Sonntag, 31. Mai 2020
1. - 7. Juni 2020: Der Himmel über Bad Lippspringe
In dieser Woche haben wir Vollmond. Auch wird es in der Nacht nicht mehr richtig astronomisch dunkel, da die Sonne bei uns nur noch maximal 16° Grad unter den Horizont sinkt. Die Nächte sind sommerlich kurz, da ist nicht viel besonderes am nächtlichen Sternenhimmel zu erwarten. Auch die ISS ist in dieser Woche nicht mehr bei nächtlichen Überflügen zu beobachten. Von den Planeten kann jedoch Merkur mit einem Fernglas und vielleicht - bei klarer Sicht - auch mit dem bloßen Auge ab ca. 45 Minuten nach Sonnenuntergang tief im Nordwesten gefunden werden, er geht ca. gegen 23:15 Uhr unter. Später in der Nacht sind dann noch die Planeten Jupiter (ab 0:45 Uhr), Saturn (ab ca. 1:00 Uhr) un Mars (ab ca. 3:00 Uhr) ebenfalls tief im Südosten zu sehen.
Am Pfingstmontag, den 1. Juni, geht die Sonne um 5:11 Uhr auf und um 21:34 Uhr unter, es bleibt also deutlich über 16 Stunden lang hell bei uns. Der zu 72 Prozent beleuchtete Mond geht heute in der Frühe um 3:32 Uhr unter. Am Abend wird um 22:39 Uhr ein 7.5mag schwaches Sternchen (SAO 139229) vom Mond bedckt.
Am Dienstag, den 2. Juni, wird gegen 22:30 Uhr am südlichen Mondrand ganz knapp und nur für kurze Zeit der Stern 95 Virginis (5.5mag) vom Mond bedeckt.
Am Mittwoch, den 3. Juni, erreicht der Mond auf seiner aktuellen Umkreisung den erdnächsten Punkt seiner Umlufbahn, vielleicht sprechen die Trivialmedien am Freitag deshalb ja wieder einmal vom "Supermond".
Am Donnerstag, den 4. Juni, steht der Mond am Abend ca. 10° Grd nordwestlich von Antares im Sternbild Skorpion. Antares leuchtet ähnlich rötlich wie der Mars und wird manchmal mit ihm verwechselt. Merkur erreicht heute seinen größten östlichen Abstand (Elongation) von der Sonne mit knapp 24° Grad.
Am Freitag, den 5. Juni, ist exakt um 21:12 Uhr Vollmond. Dabei kommt es heute zu einer sogenannten "Halbschattenfinsternis". Dabei zieht der Mond recht nahe am Kernschatten der Erde vorbei, aber leider nicht dicht genug, so dass es nicht zu eine richtigen Mondfinsternis kommt. So kann man wohl nur vielleicht eine leichte Verschattung (von Verdunkelung möchte ich lieber nicht sprechen) des Mondes an seinem südlichen Rand erkennen.
Am Samstag, den 6. Juni, geht der zu 99 Prozent beleuchtete Mond um 22:40 Uhr auf.
Am Sonntag, den 7. Juni, geht der immer noch zu 95 Prozent beleuchtete Mond erst kurz vor Mitternacht auf. Er zieht seine Bahn nur knapp über den südlichen Horizont, seine maximale Höhe beträgt 13.3° Grad. Das Wochenende eignet sich daher gut, um ein paar spannende Bilder mit dem Mond zu machen.
Samstag, 30. Mai 2020
29. Mai: M3 - Ein Kugelsternhaufen
Es gibt im Weltall schon wirklich verrückte Sachen zu entdecken. Haben Sie schon einmal einen "Kugelsternhaufen" gesehen?
Wenn Sie mal bei mir vorbeikommen oder auf einer Volkssternwarte zu Gast sind, sollten Sie sich so etwas unbedingt zeigen lassen.
