Freitag, 8. Juli 2022

Der Krallennebel oder der schwarze Skorpion - eine Dunkelwolke am Sternenhimmel

 Am Himmel leuchten nicht nur helle Sterne. es gibt dort auch Gegenden, da sieht man nichts. Und auch dies kann spannend sein.

Der amerikanische Astronom Edward Barnard (*1857, +1923) war ein erster Meister der Astrofotografie, er stellte einen Katalog von  349 Dunkelwolken zusammen.

Hier einmal eine von vielen solcher Dunkelwolken, die mir in den letzten Tagen am Himmel so aufgefallen waren:

Die Dunkelwolke B 84 im Sternbild Schütze

 Falls Sie selbst den Ausschnitt dieser Fotografie mit einem Sternenatlas vergleichen wollen. habe ich hier ein paar hellere Sterne über die Webseite "nova.astrometry.net" markieren lassen.

Markiert wurde auch der Kugelsternhaufen NGC 6440, der 1786 von William Herschel entdeckt wurde. NGC 6440 ist 27700 Lichtjahre von uns entfernt. Oben links hat astrometry.net auch noch NGC 6445 markiert, ein kleiner planetarischer Nebel, der jedoch ohne die Beschriftung im Originalbild (siehe unten)  besser zu erkennen ist.

Die Dunkelwolke B 84 ist besonders gut im Dreieck zwischen den Sternen HD 161557, HD 161326 und HD 161504 zu erkennen. Sie erinnert mich ein wenig an die Krallen eines Vogelfußes oder an ein gefährliches Monster. Im englischen wird diese Dunkelwolke auch "The Claw Nebula" ("Der Krallennebel") oder "The Dark Scorpion" (Der schwarze Skorpion") genannt.

Es handelt sich um eine dichte interstellare Wolke, die das Licht von dahinter liegenden Objekten wie Sternen oder hellen Nebeln verdunkelt. Diese dunklen Wolken enthalten winzige Staubpartikel, die mit gefrorenem Kohlenmonoxid und Stickstoff überzogen sind und den Durchgang des Lichts im sichtbaren Wellenlängenbereich effektiv blockieren.

Hier noch einmal das gleiche Bild ohne Beschriftung:

 


B 84, aufgenommen am 3.7.2022 um 0:29 mit Vaonis Vespera, Gesamtbelichtungszeit 6:30 Minuten, 39 Bilder gestacked.


Donnerstag, 7. Juli 2022

12. Juli 2022: Die ersten Bilder des James Webb Teleskops

**** Update 9. Juli ****

 Die NASA hat die Liste der ausgewählten Bilder/Objekte bekannt gegeben, die am Dienstag gezeigt werden sollen: https://www.nasa.gov/feature/goddard/2022/nasa-shares-list-of-cosmic-targets-for-webb-telescope-s-first-images

  • Carina Nebula. The Carina Nebula is one of the largest and brightest nebulae in the sky, located approximately 7,600 light-years away in the southern constellation Carina. Nebulae are stellar nurseries where stars form. The Carina Nebula is home to many massive stars, several times larger than the Sun.
  • WASP-96 b (spectrum). WASP-96 b is a giant planet outside our solar system, composed mainly of gas. The planet, located nearly 1,150 light-years from Earth, orbits its star every 3.4 days. It has about half the mass of Jupiter, and its discovery was announced in 2014.
  • Southern Ring Nebula. The Southern Ring, or “Eight-Burst” nebula, is a planetary nebula – an expanding cloud of gas, surrounding a dying star. It is nearly half a light-year in diameter and is located approximately 2,000 light years away from Earth.
  • Stephan’s Quintet: About 290 million light-years away, Stephan’s Quintet is located in the constellation Pegasus. It is notable for being the first compact galaxy group ever discovered in 1877. Four of the five galaxies within the quintet are locked in a cosmic dance of repeated close encounters. 
  • SMACS 0723: Massive foreground galaxy clusters magnify and distort the light of objects behind them, permitting a deep field view into both the extremely distant and intrinsically faint galaxy populations.

