Freitag, 2. Dezember 2022

26. November 2022: Komet 29P/Schwassmann-Wachmann 1

 Zur Zeit ist am Himmel auch der Komet 29P/Schwassmann-Wachmann 1 zu beobachten. Dieser wurde vor 98 Jahren am 15. November 1925 von Friedrich Schwassmann und  Arthur Wachmann an der Hamburger Sternwarte in Bergedorf entdeckt. Der Komet bewegt sich auf einer Bahn zwischen Jupiter und Neptun in ca. 14 Jahren um die Sonne. Er macht immer mal wieder von sich reden, da er interessante Helligkeitsausbrüche zeigt.

So einen Ausbruch auf 11mag hatte dieser Komet zuletzt vor einigen Tagen, deshalb kam er gleich mal auf meine Beobachtungsliste. Er zeigt jedoch, anders als C/2022 E3 ZTF, keinen Schweif, sondern nur eine vergrößerte "Koma".

Am 26. November 2022 gelang mir gegen 22:30 MEZ dieses 10 Minuten lang belichtete Bild:

Komet 29P/Schwassmann-Wachmann

Auf meinem Foto sieht der Komet nicht viel anders aus als andere Sterne. Von der Helligkeit her würde ich ihn sogar noch etwas heller als 11mag schätzen. Auf Fotos anderer Hobbyastronomen mit größeren Instrumenten kann man etwas mehr von der Koma des Kometen erkennen.  Bilder findet man zum Beispiel auf der Webseite der Fachgruppe Kometen der Vereinigung der Sternfreunde (VdS).  Ein Foto von Stefan Beck vom gleichen Tag zeigt zum Beispiel ene deutlich unsymmetrische Koma.

26. November 2022: IC 410 mit NGC 1893

 Leider ist der Himmel diese Woche sehr bedeckt - und eine wirkliche Besserung ist laut Wettervorhersage nicht in Sicht. Deshalb hier ein Beobachtungsergebnis vom letzten Samstag, den 26. November 2022: IC 410, ein Emissionsnebel mit eingebettetem Sternhaufen NGC 1893:

IC 410 und NGC 1893

Das Bild wurde knapp 90 Minuten belichtet (5390 Sekunden), aufgenommen mit Vaonis Vespera. IC 410 befindet sich im Sternbild Fuhrmann, unweit von IC 405 entfernt.

Der Sternhaufen NGC 1893 wurde bereits 1827 durch John Herschel entdeckt, der Gasnebel IC 410 dagegen erst 1892 von Max Wolf.

IC 410 wird auch als "Kaulquappen-Nebel" bezeichnet. Die Kaulquappen lassen sich auf meinem Bild nur erahnen, kommen aber sehr schön auf einem APOD von 2011 zur Geltung. NGC 1893 wird auch als "Y-Haufen" bezeichnet ("Letter-Y-Cluster").

Bilder des Röntgenteleskops Chandra zeigen, dass in dem Sternhaufen sich mehrere tausend junge Sterne befinden. NGC 1893 ist gut 12.000 Lichtjahre von uns entfernt, das ist etwa dreimal soweit wie die bekannten Messier Sternhaufen M36 und M38 im gleichen Sternbild.

Sonntag, 27. November 2022

28. November - 4. Dezember 2022: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche nimmt der Mond zu und scheint von Abend zu Abend heller am Himmel. Von den hellen Planeten ist Saturn bis ca. 21:30 Uhr im Südwesten zu finden, Jupiter strahlt bis nach 1:00 Uhr vom Nachthimmel und Mars leuchtet praktisch die ganze Nacht über, zunächst im Osten, später in der Nacht dann hoch im Süden. Die ISS kann bei abendlichen Überflügen gesichtet werden.

Am Montag, den 28. November, geht die Sonne um 8:05 Uhr auf und um 16:20 Uhr unter. Der helle Tag dauert jetzt also nur noch wenig über 8 Stunden. Der Mond ist heute zu 30 Prozent beleuchtet, er nähert sich Saturn und geht um 20:59 Uhr unter. Zwischen 17:02 Uhr und 17:09 Uhr fliegt die ISS in 77° Grad Höhe hoch über unseren Abendhimmel hinweg. Zwischen 18:38 Uhr und 18:42 Uhr ist sie noch einmal im Westen beim Aufsteigen zu sehen, bevor sie dann in 70° Grad Höhe im Erdschatten verschwindet.