Was ein Stern ist, kann man sich ja noch ganz gut vorstellen. Unsere Sonne ist ja ein Beispiel dafür. Auch unter einem Doppelstern kann man sich noch gut etwas vorstellen, das sind einfach zwei Sterne, die über die Schwerkraft miteinander verbunden sind und sich - wie zwei Tänzer - gegenseitig umkreisen.
Bei Dreifach- oder Vierfach-Sternsystemen wird es dann mit der Vorstellungskraft schon etwas schwieriger. Bei Kugelsternhaufen hilft einmal das Nachschlagen bei Wikipedia: Ein Kugelsternhaufen (kurz auch Kugelhaufen) ist eine enge Ansammlung sehr vieler gravitativ aneinander gebundener Sterne, in der die Sternendichte eine kugelsymmetrische Verteilung zeigt, indem sie vom Zentrum, wo die Sterne sehr dicht zusammenstehen, zum Rand in alle Richtungen gleichermaßen abnimmt. Typische Kugelsternhaufen enthalten mehrere hunderttausend Sterne.
Mehrere hunderttausend Sterne auf einmal? Das ist nun wirklich kaum vorstellbar. Man ist geneigt, bei solch großen Sternenzahlen gleich an ferne Galaxien zu denken, doch das ist diesmal nicht der Fall. In unserer Galaxie (der "Milchstraße") sind ca. 150 Kugelsternhaufen bekannt, andere Galaxien wie der Andromedanebel haben deutlich mehr. Untersucht man die Sterne in den Kugelhaufen mit Hilfe der Spektralanalyse stellt man fest, dass diese Sterne sehr arm an Metallen sind. Daraus wiederum kann man schließen, das sie zu den ältesten Objekten in den Galaxien gehören. Merkwürdig ist aber auch der Ort, wo man sie findet. Nicht mittendrin in der Galaxie, sondern sie scheinen die Galaxie wie ein Halo zu umschließen. Ihre Entstehung gibt uns auch heute noch etliche Rätsel auf. Ein guter Grund, Astronomie zu studieren.
Den hellsten Kugelsternhaufen kann man sogar so gerade eben mit dem bloßen Auge im Sternbild Herkules entdecken. Im Fernrohr sieht man zunächst einen scheinbar diffusen, nicht wirklich scharf gestellten Stern. Mit Hilfe größerer Vergrößerung kann man dann bei vielen Kugelsternhaufen jedoch tatsächlich auch in Amateurfernrohren diese zumindest am Rand in einzelne Sterne auflösen.
Hier ein Bild von meinem Beobachtungsobjekt vom 29. Mai: Der Kugelsternhaufen M3 im Sternbild Jagdhunde:
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| Kugelsternhaufen M3 |
29. Mai 2020: Der Mond am Abend
Am Freitagabend vor Pfingsten war der Himmel wunderschön klar und der Mond forderte mich geradezu auf, zu einem Spaziergang vorbei zu kommen.
Hier ein Foto:
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| Mond am 29. Mai 2020 |
Ich war tatsächlich stundenlang damit beschäftigt, verschiedene Ecken, Krater, Mare, Berge, Täler zu erkunden. Vielleicht schaffe ich es später, auch noch mehr über das eine oder andere Detail zu schreiben.
Auch die netten Nachbarn kamen vorbei und haben ein Blick durchs Teleskop geworfen und waren begeistert.
Außerdem habe ich am Abend und in der Nacht auch noch viele andere Objekte beobachtet, den Merkur, Kugelsternhaufen wie M3 und andere Objekte.
Für mich wurde so ein hoffentlich wunderschönes Pfingstwochenende "eingeläutet".
Donnerstag, 28. Mai 2020
28. Mai 2020: Ein Blick zum Mond
Heute Abend konnte man wieder sehr gut auf dem Mond spazieren gehen.