(Die in die Liste eingefügten Links zu deutschsprachigen Quellen habe ich eingefügt)

 ******* Original-Posting vom 7. Juli **************

 Am 12. Juli ist es endlich soweit. Die ersten Bilder des James Webb Teleskops werden der Öffentlichkeit vorgestellt. Dies passiert am Nachmittag zu unserer Mitteleuropäischen Sommerzeit in parallelen Livestreams von NASA und ESA. Anschließend am Abend des 12. Juli gibt es an vielen Sternwarten oder Planetarien weltweit weitere ausführliche Informationen zu diesen Bildern.

Sie können die Präsentation auch hier in meinem Blog live miterleben. Dazu brauchen Sie nur zur richtigen Zeit die hier vorgstellten YouTuvbe-Links zu aktivieren.

Die ESA beginnt mit einer Übertragung auf ihrem Web-TV-Kanal bereits um 16:00 Uhr: https://www.esa.int/ESA_Multimedia/ESA_Web_TV

Die NASA zeigt ihre Präsentation um 16:30 Uhr unter anderem auf YouTube:

 

Diese Übertragung wird sicherlich in englischer Sprache erfolgen. Wenn Sie lieber eine Erläuterung der Bilder in deutscher Sprache haben wollen, empfehle ich Ihnen um 20 Uhr die Übertragung einer Veranstaltung aus dem Haus der Astronomie in Heidelberg.

In dieser Veranstaltung werden Forschende des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) die Bilder erklären und sie das jeweilige Themengebiet mit einer Reihe von Kurzvorträgen einordnen. HdA-Mitarbeiter Markus Nielbock wird den Abend moderieren. Zu Beginn soll nochmals das James Webb Teleskop vorgstellt werden und es wird erläutert, inwiefern das MPIA sowohl wissenschaftlich als auch technologisch an diesem neuen Weltraumteleskop beteiligt ist:


 An dieser Veranstaltung in Heidelberg möchte ich selbst teilnehmen, vielleicht schaffe ich es, Ihnen später davon ebenfalls in diesem Blog zu berichten.

Im Internet finden Sie HInweise auf viele weitere Veranstaltungen. Die Planetarien in Bochum, Münster oder Osnabrück wollen ebenfalls am Abend die Bilder erläutern.

Sonntag, 3. Juli 2022

4.-10. Juli 2022: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche erreicht der Mond am Donnerstag das Erste Viertel. Er steht nur wenig über dem Horizont, ist aber trotzdem ein lohnendes Ziel für den ersten Teil der Nacht. Von den hellen Planeten geht Saturn als erster schon vor Mitternacht im Südosten auf. Danach folgt Jupiter um ca. 1:00 Uhr, Mars um ca. 1:45 Uhr und später geht auch noch die Venus gegen 3:45 Uhr im Osten auf. Die ISS ist bei vielen morgendlichen Überflügen sichtbar.

Am Montag, den 4. Juli, geht die Sonne um 5:12 Uhr auf und um 21:45 Uhr unter. Noch ist der Rückgang der Tageslänge kaum zu spüren, gegenüber dem letzten Montag sind das gerade mal 7 Minuten. Der Mond ist am Abend zu 23 Prozent beleuchtet. Er geht erst deutlich nach Mitternacht um 0:41 Uhr unter. Die ISS tritt  bereits um 2:35 Uhr in der Nähe von Saturn aus dem Erdschatten heraus und fliegt dann schnell nach Osten. Beim nächsten Überflug ist sie zwischen 4:09 Uhr und 4:17 Uhr fliegt sie von West nach Ost über den kompletten Himmel und erreicht eine maximale Höhe von 67° Grad im Süden.

Am Dienstag, den 5. Juli, fliegt die ISS um 1:50 Uhr haarscharf an Jupiter vorbei. Bei ihrem nächsten Überflug zwischen 3:22 Uhr und 3:29 Uhr erreicht sie maximal eine Höhe von 53° Grad. Der Mond ist am Abend zu 38 Prozent beleuchtet. Bereits um 22:06 Uhr kommt es zu einer Bedeckung eines 5,4mag hellen Sterns (7 Vir), wahrscheinlich ist es jedoch selbst für das Teleskop noch viel zu hell, um diese Bedeckung zu beobachten.