Am Dienstag, den 29. November, ist der Mond am Abend bereits an Saturn vorbei gezogen, er geht um 22:28 Uhr unter und ist zu 41 Prozent beleuchtet. Um 20:36 Uhr bedeckt der Mond am oberen dunklen Rand den Stern HIP108784 (6,4mag)Zwischen 17:50 Uhr und 17:56 Uhr fliegt die ISS bei uns fast exakt durch den Zenit über unsere Stadt hinweg. Kleinplanet (30)Urania (9,7mag) steht heute in Opposition zur Sonne, .

Am Mittwoch, den 30. November, geht der Mond erst kurz vor Mitternacht unter. Exakt um 15:37 Uhr erreicht er das Erste Viertel. Um 16:03 Uhr (Achtung, die Sonne steht noch am Himmel!) bedeckt er einen 4,0mag hellen Stern, ob dies schon im Teleskop zu beobachten sein wird? Zwischen 17:02 Uhr und 17:09 Uhr fliegt die ISS exakt durch den Zenit (17h:05m:34s) über unsere Stadt hinweg. Zwischen 18:38 Uhr und 18:42 Uhr ist sie noch einmal im Westen beim Aufsteigen zu sehen, bevor sie dann in 58° Grad Höhe im Erdschatten verschwindet.

Am Donnerstag, den 1. Dezember, nähert sich am Abend der zu über 60 Prozent beleuchtete Mond dem Jupiter an, er geht erst am Freitag um 1:15 Uhr unter. Zwischen 17:50 Uhr und 17:55 Uhr fliegt die ISS in maximal 73° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg. Kleinplanet (349)Dembrowska steht heute in Opposition zur Sonne, er leuchtet mit 9,6mag. Von 17:35 Uhr bis 20:15 Uhr wandert der Schatten von Jupitermond Ganymed über den Planeten.

Am Freitag, den 2. Dezember,  ist der Mond zu über 70 Prozent beleuchtet. Zwischen 17:01 Uhr und 17:09 Uhr fliegt die ISS noch einmal in maximal 84° Grad Höhe fast genau über unsere Stadt hinweg. Zwischen 18:39 Uhr und 18:42 Uhr ist sie noch einmal im Westen beim Aufsteigen zu sehen, bevor sie dann in ca. 35° Grad Höhe im Süden im Erdschatten verschwindet.

Am Samstag, den 3. Dezember, ist der Mond ist zu 82 Prozent beleuchtet und strahlt bis fast 4:00 Uhr am Sonntagmorgen vom Himmel. Er zeigt maximale Libration in Breite, das Mare Crisium steht weitab vom Rand.Die ISS fliegt zwischen 17:50 Uhr und 17:55 Uhr in maximal 47° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg, dabei fliegt sie haarscharf an Jupiter vorbei.

Am Sonntag, den 4. Dezember, Zweiter Advent, ist der Mond am Abend bereits zu 89 Prozent beleuchtet und bestimmt damit eindeutig den Abendhimmel. Die ISS fliegt zwischen 17:01 Uhr und 17:09 Uhr in maximal 61° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg. Um 18:04 Uhr beginnt eine Bedeckung von Jupitermond Io (bis 21:33 Uhr), ab 20:36 wandert Europa vor dem Planeten entlang (bis 23:09 Uhr), Europas Schatten fällt ab 23:13 Uhr auf die Planetenoberfläche.


Donnerstag, 24. November 2022

24. November 2022: Ein Besuch im Sternbild Fuhrmann: M 36, M 37 und IC 405

 Heute Abend hatte ich wieder Glück, dass eine ziemlich große Wolkenlücke den Anblick des dunklen Himmels ermöglichte. Vom Mond ist weit und breit noch nichts zu sehen, daher habe ich mich zuerst an die drei bekannten Sternhaufen im Fuhrmann (lat. Auriga) gewagt, M36, M37 und M38. Leider schien bei den ersten beiden Objekten irgendein störendes Licht (Straßenlampe?) noch etwas in meine Beobachtungsstation hinein, so dass die Bilder nicht wirklich schön wurden. Später, als dieObjekte höher am Himmel standen, habe ich die Aufnahmen teilweise wiederholt und das Ergebnis wurde prombt besser. 