Er ist heute zu gut einem Drittel (genauer zu 36 Prozent) beleuchtet. Noch zeigt er eine schöne Sichelgesatlt und im dunklen Teil ist auch noch das Schimemrn des Erdlichts zu sehen.
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| Mond am 28. Mai 2020 |
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| Landeplatz Apollo 11 auf dem Mond |
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| Landeplatz Apollo 16 |
Mittwoch, 27. Mai 2020
27. Mai 2020: Die ISS vor dem Mond und keine Starterlaubnis für die Dragon Crew
Ich habe heute Riesenglück gehabt. Lange war der Himmel bewölkt, nicht einmal der Mond kam durch. Doch genau zu dem Moment, als die ISS vor dem Mond vorbei fliegen sollte, waren die Wolken zumindest nicht mehr so dicht vor dem Mond, das man ihn sehen konnte. Und auch die ISS war auf ihrem schnellen Überflug zeitweilig zu sehen.
Hier zunächst ein Übersichtsbild, unbearbeitet:
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| Mond und Wolken am 27. Mai kurz nach 22 Uhr. |
Der Himmel war noch weitgehend bedeckt. Nicht nur durch dunkle Regenwolken (zum Glück blieb es trocken), sondern auch viele Schleierwolken, die einen freien Blick auf den eigentlich bläulichen Dämmerungshimmel verwehrten.
Ich habe mit zwei Kameras gearbeitet. Mit der einen (Bild oben) habe ich versucht Weitwinkelaufnahmen vom Überflug der ISS zu machen. Diese Aufnahmen habe ich immer acht Sekunden lang belichtet. Damit sie icht überbelichtet werden, konnte ich natürlich nur eine geringe ISO-Empfindlichkeit einstellen, ISO100, zusätzlich habe ich auf f/9.5 abgeblendet. Mein Ziel war es, in mehreren Strichspuren den Flug der ISS vor dem Mond entlang und über einen größen Himmelsabschnitt zu dokumentieren.
Das war jedoch bei dieser Bewölkung leider eine falsche Strategie. Auf den ersten Blick waren auf den Bildern nämlich überhaupt keine Strichspuren der ISS festzustellen. Erst nachdem ich in Adobe Lightroom für die Bilder Regler wie "Struktur" und "Kontrast" voll aufgedreht hatte, konnte ich eine kleine, dünne Strichspur feststellen. Hier mal zwei Bildausschnitte dazu:
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| Mond mit ISS-Strichspur |
Auch auf dem nächsten Foto, da befindet sich die Strichspur schon etwas oberhalb des Mondes, macht die ISSleider keinen schönen Eindruck:
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| Mond mit ISS-Strichspur |
Doch ich hatte ja auch noch eine zweite Kamera dabei, die hatte ich an meinem Spektiv angeschlossen, um den Transit der ISS vor dem Mond zu filmen. Und weil diese natürlich eine größere Brennweite als die Weitwinkelkamera hatte, war der Mond natürlich viel besser und größer zu sehen. Und würde ich auch die ISS zu fassen bekommen? Schauen Sie selbst:
Nach ca. 15 Sekunden, kurz vor Ende des Filmchens, erscheint die ISS und fliegt von unten nach oben am Mond vorbei. Hier ist sie jetzt hell und deutlich zu erkennen. Leider ist dieser Film mit den klassischen 30 Bildern pro Sekunde gedreht worden. Das ist natürlich viel zu lange belichtet, um Details der ISS erkennen zu lassne. Dafür hätte man dann schon nur 1/1000 Sekunde oder noch kürzer belichten müssen.
Aber auch so ein schöner Anblick! Ich war glücklich, das überhaupt sehen zu können, denn kurz danach war der Mond schon wieder hinter Wolken verschwunden. Und da hat es mich dann auch nicht gestört, dass der Flug der Dragon Crew wegen schlechten Wetters abgesagt wurde. Die hätte ich hier mit unserem Wetter wahrscheinlich sowieso nicht sehen können.