Am Mittwoch, den 6. Juli, ist die ISS auch wieder zweimal zu sehen. Um 2:35 Uhr zeigt sie sich im Süden und fliegt schnell nach Osten weiter, zwischen 4:08 Uhr und 4:17 Uhr fliegt sie dann mit 87° Grad Höhe fast genau über unsere Stadt hinweg. Der Mond ist am Abend zu 48 Prozent beleuchtet, er zeigt maximale Libration in Länge, das Mare Crisium steht nahe am Rand. Kleinplanet (14) Irene steht heute in Opposition zur Sonne.

Am Donnerstag, den 7. Juli, ist die ISS um 1:50 Uhr herum kurz im Südosten zu sehen. Beim Überflug zwischen 3:21 Uhr und 3:29 Uhr erreicht sie gut 73° Grad Höhe über dem Horizont. Um 4:14 erreicht der Mond exakt das Erste Viertel, dann steht er jedoch bei uns unter dem Horizont. Am Abend steht der Mond unweit von Spica in der Jungfrau, später lässt sich ab ca. 0:50 Uhr vielleicht noch der sog. Hesiodus-Strahl beobachten, allerdings geht der Mond schon eine halbe Stunde später unter.

Am Freitag, den 8. Juli,  kann die ISS sogar dreimal  beobachtet werden. Um 1:02 Kurz in der Nähe des frisch aufgegangenen Jupiter, beim Überflug zwischen 2:34 Uhr und 2:41 Uhr in maximal 66° Grad Höhe und zwischen 4:07 Uhr und 4:18 Uhr fliegt sie ein weiteres Mal in dieser Woche fast genau über unsere Stadt hinweg. Der Mond ist abends zu 69 Prozent beleuchtet.

Am Samstag, den 9. Juli,  fliegt die ISS zwischen 1:47 Uhr und 1:52 Uhr in maximal 51° Grad über unseren Nachthimmel hinweg, ein weiteres Mal zwischen 3:19 Uhr und 3:29 Uhr, um  3h:24m:18s fliegt sie dabei exakt über unsere Stadt hinweg. Der Mond ist am Abend zu 79 Prozent beleuchtet.

Am Sonntag, den 10. Juli,  ist die ISS gegen 1:00 Uhr kurz im Südosten zu sehen, beim nächsten Überflug zwischen 2:33 Uhr und 2:41 Uhr fliegt sie fast genau über unsere Stadt hinweg (86° Grad Höhe) und zwischen 4:09 Uhr und 4:18 Uhr fliegt sie noch einmal in maximal 71° Grad Höhe über unseren aufgehellten Himmel in der Morgendämmerung hinweg. Der zu 88 Prozent beleuchtete Mond steht am Abend im Sternbild Skorpion recht nahe bei Antares. Um 22:56 Uhr kommt es zu einer Bedeckung eines 4,5mag hellen Sterns (19 Sco), auch diese Sternbedeckung wird in der Dämmerung nur schwer zu verfolgen sein.

Samstag, 2. Juli 2022

1. Juli 2022: Ein paar Impressionen aus der Nacht

 Am Freitagabend, 1. Juli 2022, sollte der Himmel klar sein. Leider zogen doch immer wieder Wolken durch. So musste ich immer wieder mal die Beobachtungsrichtung ändern, neue Ziele suchen. Entspannend war das nicht so wirklich, aber ich denke, Spaß gemacht hat es trotzdem. Einige Fotos sind mir unter den nicht optimalen Bedingungen doch so gelungen, dass ich sie hier zeigen möchte. Da hat die Vespera-Beobachtungsstation schon einen klaren Vorteil: durch das Live-Stacking hat man schnell ein anschaubares Bild zur Hand. Bilder, die ich in dieser Nacht an meinem großen Teleskop parallel mache, muss ich erst anschließend noch "entwickeln". Also die Einzelbilder von der Kamera auf den PC kopieren, durch die Stacking-Software laufen lassen, mit guter Bildbearbeitungssoftware nachbearbeiten usw. Vorher natürlich nicht Flats und Darks vergessen. 

