die Wetter- und insbesondere Wolkenprognosen für diesen Abend waren sehr unterschiedlich. Während "wetteronline" mir einen klaren Himmel ab spätestens 22 Uhr prognostizierte, schwankte die App "Clearoutside" zwischen 33 und 65 Prozent, "meteoblue" gab immer mindestens 50 Prozent Bewölkung an und der DWD prognostizierte für 23 Uhr sogar noch einen kleinen Regenschauer.

So habe ich mein großes Teleskop doch nicht aufgebaut, sondern nur "mit kleinem Gepäck" den Himmel beobachtet. Und in der Tat zogen die allermeiste Zeit Wolken durch, zum Regen kam es glücklicherweise nicht. Ich hätte mein Teleskop sicherlich aufbauen können und in den jeweils wolkenfreien Gebieten sicherlich auch die eine oder andere schöne Beobachtung machen können. "Hätte" - naja, wenn ich es aufgebaut hätte, hätte es sicher auch geregnet... :-)

So habe ich überwiegend mit bloßem Auge und mit dem Fernglas beobachtet. Auch das war schön. 

Bei Jupiter zog langsam der Mond Io vor die Planetenscheibe. Saturns Ring leuchtete und sein Mond Titan war selbst im 7x42 Fernglas gut zu erkennen.

Die Nova in der Cassiopeia (Nova Cas 2021) war deutlich schwerer auszumachen, was allerdings eher an den vielen benachbarten Sternen in der Milchstraße liegt. Ich habe sie auf bestenfalls noch 8mag geschätzt.

Überhaupt die Milchstraße, sie war an diesem Abend von meinem Garten aus gut zu sehen. Natürlich braucht es eine Zeitlang, bis sich die Augen an die Dunkelheit adaptiert haben, aber dann hat das Beobachten doch viel Spaß gemacht. 

Insbesondere habe ich an dem Abend versucht, die Helligkeiten von veränderlichen Sternen zu schätzen. beta Lyra, nü Aquila, und einige andere Sterne habe ich probiert. Allerdings lag ich doch manches mal deutlich daneben. 

Auch einige deep-sky-Objekte waren gut im Fernglas zu sehen, zum Beispiel die Andromedagalaxie und der Kugelsternhaufen M13 im Herkules.

Und dann hatte ich auf erste Vorboten der Perseiden gehofft, doch da war meine Ausbeute sehr gering. Vielleicht habe ich zwei Sternschnuppen gesehen. Allerdings war ich eben auch immer wieder mit dem Fernglas an verschiedensten Objekten dran - und da wäre es schon ein großer Zufall, wenn so eine Sternschnuppe genau durch das kleine Gesichtsfeld fliegen würde.

Viele Satelliten habe ich jedoch gesehen. Die Anzahl der Satelliten ist inzwischen schon erschreckend hoch. Dies wird auch deutlich auf den Bildern, die ich in dieser Nacht gemacht habe.

Ich habe einfach meine DSLR-Kamera mit einem 20mm Weitwinkelobjektiv auf das Sommerdreieck ausgerichtet, mit der LX3-Nachführung die Rotation der Erde ausgeglichen und dann 100 Bilder a 30 Sekunden bei Blende 1.8 und ISO1600 belichtet. Aus diesen 100 Bildern habe ich dann ein animiertes gif erstellt, in dem nach dem Titelbild jedes einzelne Bild ein halbe Sekunde gezeigt wird. Sie sehen hier also 50 Minuten Sternenhimmel in nur 50 Sekunden.