Dienstag, 26. Mai 2020
25. Mai: Merkur, Venus, schmale Mondsichel und ISS
Am Montag, den 25. Mai konnten noch einmal Merkur und Venus am Abendhimmel gefunden werden. Sie sind inzwischen noch weiter auseinandergerückt als an den Tagen zuvor. Merkur war jetzt auch gut mit dem bloßen Auge zu sehen. Auch der Mond steht nun wieder deutlich sichtbar am Abendhimmel
Leider fand ich in meinen Garten keine Stelle, von der aus ich alle drei gut auf einem Foto unterbringen konnte. So musste ich mich mit diesem Blick auf Venus, Merkur und Mond gleichzeitig begnügen:
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| Mond (versteckt hinter dem Baum) , Merkur und Venus am 25. Mai |
Die Venus ist noch schmaler geworden als gestern. So tief am Himmel ist jedoch kein klares Bild mehr von ihr zu bekommen, da auf dem Weg zur Kamera das Licht in alle möglichen Regenbogenfarben gebrochen wird.
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| Venus am 25. Mai |
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| Venus, länger belichtet |
Einfacher zu fotografieren ist da schon der Mond. Hier zunächst ein ebenfalls überbelichtetes Bild, dies macht jedoch auch seinen dunklen Teil sichtbar, in dem noch die Mondnacht herrscht. Diese ist nicht ganz schwarz, weil in diesem Teil das Erdlicht schimmert. Menschen dort auf dem Mond würden an ihrem Nachthimmel unseren blauen Planeten leuchten sehen. Die Erde erscheint dort etwa viermal größer als uns hier der Mond erscheint.
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| Mond mit Erdlicht am 25. Mai 2020 |
Hier noch zwei Mondbilder, die so belichtet wurden, dass auf ihnen verschiedene Krater zu sehen sind:
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| Mond-HDR am 25. Mai |
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| Mond-Panorama am 25. Mai 2020 |
Außerdem gab es auch noch einen Überflug der ISS zu sehen. Hier ein Bild, wie sie hinter meinem Haus in Richtung Osten sich schon wieder weit von Bad Lippspringe entfernt:
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| ISS über Bad Lippspringe |
Sonntag, 24. Mai 2020
Merkur und Venus am Abendhimmel
Hier einmal eine kleine Übersicht meiner Beobachtungen von Merkur und Venus in den letzten Tagen im Mai. Um insbesondere den lichtschwachen Merkur besser auffindbar zu machen, habe ich diesmal die beiden Planeten in meinen Bildern immer gekennzeichnet. Die genannten Untergangszeiten der Planeten beziehen sich immer auf den mathematischen Horizont. Dieser liegt etwas tiefer als die Hausdächer oder Bäume in meiner Nachbarschaft.
Am 18. Mai war für mich Merkur das erste Mal zu sehen:
Merkur war erst in der späteren Dämmerung, kurz vor seinem Untergang zu erkennen. Die Venus stand noch weit über ihm. Sie ging an diesem Tag erst um 23:35 Uhr unter, Merkur schon um 22:46 Uhr.
Dann folgte am 20. Mai wieder ein Foto:
Die Aufnahme entstand nur eine Viertelstunde später als zwei Tage zuvor. Der Abstand der beiden Planeten zueinander ist schon deutlich geringer geworden. Merkur hat etwa die gleiche Höhe über dem Horizont, aber die Venus steht schon deutlich tiefer, ihre Untergangszeit liegt bei 23:22 Uhr, die von Merkur bei 22:58 Uhr.
Hier ein Bild vom 21. Mai:
Der Abstand der beiden Planeten ist noch einmal kleiner geworden. Venus wird 23:15 Uhr untergehen, Merkur um 23:03 Uhr.