Doch ich will nicht lamentieren, sondern einfach ein paar Bilder zeigen.

Zunächst der Mond, als schmale Sichel noch in der Abenddämmerung gegen 22 Uhr fotografiert:

Der Mond am 1.7.22 um 22:15 MESZ

 Das Foto entstand mit meinem Spektiv und einer Kleinbildkamera. Dann wurde es langsam dunkel und meine Vespera kam zum Einsatz:

Kugelseternhaufen M3

Dieses Bild vom Kugelsternhaufen M3 war das erste heute Abend. Die ersten drei Ziele (NGC4490, NGC5907 und M5) waren für das Vespera noch nicht zu erreichen, da war es entweder noch zu hell, oder es scheiterte an durchziehenden Wolken. Doch dann hatte ich etwas mehr Glück.

Als nächstes habe ich das Galaxienpaar M81/M82 fotografiert:

M81 (unten) und M82 (oben rechts) / 120 Einzelbilder


Zur Abwechslung hier ein kleiner Sternenhaufen, NGC 6712:

NGC 6712 (15 Minuten belichtet)


Und schließlich den Schwanennebel:

M17, der Schwanennebel oder auch Omeganebel genannt


Dieses Bild müsste man eigentlich um 180° Grad drehen, um den Schwan richtig herum zu sehen. Für mich ist dieser Nebel einer der schönsten am Nachthimmel. An dunklen Orten ist er schon im Fernglas gut zu erkennen. Das Bild wurde eine halbe Stunde belichtet, es ist also aus 180 Einzelbilder gestackt worden.

Den Schwanennebel habe ich parallelauch mit meinem großen Teleskop fotografiert. An mein Celestron C8 habe ich eine Vollformatkamera angeschlossen (Canon EOS RP). Diese Bilder muss ich natürlich erst noch von der Speicherkarte holen. Da diese Kamera nicht astromodifiziert ist, wird hier der Schanennebel sicherlich nicht so farbig aussehen. Die Kamera in der Vespera ist da sicherlich deutlich rotempfindlicher alses der Chip in der Canon Kamera ist.

Zusätzlich habe ich mit einer weiteren Kamera noch ganz ohne Teleskop Übersichtsbilder der Himmelsregionen fotografert, in der ich die oben abgebildeten Objekte so ungefähr fotografiert habe. Ob es mit wohl gelingt, aus allen drei Kameras am Ende brauchbare Bilder zu bekommen?Dummerweise habe ich nicht wirklich aufgepasst, und die Speicherkarte der Canon am C8 ist vollgelaufen. Mal sehen, wieviele brauchbare Aufnahmen ich dort tatsächlich noch geschafft habe. Ich werde dsrüber in den kommenden Tagen berichten.

Ein paar mehr Fotos und Beobachtungen habe ich noch gemacht, diesen Text habe ich praktisch "nebenbei" geschrieben. Doch jetzt (2:15 Uhr) will auch ich so langsam ins Bett.

Montag, 27. Juni 2022

30. Juni: Asteroid Day, Internationaler Asteroidentag

 Diesen Donnerstag, den 30. Juni 2022, ist der Tag der Asteroiden!

Ein offizieller, durch die UN anerkannter Gedenktag. Informationen über die Enstehung dieses Tages findet man zum Beispiel bei Wikipedia, in einer älteren Pressemitteilung der ESA von 2016, oder auch einem Beitrag des MDR vom letzten Jahr.

In diesem Jahr wird der internationale Asteroidentag hauptsächlich in Luxemburg begangen. Von dort wird ein großes, ausführliches Programm ins Internet zum Beispiel über YouTube gestreamt.