 Achtung: das animierte gif läuft dreimal hintereinander. Die Datei ist 78 MB groß, je nach Internetverbindung müssen Sie leider mit einer längeren Ladezeit rechnen:

Wolken vor dem Sommerdreieck am 5./6. August 2021

Die Aufnahmen erfolgten von 23:28 bis 0:23 Uhr MESZ. Die einzelnen Bilder habe ich nicht weiterbearbeitet. Deutlich erkennt man, wie ständig helle Wolken über den Himmel ziehen, aber die Milchstraße dahinter bleibt eigentlich immer gut zu erkennen. Interessant ist auch zu sehen, wie unterschiedlich sich die Wolken im Foto auf die Sterne auswirken. Zum einen machen sie natürlich manchmal die Sterne etwas dunkler, manchmal sorgen sie jedoch auch dafür, dass die Sterne diffuser und aufgeblähter, also heller, erscheinen. Dieser Effekt lässt sich besonders schön an den helleren Sternen wie der Wega beobachten. (Vielleicht ja auch ein Grund, warum das Abschätzen der Helligkeit der veränderlichen Sterne an diesem Abend nicht so einfach war, wie ich es erhofft hatte).

Auf sehr vielen einzelnen Bildern sieht man auch längliche Strichspuren, entweder von Satelliten oder (weniger) von Flugzeugen. Ich habe mir die Bilder noch nicht so genau angeschaut, ob vielleicht doch auch einzelne Sternschnuppen darunter sind, das kommt vielleicht noch später.

Ach ja: Das "Sommerdreieck" wird durch die drei auffällig hellen Sterne im Sommer gebildet: Wega, der hellste Stern des Sternbild Leier. Deneb, der hellste Stern im Schwan und Altair, der hellste Stern im Adler. Deneb und Wega stehen im Sommer sehr hoch über unseren Köpfen am Himmel, Altair zieht deutlich tiefer über den Nachthimmel hinweg.

Sonntag, 1. August 2021

2. - 8. August 2021: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche haben wir Neumond, die Nächte eignen sich also gut, um auch lichtschwache Objekte am Himmel zu beobachten. Die Sonne sinkt jetzt nachts schon wieder so tief unter den Horizont, das wir in etwa zwischen Mitternacht und 3:00 Uhr tatsachlich "astronomische Dunkelheit" haben. So können in dieser Woche wahrscheinlich schon die ersten Sternschnuppen der Perseiden gesichtet werden. Von den hellen Planeten ist die Venus weiterhin Abendstern, sie geht kurz nach 22:00 Uhr im Westen unter. Saturn und Jupiter sind beide so ziemlich die ganze Nacht über zu sehen. Die ISS kann in dieser Woche nicht bei nächtlichen Überflügen gesichtet werden.

Am Montag, 2. August, bedeckt Jupitermond Ganymed den Mond Europa für ca. zwei Stunden, dieses seltene Ereignis beginnt um 0:49 Uhr. Ebenfalls in der Frühe geht der abnehmende Mond um 0:38 Uhr auf, er ist noch zu 37 Prozent beleuchtet und steht im Sternbild Stier. Die Sonne geht um 5:49 Uhr auf und um 21:12 Uhr unter, der helle Tag ist damit 26 Minuten kürzer als noch vor einer Woche. Der Planet Saturn steht heute in Opposition zur Sonne, er ist damit die ganze Nacht über zu beobachten.

Am Dienstag, 3. August, geht der noch zu 28 Prozent beleuchtete Mond um 1:00 Uhr auf. Gegen 1:27 Uhr zieht ein 6.0mag Stern ganz knapp am oberen Rand des Mondes vorbei, im Osten Deutschlands wird dieser Stern streifend bedeckt. Der Start des Boeing-Starliners, ursprünglich für letzte Woche geplant, soll vielleicht heute nach 19 Uhr erfolgen - und wurde dann doch wieder wegen technischer Probleme auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Im Moment laufen noch die Untersuchungen...

Am Mittwoch, 4. August,  geht die noch zu 20 Prozent beleuchtete Mondsichel  um 1:30 Uhr auf. Kleinplanet (7) Iris (9.8mag) geht in nur 13' Bogenminuten Abstand an 98 Tauri (5.6mag) vorüber.

Am Donnerstag, 5. August, geht die nur noch zu 13 Prozent beleuchtete Mondsichel um 2:08 Uhr auf. Der Schatten von Jupitermond Europa wandert von 1:25 Uhr bis 4:15 Uhr über die Planetenoberfläche hinweg.