Am 22. Mai sollte dann die engste Begegnung von Merkur und Venus stattfinden, doch leider war der Himmel am Abend bedeckt:
Auch ein bewölkter Himmel kann spannend aussehen. Doch das wollte ich an diesem Abend natürlich gar nicht sehen. Beide Planeten wären heute um 23:08 Uhr untergegangen, sie hätten heute nur in einem Grad Abstand nebeneinander gestanden (das sind zwei Vollmondbreiten).
Würde es am 23. Mai besser sein? Auch hier war abends der Himmel zunächst stark bewölkt. Um 22 Uhr schauerte es sogar. Doch dann wurde es am Horizont noch einmal etwas heller. Und - Hurra! - noch während es aus den Wolken über mir regnete, konnte ich doch schon die Venus erkennen. Und kurz danach war es auch möglich, noch ein paar schnelle Fotos zu schießen:
Merkur ist jetzt schon deutlich an der Venus vorbei gezogen. Der Abstand beträgt heute schon wieder gut drei Grad. Jetzt geht die Venus vor Merkur unter, um 23:01 uhr, während Merkur noch bis 23:13 Uhr über dem mathematischen Horizont steht. Diese Tendenz setzt sich in den nächsten Tagen fort, dDie Untergänge der Venus finden immer früher statt. War sie im April noch bis nach Mitternacht am Himmel, so geht sie jetzt vor 23:00 Uhr unter, jeden Tag rund acht Minuten früher. Zwische Einbruch der Dunkelheit und ihrem Untergang liegt also eine immer kürzer werdende Zeitspanne, bis sie bald gar nicht mehr am Abendhimmel zu sehen sein wird. Merkur dagegen wird in den nächsten Tagen jeden Abend noch etwas höher am Himmel zu finden sein.
Hier noch ein Foto, dass den Planeten Merkur kurz vor seinem tatsächlichen Untergang von meinem Beobachtungsstandort zeigt.
Zum Zeitpunkt des Fotos befand sich der Planet tatsächlich noch zweieinhalb Grad über dem mathematischen Horizont.
Da fällt mir gerade ein, ich habe in der letzten Zeit noch gar kein größeres Bild der Venus gezeigt. Diese zeigte sich zuletzt sogar schon im kleinen Fernglas als wunderschöne Sichelgestalt. Ihre Sichel ist in den letzten Tagen immer schmaler geworden:
"Das sieht doch aus wie der Mond!" werden sie wahrscheinlich denken. Wieso zeigt die Venus denn eine solche Phase?
Das ist zum Glück einfach zu erklären. Als Galileo Galilei mit seinem Fernrohr diese Phasen der Venus entdeckte, war dies für ihn ein weiterer Beweis, das nicht die Sonne und die Planeten die ruhende Erde umkreisen, wie es vor Jahrhunderten Aristoteles und Ptolomäus behauptet hatten, sondern dass alle Planeten die Sonne umlaufen.
Hier einmal "von oben betrachtet" die Positionen der sogenannten "inneren" Planeten unseres Sonnensystems ((c)heavens-above.com):
In dieser Darstellung ist die Sonne der helle gelbe Punkt in der Mitte der Bilder, Planet Merkur ist grün gezeichnet, die Venus in weiß und die Erde in blau. Mars ist der rote Planet. Wenn man die beiden Bilder genau vergleicht (am besten in der größeren Darstellung, dafür auf das Bild klicken), kann man erkennen, das sich die Planeten auf ihrer Bahn um die Sonne vom 18. zum 23. Mai ein wenig gegen den Uhrzeigersinn bewegt haben. Dies fällt am besten beim schnellsten Planeten, dem Götterboten Merkur auf.