Dieses Programm wird sicherlich in englischer Sprache sein. Deshalb erlaube ich mir hier, ein nettes Erklärvideo meines amerikanischen Astrofreundes  Phil Plait aus Boulder, Colorado, zu verlinken, in dem er in 15 Minuten nicht nur die Bedeutung des Asteroidentages erklärt, sondern auch den Unterschied zwischen uns Menschen und den Dinosauriern auf den Punkt bringt.

 


 Viel Spaß beim Schauen!


 

Sonntag, 26. Juni 2022

27. Juni - 3. Juli 2022: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche haben wir Neumond. Die Nächte eignen sich also gut zur Beobachtung lichtschwacher Objekte am Himmel. An wirklich dunklen Orten sollte man gut die Milchstraße erkennen können. Die hellen Planeten sind alle nur am Morgenhimmel zu finden, und leider meist auch nur flach über dem Horizont im Osten oder Südosten. Saturn geht als erster kurz nach Mitternacht auf, gefolgt von Jupiter (Aufgang ca. 1:30 Uhr) und Mars (2:00). Später (gegen 3:45) kommt dann auch noch die Venus hinzu. Und Spezialisten können vielleicht sogar ab ca. 4:15 Uhr auch noch Merkur finden. Auch die ISS ist wieder bei morgendlichen Überflügen zu sehen.

Am Montag, den 27. Juni, geht die Sonne um 5:08 Uhr auf und um 21:48 Uhr unter. "Astronomisch dunkel" wird es erst wieder in ein paar Wochen, da die Sonne in dieser Woche maximal nur 15° Grad unter den Horizont sinkt. Die schmale nur zu 4 Prozent beleuchtete Mondsichel geht um 3:31 Uhr auf, wird aber in der Morgendämmerung kaum noch zu finden sein.

Am Dienstag, den 28. Juni, wandert zwischen 1:50 Uhr und 4:28 Uhr der Schatten von Jupitermond Europa vor der Planetenscheibe entlang. In der Frühe zwischen 4:10 Uhr und 4:14 Uhr ist die ISS erstmals wieder tief im Südosten in maximal 11° Grad Höhe bei einem Überflug zu erkennen. Gegen 22:38 Uhr kann vielleicht die chinesische Raumstation Tiangong im Süden am  Abendhimmel beim Durchfliegen des Skorpions beobachtet werden.

Am Mittwoch, den 29. Juni, erreicht der Mond um 4:52 Uhr seine exakte Neumondposition.

Am Donnerstag, den 30. Juni, ist in der Frühe zwischen 4:9 Uhr und 4:15 Uhr die ISS im Südosten in maximal 22° Grad Höhe bei einem Überflug zu erkennen. Sie fliegt knapp unterhalb der Planeten Saturn - Jupiter - Mars ihre Bahn. Um 23:20 Uhr geht die nur zu 3 Prozent beleuchtete Mondsichel unter, ob sie schon zu finden sein wird? Außerdem ist heute "Asteroid Day"!

Am Freitag, den 1. Juli, ist in der Frühe zwischen 3:22 Uhr und 3:27 Uhr die ISS tief im Südosten in maximal 16° Grad Höhe bei einem Überflug zu erkennen. Am Abend sollte der Mond erstmals nach Neumond wieder am Abendhimmel sichtbar sein. Seine zu 7 Prozent beleuchtete Sichel geht erst gegen 23:45 Uhr unter.

Am Samstag, den 2. Juli, ist die ISS einmal gegen 2:36 tief im Südosten kurz zu sehen. Zwischen 4:08 Uhr und 4:16 Uhr fliegt die ISS in maximal 41° Grad Höhe oberhalb der Planeten über unseren Morgenhimmel hinweg. Am Abend geht der zu 12 Prozent beleuchtete Mond erst kurz nach Mitternacht (0:10 Uhr Sonntag) unter. Er zeigt maximale Libration in Breite, so dass wir auf seinen Südpol schauen können.