Am Freitag, 6. August, beginnt gleich um Mitternacht ein Schattendurchgang von Jupitermond Io vor der Jupiterscheibe (bis 2:19 Uhr). Ebenfalls in der Frühe geht die nur noch zu 7 Prozent beleuchtete Mondsichel um 2:58 Uhr auf. Das dürfte die letzte Morgensichtbarkeit vor Neumond sein. Auf einer Linie von Rietberg über Hövelhof, Bad Meinberg, Blomberg (leider nicht mehr in Bad Lippspringe, nur etwas nördlich davon in der Senne) fliegt gegen 15:19 Uhr die ISS direkt vor der Sonne vorüber. Genaue Daten dazu findet man bei "vierwandfrei.de". Um 23:31 Uhr endet bei Jupiter eine Bedeckung von Mond Europa.

Am Samstag, 7. August, zeigt der Bedeckungsveränderliche Stern beta Lyra um 21:50 Uhr ein Helligkeitsminimum. Wenn der Himmel klar ist, eignet sich diese Nacht besonders gut für die Beobachtung lkichtschwacher Objekte am Nachthimmel. Schauen Sie - wenn Sie ein Fernglas besitzen - vielleicht doch mal zur Nova in der Cassiopeia, oder - wenn Sie ein Teleskop besitzen - zur Supernova in NGC 7814!

Am Sonntag, 8. August, kommt es in der Frühe zu sehr engen Begegnungen der Jupitermonde Europa, Ganymed und Kallisto. Der Mond erreicht heute um 15:50 Uhr seine exakte Neumondposition und bleibt so die ganzen Tage/Nächte über unsichtbar.

Dienstag, 27. Juli 2021

26. April: Nova Cas 2021 schon wieder 6mag hell

 Die Nova im Sternbild Cassiopeia ist schon wieder für eine Überraschung gut. Seit einiger Zeit steigt ihre Helligkeit schon wieder Tag für Tag, so dass sie nun wieder mit dem bloßen Auge sichtbar sein kann, einen klaren, dunklen Himmel vorausgesetzt.

Heir ein Foto von mir vom 26. Juli 2021 um 23:21 Uhr. Leider war der Himmel dabei teilweise schon recht bewölkt. Die Nova ist jedoch einfach zu finden. Direkt unter ihr gibt es einen Stern, dessen Helligkeit bei Stellarium mit 6.6mag angegeben wird. Ich habe die Nova auf etwas heller eingeschätzt. Beobachter bei der AAVSO schätzen ihre Helligkeit aktuell sogar teilweise für leicht besser als 6.0mag.

(Zur Erläuterung: Die Astronomen teilen die Helligkeit der Sterne nach Größenklassen ein, so ähnlich wie Schulnoten. Die hellsten Sterne haben Helligkeit "1" und die schwächsten, gerade noch mit bloßem Auge sichtbaren Sterne die Helligkeit "6".)

Hier mein Foto:

Nova Cas 2021 am 26. Juli 2021

Die Aufnahmedaten im einzelnen: Canon 5D MarkII, 50mm Festbrennweite, f/1.8, ISO3200, 6 Sekunden Belichtungszeit.

Durch die Wolken erscheinen insbesondere die hellsten Sterne der Cassiopeia (das "Himmels-W") etwas diffus, dadurch aber deutlicher hervorgehoben. Die Nova befindet sich dicht beim kleinen Sternhaufen M52, im Fernglas ein schöner Anblick!

Und hier die Lichtkurve der Nova seit ihrer Entdeckung am 18. März 2021. Eingezeichnet sind visuelle Schätzungen (schwarze runde Kreise) und photografische Messungen im definierten grünen Bereicht, der am ehesten dem visuellen Eindruck entspricht:

Lichtkurve Nova Cas 2021 der AAVSO (siehe https://www.aavso.org/)

**** Nachträge vom 29.7.21: 

Aktuell soll am 29.7. in der Frühe laut Beobachtungsberichten bei der AAVSO die Helligkeit plötzlich wieder auf 7.1mag abgesackt sein. Leider war es hier die letzten Abende bedeckt, so dass ich die Nova nicht beobachten konnte. 