Die Venus steht schon fast genau zwischen der Erde und der Sonne. Da sie uns gerade besonders nah ist, erscheint sie uns auch besonders groß. Wir blicken jedoch (ähnlich wie bei einer schmalen Mondsichel) zur Zeit mehr auf ihre von der Sonne nicht beleuchtete Rückseite, daher die ausgeprägte Phasengestalt. Schon am dritte Juni wird die Venus genau zwischen Erde und Sonne stehen, die Astronomen nennen das dann "untere Konjunktion". Dann haben wir praktisch "Neu-Venus". An diesem Tag wechselt dann übrigens die Venus auch vom "Abendstern" zum "Morgenstern". Zur Zeit steht sie - von der Erde aus gesehen - noch links von der Sonne, also weiter östlich. Sie folgt am Himmel der Sonne nach, geht also später als die Sonne unter und ist dadurch Abendstern. Nach dem 3. Juni wird sie, von der Erde aus gesehen, rechts von der Sonne stehen. Sie wird also vor der Sonne aufgehen, wird also Morgenstern. Doch bis wir das gut beobachten können werden noch ein paar Tage vergehen, etwa ab Mitte Juni wird das möglich sein. Zunächst zeigt die Venus dann wieder eine wunderschöne große Sichelgestalt. Später im Jahr wandert sie dann immer weiter neben bzw. sogar hinter die Sonne. Sie wird dann kleiner und dabei immer runder. Bis zu Beginn des nächsten Jahres wird sie uns als Morgenstern erfreuen.
Merkur steht zur Zeit von der Erde aus gesehen noch eher hinter der Sonne, also von der Erde recht weit entfernt. Im Fernrohr zeigt er sich daher nur als unscheinbarer kleiner runder Punkt. Er rückt jedoch auch in den kommenden Tagen immer weiter nach vorne und wird ebenfalls eine Sichel entwickeln. Da er jedoch kleiner ist als die Venus und der Erde auch lange nicht so nahe kommt wie diese, wird diese Entwicklung längst nicht so spektakulär und ist auch viel schwieriger zu beobachten. Seine nächste untere Konjunktion erreicht er übrigens am 1. Juli 2020.
Am 18. Mai war für mich Merkur das erste Mal zu sehen:
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| Merkur und Venus am 18. Mai um 22:12 Uhr |
Merkur war erst in der späteren Dämmerung, kurz vor seinem Untergang zu erkennen. Die Venus stand noch weit über ihm. Sie ging an diesem Tag erst um 23:35 Uhr unter, Merkur schon um 22:46 Uhr.
Dann folgte am 20. Mai wieder ein Foto:
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| Venus und Merkur am 20. Mai um 22:27 Uhr |
Die Aufnahme entstand nur eine Viertelstunde später als zwei Tage zuvor. Der Abstand der beiden Planeten zueinander ist schon deutlich geringer geworden. Merkur hat etwa die gleiche Höhe über dem Horizont, aber die Venus steht schon deutlich tiefer, ihre Untergangszeit liegt bei 23:22 Uhr, die von Merkur bei 22:58 Uhr.
Hier ein Bild vom 21. Mai:
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| Merkur und Venus am 21. Mai um 21:54 Uhr |
Am 22. Mai sollte dann die engste Begegnung von Merkur und Venus stattfinden, doch leider war der Himmel am Abend bedeckt:
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| Bewölkter Abendhimmel am 22. Mai |
Würde es am 23. Mai besser sein? Auch hier war abends der Himmel zunächst stark bewölkt. Um 22 Uhr schauerte es sogar. Doch dann wurde es am Horizont noch einmal etwas heller. Und - Hurra! - noch während es aus den Wolken über mir regnete, konnte ich doch schon die Venus erkennen. Und kurz danach war es auch möglich, noch ein paar schnelle Fotos zu schießen:
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| Merkur und Venus am 23. Mai um 22:27 Uhr |
Hier noch ein Foto, dass den Planeten Merkur kurz vor seinem tatsächlichen Untergang von meinem Beobachtungsstandort zeigt.