Am Sonntag, den 3. Juli, fehlt bei Jupiter nach seinem Aufgang zunächst Mond Io. Dieser wandert bis 3:07 Uhr vor der Planetenscheibe vorüber. Ios Schatten ist bis 1:45 Uhr vor der Jupiterscheibe zu sehen. Die ISS fliegt zwischen 3:21 Uhr und 3:27 Uhr etwas oberhalb von Jupiter, aber knapp unterhalb von Mars über unseren morgendlichen Nachthimmel hinweg. Abends steht die schon zu knapp 20 Prozent beleuchtete Mondsichel im Sternbild Löwe.Er geht am Montag gegen 0:30 Uhr unter.

Freitag, 24. Juni 2022

24. Juni 2022: Unser nächster (sichtbare) Nachbar - Barnards (Pfeil)Stern

 Beim Durchblättern des neuen Karkoschka (Karte E17) fiel mir der Hinweis auf "Barnards (Pfeil)Stern" auf. Dies ist der uns nächstgelegene Stern, der von Mitteleuropa aus zu beobachten ist. Er ist 5,9 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Die Komponenten des Mehrfachsystem Alpha Centauri stehen uns mit 4,2 Lichtjahren Entfernung zwar noch näher, sind aber nur von der Südhalbkugel der Erde aus zu beobachten.

Der Stern ist leider nur 9,5mag hell, also nur in Teleskopen zu beobachten und von daher lange nicht so populär wie andere Sterne. Er zeichnet sich jedoch durch einen weiteren Rekord aus: Es ist der Stern mit der größten von uns zu sehenden Eigenbewegung. Er verändert seine Position am Nachthimmel in jedem Jahr um rund 10 Bogensekunden. Das ist schon sehr kräftig. Auf Wikipedia gibt es dazu eine schöne fotografische Animation.

Grund genug für mich, auch einmal ein Foto zu wagen:

Barnards Stern, 18. Juni 2022

Auf diesem Foto ist zunächst nichts Spektakuläres zu erkennen. Wenn die Koordinaten, die ich für den Stern eingegeben hatte, stimmen, sollte es sich um den etwas helleren Stern in der Mitte des Bildes handeln.

Um den genauen Ausschnitt dieses Fotos zu bestätigen, habe ich das Bild auf der Website astrometry.net hochgeladen und bekam von dort dieses Ergebnis zurück:

Mein Bild nach der Auswertung bei astrometry.net

Upps, ich war doch etwas überrascht, das der Stern in der Mitte nicht markiert wurde, sondern Barnards Stern sich etwas unterhalb befinden sollte? Aber da war doch gar kein Stern?

Also habe ich mich etwas näher mit dieser Gegend beschäftigt und verschiedene Sternkarten zurate gezogen. Für die markierten Sterne (HD xxxxx) ließen sich recht schnell die Helligkeiten ermitteln. Diese liegen meisten zwischen 8,0 und 9,0 mag. Zwei kleine Sternfiguren fallen auf dem Bild ebenfalls auf, das kleine auf der Seite liegende "V" etwas rechts unterhalb von Barnards Stern und das längliche Fünfeck auf gleicher Höhe, aber mehr links im Bild. Hier liegen die Helligkeiten der Sterne etwa bei 10mag und schwächer.

Also kann Barnards Stern wirklich nur der etwas hellere Stern in der Bildmitte sein. Alles andere würde nicht wirklich passen.

Hier noch einmal das Bild von astrometry.net, jetzt zusätzlich mit Sternhelligkeiten und einer roten Markierung für Barnards Stern versehen:

Barnards Stern (die frei stehende "89" gehört zu HD163842, sorry!)

Letzten Endes ist die kleine Abweichung bei astrometry.net jedoch nicht sehr überraschend. Man muss bei einem Stern mit einer solch starken Eigenbewegung schon immer ganz genau aufpassen, von wann die jeweils hinterlegten Daten stammen oder wann z.B. ein Vergleichsfoto erstellt wurde. 

Ich bin gespannt, ob mir in ein oder zwei Jahren erneut ein Foto von diesem Stern gelingt. Mal sehen, was dann der Vergleich mit diesem Bild vom 18. Juni 2022 zeigt.