Am Abend des 29.7. habe ich nach 23 Uhr versucht, die Nova im Fernglas zu beobachten. Wegen immer wieder durchziehender Bewölkung war eine Helligkeitsschätzung schwierig. Sie war jedoch deutlich dunkler als der 6.6mag helle Stern unter ihr. Maximal würde ich die Helligkeit nur noch auf 7.0 mag einschätzen, eher noch darunter.


26. Juli 2021: ISS und Nauka

*** Am 28. Juli habe ich diesen Artikel ergänzt *****

Am Abend des 26. Juli klarte es passend zum Überflug der ISS kurz nach 22 Uhr sehr schön auf, so dass ich diesen Überflug gut fotografieren konnte. Ich habe meine Kamera in etwa auf die zu erwartende Flugbahn der ISS ausgerichtet und dann automatisch ein Bild nach dem anderen fotografiert. Die Belichtungszeit betrug jeweils 6 Sekunden, so dass die ISS eine schöne Strichspur auf jedem einzelnen Foto hinterlassen sollte. Die Empfindlichkeit hatte ich auf ISO100 eingestellt. Noch empfindlicher konnte ich es nicht einstellen, denn im Westen war der Himmel selbst noch sehr hell, da wäre das Bild sonst völlig "abgesoffen".  Zweimal musste ich die Aufnahmeserie unterbrechen, weil ich die Kamera in eine andere Himmelsrichtung drehen musste, sonst wäre die ISS zu schnell aus dem Bild herausgeflogen, so konnte ich sie recht gut verfolgen.

Anschließend habe ich die vielen Einzelbilder übereinandergelegt, so dass sich ihre Bahn Abschnitt für Abschnitt verfolgen ließ. Danach habe ich dann versucht, die Summenbilder zu einem Panorama zusammen zu fügen. Leider ist mir das nur für die ersten beiden Bilder gelungen und nicht mehr für das dritte. Hier hatte ich die Kamera wohl leider etwas zu weit gedreht, so dass die Software keine "Anschlusstellen" mehr finden konnte.

Hier das Ergebnis, ein kleines Panorama des ISS-Überfluges:

ISS Überflug am 26. Juli 2021

Wenn Sie auf das Bild klicken, öffnet es sich in einer größeren Darstellung. Die ISS fliegt von rechts nach links über das Foto. Am Anfang ist ihre Bahn (Strichspur) im Vergleich zum hellen weißen Himmel nur schwer zu erkennen. Hier schauen wir Richtung Westen hinein in die noch helle Dämmerung. Der Sonnenuntergang ist ja noch keine Stunde her. Wenn Sie das Bild etwas genauer betrachten, kann man gegen Ende des ersten Abschnitts (etwas rechts der Mitte des Bildes) einen hellen Stern erkennen. Das ist Arkturus, der hellste Stern im Sternbild Bärenhüter. Die ISS zieht ihre Bahn deutlich oberhalb von Arkturus am Himmel. In der linken Bildseite blicken wir nach Süden, dort ist der Himmel schon deutlich dunkler und die ISS tritt viel heller am Himmel hervor.

Hier noch das Bild der letzten Etappe der ISS, das sich leider nicht direkt mit den anderen kombinieren ließ.

Das Ende des ISS-Überflugs

Hier schauen wir in Richtung Südosten. Die ISS fliegt knapp 400 Kilometer über der Erde, bleibt daher fast die ganze Zeit bis kurz vor dem Horizont von der Sonne angestrahlt, denn diese stand zurzeit des Überflugs nur 8° Grad unter dem Horizont.

Am 21. Juli 2021 wurde ein neues russisches Modul für die ISS gestartet: Nauka. Der Bau dieses Moduls wurde schon 2004 begonnen. Durch eine unglückliche Verkettung verschiedenster Umstände verzögerte sich die Fertigstellung jedoch immer wieder. Und auch jetzt beim Start ging einiges schief, denn das Modul erreichte zunächst nur eine viel zu niedrige Umlaufbahn. Nach einigen Überprüfungen stellte man jedoch fest, das sich die ISS durchaus noch erreichen lässt. Ein Andocken soll jetzt am 30 Juli erfolgen.