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| Merkuruntergang um 22:51 Uhr |
Da fällt mir gerade ein, ich habe in der letzten Zeit noch gar kein größeres Bild der Venus gezeigt. Diese zeigte sich zuletzt sogar schon im kleinen Fernglas als wunderschöne Sichelgestalt. Ihre Sichel ist in den letzten Tagen immer schmaler geworden:
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| Sichelgestalt der Venus am 21. Mai |
"Das sieht doch aus wie der Mond!" werden sie wahrscheinlich denken. Wieso zeigt die Venus denn eine solche Phase?
Das ist zum Glück einfach zu erklären. Als Galileo Galilei mit seinem Fernrohr diese Phasen der Venus entdeckte, war dies für ihn ein weiterer Beweis, das nicht die Sonne und die Planeten die ruhende Erde umkreisen, wie es vor Jahrhunderten Aristoteles und Ptolomäus behauptet hatten, sondern dass alle Planeten die Sonne umlaufen.
Hier einmal "von oben betrachtet" die Positionen der sogenannten "inneren" Planeten unseres Sonnensystems ((c)heavens-above.com):
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| 18. Mai 2020 |
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| 23. Mai 2020 |
In dieser Darstellung ist die Sonne der helle gelbe Punkt in der Mitte der Bilder, Planet Merkur ist grün gezeichnet, die Venus in weiß und die Erde in blau. Mars ist der rote Planet. Wenn man die beiden Bilder genau vergleicht (am besten in der größeren Darstellung, dafür auf das Bild klicken), kann man erkennen, das sich die Planeten auf ihrer Bahn um die Sonne vom 18. zum 23. Mai ein wenig gegen den Uhrzeigersinn bewegt haben. Dies fällt am besten beim schnellsten Planeten, dem Götterboten Merkur auf.
Die Venus steht schon fast genau zwischen der Erde und der Sonne. Da sie uns gerade besonders nah ist, erscheint sie uns auch besonders groß. Wir blicken jedoch (ähnlich wie bei einer schmalen Mondsichel) zur Zeit mehr auf ihre von der Sonne nicht beleuchtete Rückseite, daher die ausgeprägte Phasengestalt. Schon am dritte Juni wird die Venus genau zwischen Erde und Sonne stehen, die Astronomen nennen das dann "untere Konjunktion". Dann haben wir praktisch "Neu-Venus". An diesem Tag wechselt dann übrigens die Venus auch vom "Abendstern" zum "Morgenstern". Zur Zeit steht sie - von der Erde aus gesehen - noch links von der Sonne, also weiter östlich. Sie folgt am Himmel der Sonne nach, geht also später als die Sonne unter und ist dadurch Abendstern. Nach dem 3. Juni wird sie, von der Erde aus gesehen, rechts von der Sonne stehen. Sie wird also vor der Sonne aufgehen, wird also Morgenstern. Doch bis wir das gut beobachten können werden noch ein paar Tage vergehen, etwa ab Mitte Juni wird das möglich sein. Zunächst zeigt die Venus dann wieder eine wunderschöne große Sichelgestalt. Später im Jahr wandert sie dann immer weiter neben bzw. sogar hinter die Sonne. Sie wird dann kleiner und dabei immer runder. Bis zu Beginn des nächsten Jahres wird sie uns als Morgenstern erfreuen.
Merkur steht zur Zeit von der Erde aus gesehen noch eher hinter der Sonne, also von der Erde recht weit entfernt. Im Fernrohr zeigt er sich daher nur als unscheinbarer kleiner runder Punkt. Er rückt jedoch auch in den kommenden Tagen immer weiter nach vorne und wird ebenfalls eine Sichel entwickeln. Da er jedoch kleiner ist als die Venus und der Erde auch lange nicht so nahe kommt wie diese, wird diese Entwicklung längst nicht so spektakulär und ist auch viel schwieriger zu beobachten. Seine nächste untere Konjunktion erreicht er übrigens am 1. Juli 2020.
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