Mein Sternfreund Christoph Gerber machte mich im AKM-Forum auf eine interessante Planetenkonstellation in dieser Woche aufmerksam. In dieser Woche stehen Venus und Mars in Konjunktion mit der Sonne, also von der Erde aus gesehen genau hinter der Sonne. (Ich schrieb dazu in meiner Wochenübersicht, das lässt sich nicht beobachten.) Und Jupiter befindet sich in Opposition zur Sonne, also von der Erde aus gesehen, genau gegenüber zur Sonne.
Das bedeutet, vier Planeten stehen praktisch auf einer Linie über die Sonne hinweg, also Jupiter - Erde - Sonne - Venus - Mars.
Man kann diese seltene Aufreihung der Planeten jedoch mit geeigneten technischen Hilfsmitteln gut beobachten! Das man Jupiter während der Opposition am Nachthimmel - sofern keine Wolken im Weg sind - gut beobachten kann ist logisch.
Die Venus und der Mars lassen sich jedoch mit Hilfe des SOHO-Satelliten in diesen Tagen ebenfalls gut beobachten. Der Satellit blendet mit Hilfe eines Koronografen die helle Sonnenscheibe aus, so dass sogar schwächere Sterne links und rechts neben der Sonne sichtbar werden und helle Planeten natürlich auch.
Hier ein Bild, das bereits im Dezembetr auf der Webseite von spaceweather.com veröffentlicht wurde:
Die NASA veröffentlich regelmäßig die neuesten Bilder des sich bereits seit über 30 Jahren im All befindlichen SOHO-Satelliten. Nicht nur als Einzelbilder, sondern auch als Zeitraffer. Das aktuellste Video finden Sie hinter diesem Link. Aber achten Sie darauf, dass die Venus von rechts nach links ziehend schon am 2. Januar hinter dem Koronografen verschwindet. Mars von links nach rechts ziehend verschwindet wohl am 4. Januar dahinter. Etwas "näher" kommt man mit einer anderen Kamera von SOHO, mit dem LASCO C2-Experiment. Auch hier das jeweils aktuellste Video. Auch hier verschwindet die Venus gerade hinter dem Koronographen, Mars ist am 2.1. gerade erst in das Gesichtsfeld gezogen. Hier noch ein Link zu einem etwas älteren Video aus dem Dezember 2025.
Doch wieso laufen die Planeten in diesem Video in entgegengesetzte Richtung? Sollten nicht alle großen Planeten beim Umlauf um die Sonne in die gleiche Richtung laufen?
Keine Sorge! Das tun sie tatsächlich auch. Es handelt sich hier einmal mehr um einen rein perspektivischen Effekt, bei dem wir auch die Eigenbewegung der Erde um die Sonen berücksichtigen müssen. In dem obigen Bild gilt: Objekte, die rechts von der Sonne stehen, laufen ihr von der Erde aus gesehen voraus, sind also am Morgenhimmel vor Sonnenaufgang zu sehen und Objekte, die links von der Sonne stehen, bewegen sich ihr nach, sind also am Abendhimmel zu sehen. ("Im Prinzip", denn tatsächlich sind alle Objeke, die so nahe bei der Sonne stehen wie auf diesen Bildern natürlich nicht zu sehen).
Wenn man ganz genau sich das Video anschaut, kann man erkennen, dass auch der Mars sich - bezogen auf die Sterne im Hintergrund - langsam von rechts nach links bewegt, also in die gleiche Richtung sich bewegt, wie es auch die Venus tut. Auch die Sonne bewegt sich vor dem Hintergrund der Sterne von rechts nach links (oder andersherum: Die Sterne im Hintergrund bewegen sich immer von links nach rechts). Dies liegt einfach an der Bahn der Erde um die Sonne herum.
Und jetzt kommen die Keplerschen Gesetze zur Bewegung der Planeten um die Sonne ins Spiel: Je weiter entfernt ein Planet von der Sonne entfernt ist, desto langsamer bewegt er sich auf seine Bahn um die Sonne. Die Venus ist von den hier betrachteten Planeten der Innerste, bewegt sich also am schnellsten, dadurch kann die Venus die Sonne scheinbar auf ihrer Bahn vor dem Hintergrund der Sterne überholen, denn die Geschwindigkeit, mit der die Sonne sich scheinbar vor den Sternen bewegt, wird ja durch die Erde bestimmt. Und so kann die Sonne dann scheinbar auch den Mars überholen.
Praktisch bedeutet dies für uns, dass die Venus schnell auf die "Abendseite" der Sonne wechselt, also bald (im Frühjahr) als Abendstern glänzen wird. Mars dagegen wechselt zunächst auf die Morgenseite der Sonne, da wird es dann noch eine ganze Weile dauern, bis er auch an unserem Abendhimmel wieder zu sehen sein wird (November/Dezember 2026).
Doch zurück zu unser Aufreihung von gleich vier Planeten. Christoph Gerber weist in seinem Beitrag darauf hin, dass vom Jupiter aus gesehen, zum Oppositionszeitpunkt die Erde sogar genau vor der Sonne steht, es kommt also zu einem "Erd-Transit". Und nicht nur das, der Jupitermond Callisto umkreist seinen Mutterplaneten gerade so, dass auch er dann in einer Linie mit der Sonne und der Erde steht.
Manchmal möchte ich wirklich gerne mit einem Raumschiff durchs Weltall gleiten, um all diese Effekte und Konstellation live mitzuerleben.