Am Montagabend sollte das Nauka Modul kurz vor 23 Uhr über unseren Himmel fliegen. Würde man es sehen können? Es ist ja viel kleiner als die ISS selbst, sollte also sicherlich deutlich lichtschwächer sein.  Zum Glück war es gegen 23 Uhr auch schon dunkler, so dass ich die Empfindlichkeit meiner Kamera diesmal auf ISO800 stellen konnte. Ich habe wieder jeweils 6 Sekunden belichtet.

Hier das Bild vom Überflug, wieder zusammengesetzt aus vielen Einzelbildern wie oben beschrieben:

Nauka-Überflug am 26. April

Leider wurde es gegen 23 Uhr wolkiger. Auch Nauka fliegt wieder von rechts nach links durch das Bild. Das Erscheinen über den Bäumen in der Mitte ist nur sehr schwer zu erkennen. Nauka war also durchaus lichtschwächer als die ISS. Erreichte die ISS teilweise durchaus Venus-Helligkeit, war Nauka aber doch immerhin noch in etwa so hell wie Arkturus oder andere helle Sterne.

Zum Zeitpunkt des Nauka-Überflugs stand die Sonne schon fast 12° Grad unter dem Horizont. Das bedeutete natürlich, das Nauka viel eher im Erdschatten verschwinden müsste. Und so war es natürlich auch. Hier brauchte ich die Aufnahmeserie zwischendurch nur einmal zu unterbrechen.

Die Bahn von Nauka ist im Vergleich zur ISS längst nicht so hoch am Himmel. Sie fliegt deutlich unterhalb von Arkturus in den Himmel hinein.

Und schauen Sie einmal genau hin, was im linken Teil des Bildes zu erkennen ist: Kurz bevor die Spur von Nauka verschwindet, wird sie noch einmal deutlich heller. Fast wie früher bei einem Iridiumflare leuchtete Nauka noch einmal recht hell auf. Wahrscheinlich müssen hier die Sonnenkollektoren von Nauka das Licht der Sonne genau in meine Beobachtungsrichtug reflektiert haben.

Einem britischen Amateurastronomen gelang übrigens ein tolles Foto von Nauka, kurz nach dem Start in der Nähe von London aufgenommen.

Hoffen wir, das die weitere Mission von Nauka gelingt und somit auch die Mission der ISS weiter erfolgreich fortgeführt werden kann.

*** Ergänzung vom 28. Juli *****

Am 28. Juli wollte ich noch einmal die ISS und Nauka beobachten, da beide kurz nacheinander auf fast gleicher Bahn über den Himmel fliegen sollten. Auch hier war der Himmel ab 20:15 Uhr wunderschön klar, und ab 22:15 Uhr, kurz bevor die ISS und dann ab 22:30 Uhr auch Nauka auftauchen sollte, begann der Himmel sich zu bewölken. Hier ein animiertes gif, zusammengesetzt aus 100 Bildern a 6 Sekunden, die jetzt nur jeweils 0,2 Sekunden gezeigt werden:

Können Sie die ISS hinter den Wolken aufblitzen sehen?

Die ISS ist in den ersten Bildern (wenn der Himmel noch am blauesten ist) ab und an kurz aufblitzend zu finden, für Nauka waren dann die Wolken schon zu dicht.


Sonntag, 25. Juli 2021

26. Juli - 1. August 2021: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche zieht sich der Mond langsam vom Abendhimmel zurück. Die Venus ist nach Sonnenuntergang tief im Westen bis gegen 22:15 Uhr zu finden. Saturn (Aufgang ca. 21:45 Uhr) und Jupiter (Aufgang ca. 22:15 Uhr) sind so ziemlich die ganze Nacht über zu sehen. Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag bieten die Jupitermonde eine große Zahl von Vorübergängen und Schattenspielen, da diese meist jedoch in der Zeit zwischen Mitternacht und 4:00 Uhr stattfinden, verzichte ich hier jedoch auf viele Einzelheiten. Die ISS ist noch bei abendlichen Überflügen zu sehen. Zurzeit ist ein russisches Modul "Nauka" unterwegs zur ISS. Mit welcher Helligkeit dieses Modul zu sehen sein wird, ist jedoch (noch) nicht bekannt. Da viel kleiner wird es sicherlich auch deutlich lichtschwächer als die ISS.

Am Montag, den 26. Juli, geht die Sonne um 5:39 Uhr auf und um 21:28 Uhr unter. Die ISS fliegt das erste Mal zwischen 22:20 Uhr und 22:27 Uhr ungefähr von der Venus über eine Höhe von 58° Grad im Süden zum Jupiter über unseren Abendhimmel. 15 Minuten vorher ist auf fast der gleichen Bahn wahrscheinlich das Modul Nauka zu sehen, das in einigen Tagen an die ISS andocken soll. Der noch zu 90 Prozent beleuchtete Mond geht um 23:06 Uhr auf. Direkt vor Mitternacht ist die ISS noch einmal im Westen zu sehen, sie steigt jedoch nur 17° Grad hoch und verschwindet dann schnell im Erdschatten.

Am Dienstag, den 27. Juli, endet um 2:12 Uhr eine Sternbedeckung durch den Mond. Außerdem zeigt der Mond maximale Libration in Breite, so dass wir auf seine Nordpolregion schauen können. Der Stern SAO 165425 (6.3mag) tritt am dunklen Mondrand wieder hervor. Am Abend fliegt Nauka von 22:14 Uhr bis 22:18 Uhr über unseren Himmel, die ISS folgt erst ab 23:10 Uhr bis 23:14 Uhr von West bis Süd, wo sie dann im Erdschatten verschwindet. Der zu 83 Prozent beleuchtete Mond geht um 23:22 Uhr auf.

Am Mittwoch, den 28. Juli, wandert ab 3:37 Uhr der Schatten von Io über die Jupiteroberfläche. Am Abend sind die ISS und das Modul Nauka kurz hintereinander zwischen 22:23 Uhr und 22:28 Uhr (ISS) bzw. 22:30 Uhr bis 22:34 Uhr (Nauka) am Himmel zu sehen, wobei die ISS mit 33° Grad die höhere Bahn gegenüber Nauka mit 27° Grad hat. Um 23:37 Uhr geht der zu 75 Prozent beleuchtete, abnehmende Mond auf. Er zeigt maximale Libration in Länge, der Krater Grimaldi steht nah am Rand. Ab 22:50 Uhr (bzw. 23:57) zieht zunächst der Schatten von Jupitermond Europa, dann der Mond selbst vor der Jupiteroberfläche vorüber.

Am Donnerstag hat das Modul  Nauka nach einem verunglücktem Start vor einigen Tagen erfolgreich an die ISS angedockt. Jetzt ist es also nur noch mit der ISS zusammen zu sehen. Leider sind damit die Probleme mit Nauka noch nicht zu Ende. Einzelheiten finden Sie zum Beispiel bei heise.de auf deutsch oder direkt von der NASA in englisch.

Am Donnerstag, den 29. Juli, kommt es in der Frühe bis 3:43 Uhr zu vielfältigen Verfinsterungen und Bedeckungen bei Jupiter. Am Abend ist die ISS zwischen 23:13 Uhr und 23:15 Uhr kurz in nur maximal 12° Grad Höhe im Südwesten zu sehen. Heute geht der Mond um 23:50 Uhr auf und er ist noch zu 65 Prozent beleuchtet. Am Abend fällt der Schatten von Io auf die Jupiteroberfläche (bis 0:24), da ab 23:12 Uhr auch Kallisto vor der Jupiterscheibe entlang zieht, sind dann nur die Mond Europa und Ganymed zu sehen.

Am Freitag, den 30. Juli, ist die ISS ein letztes Mal zwischen 22:25 Uhr und 22:30 Uhr tief im Südwesten in maximal 17° Grad Höhe bei einem Überflug zu sehen. Damit endet diese abendliche Sichtbarkeitsperiode. Der Mond geht heute erst kurz nach Mitternacht auf. Kleinplanet (12) Victoria (8,8mag) steht heute in Opposition zur Sonne.

Der für heute geplante Start der Boeing-Starliner-Kapsel zur ISS wurde von der NASA wegen der Probleme mit dem Nauka-Modul bis auf weiteres verschoben.

Am Samstag, den 31. Juli, erreicht der Mond um 15:16 Uhr das Letzte Viertel. Er geht bei uns jedoch erst um 0:20 Uhr am Sonntag auf.

Am Sonntag, den 1. August, steht in der Frühe der Mond im Sternbild Widder. Der Mond wird langsam immer schmaler, im dunklen Teil leuchtet das Erdlicht. Der Planet Uranus steht heute früh um 1:00 Uhr nur 1,8° Grad oberhalb vom Mond. Es könnten inzwischen auch schon die ersten Perseiden zu sehen sein, der Höhepunkt dieser Sternschnuppen wird jedoch erst am 12. August erreicht.

Samstag, 24. Juli 2021

23. Juli 2021: Eine klare Nacht und Vollmond

 Die Nacht von Freitag auf Samstag war wieder einmal klar. Allerdings war Vollmond. Schwächere Himmelsobjekte sollten dadurch nicht gut zu beobachten sein. Und so war es tatsächlich auch. Obwohl der Mond nur sehr tief über den Horizont entlang zog, waren mit bloßem Auge nur die hellsten Sterne am Himmel zu sehen. Das Band der Milchstraße war überhaupt nicht auszumachen.

So habe ich zunächst einfach mal ein paar hellere Sternen rausgesucht. Zum Beispiel den Doppelstern Albireo im Schwan:

Albireo
Albireo ist ein Paradebeispiel für einen Doppelstern. Er ist im Sternbild Schwan zu finden. Die unterschiedlichen farblichen Komponenten stehen so weit auseinander, das sie mit einem guten Fernglas, das ruhig steht, schon unterschieden werden können. Stehen diese beiden Sterne zufällig so dicht nebeneinander, sind sie also nur ein "optischer" Doppelstern? Oder sind sie tatsächlich über die Gravitation miteinander gekoppelt und damit ein echter Doppelstern? Das ist selbst heute und mit modernsten Meßmethoden nicht zu klären, lesen Sie doch dazu einmal den spannenden Wikipedia-Artikel

Ein Foto des Vollmonds möchte ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Da der Mond maximal nur 13° Grad hoch am Himmel stand, blieb er die ganze Zeit recht rötlich/gelblich. Im Fernrohr waberte sein Rand in der warmen Atmosphäre die ganze Zeit. So sah er aus:

Vollmond

Und dann habe ich einfach trotzdem mal auf ein "deep-sky" Objekt gehalten. Der planetarische Nebel M 27 war mein Ziel. Dafür habe ich 58 Bilder mal 30 Sekunden belichtet (also fast 30 Minuten), bei ISO3200. Diese Bilder habe ich später mit zusätzlichen sog. Darks und Flats und der Spezialsoftware Sequator gestackt und dies Ergebnis wiederum mit Photoshop bearbeitet. Das Ergebnis sieht so aus:

M 27, auch "Hantelnebel" genannt.

Mit Hilfe der Digitalfotografie und anschließender Softwarebearbeitung kommt der Nebel doch ganz gut zur Geltung. Die schwächsten Sterne auf diesem Bild haben ca. 16mag oder vielleicht sogar noch niedriger. Immerhin zeigt das Bild mehr Sterne, als man insgesamt sich im Programm Stellarium reinladen kann.

Außerdem standen in dieser Nacht natürlich auch noch die ISS, Saturn und Jupiter und eine Reihe weiterer Objekte auf meiner Beobachtungsliste. Es lohnt sich immer, nachts aufzubleiben, wenn der Himmel klar ist.