Hier ein Bild vom Sternhaufen  M 36:

M 36, auch "Pinwheel-Cluster" genannt, 15 Minuten belichtet

Hier einmal ein Bild von M 37, nur fünf Minuten belichtet:

M 37 im Fuhrmann
 

Dann habe ich mich an einen schwachen Gasnebel gewagt. IC 405 ist eine Katalogbezeichnung, "Flaming Star Nebula" lautet eine Bezechnung im englischen Sprachraum.

Und dieser Nebel kommt bereits nach 30 Minuten Belichtungszeit schon schön zur Geltung.

IC 405, nach 30 Minuten Belichtungszeit

 Bilder von größeren Teleskopen und mit noch längerer Belichtungszeit zeigen natürlich noch viel phantastischere Strukturen, doch ich bin auch schon sehr zufrieden mit dem Ergebnis, das meine kleine Station so liefert.

Laut Wikipedia ist dieser Gasnebel ca. 1500 Lichtjahre entfernt. Andere Katalogbezeichnungen sind Caldwell 31 oder Sharpless 229.

Sonntag, 20. November 2022

21. - 27. November 2022: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche haben wir Neumond, die Nächten eignen sich gut zur Beobachtung von lichtschwachen "deep-sky"-Objekten am Himmel. Von den hellen Planeten sind Saturn bis gegen 22:00 Uhr und Jupiter bis gegen 1:45 Uhr gut zu beobachten, Mars ist sogar fast die ganze Nacht über sichtbar. Mit Fernglas oder Fernrohr können auch Uranus (die ganze Nacht) und Neptun (bis gegen 1:00 Uhr) gefunden werden. Die ISS ist bei morgendlichen Überflügen sichtbar. Der Komet C/2022 E3 ZTF kann am Abend bei klarer Sicht nach Westen bis gegen 19 Uhr gefunden werden und wieder am Morgen im Osten ab ca. 5:00 Uhr, ob er wohl noch heller wird als auf meinem letzten Foto? Die ISS ist bei abendlichen Überflügen sichtbar.

Am Montag, den 21. November, geht die Sonne um 7:54 Uhr auf und um 16:27 Uhr unter. Der helle Tag dauert also gerade noch 8 1/2 Stunden. Die nur noch zu zehn Prozent beleuchtete Mondsichel geht um 4:25 Uhr auf, sie steht dicht oberhalb von Spica in der Jungfrau. Die ISS fliegt zwischen 17:53 Uhr und 17:57 Uhr in maximal 22° Grad Höhe unterhalb von Saturn und Jupiter von Südwest nach Ost über unseren Abendhimmel. Bei Jupiter stehen am Abend zwei Monde links, zwei Monde rechts. Kleinplanet (324)Bamberga steht heute in Opposition zur Sonne, sie erreicht eine Helligkeit von 8,9mag.

Am Dienstag, den 22. November, geht die nur noch zu 4 Prozent beleuchtete Mondsichel um 5:48 Uhr auf, ob sie bei uns wohl noch sichtbar wird?  Die ISS fliegt am Abend zwischen 17:06 Uhr und 17:10 Uhr in nur 16° Grad Höhe maximal von Südwest nach Ost über Himmel in der Abenddämmerung. Ein zweites Mal ist sie kurz im Westen aufsteigend zwischen 18:40 Uhr und 18:43 Uhr zu sehen, sie steigt auf eine Höhe von 50° Grad im Süden auf, wo sie dann im Erdschatten verschwindet. Bei Jupiter stehen heute alle vier galiläischen Monde auf der linken, östlichen Seite.

Am Mittwoch, den 23. November, ist Neumond (exakt um 23:57 Uhr). Die ISS fliegt zwischen 17:52 Uhr und 17:57 Uhr in maximal 41° Grad Höhe oberhalb von Saturn und Jupiter von Südwest nach Ost über unseren Abendhimmel.

Am Donnerstag, den 24. November, fliegt die ISS zwischen 17:02 Uhr und 17:10 Uhr in maximal 30° Grad Höhe knapp oberhalb von Saturn und Jupiter über unseren Himmel. Ein zweites Mal ist sie kurz im Westen aufsteigend zwischen 18:39 Uhr und 18:43 Uhr zu sehen, sie steigt auf eine Höhe von 70° Grad im Südwesten auf, wo sie dann im Erdschatten verschwindet. Bei Jupiter stehen am Abend zwei Monde links, zwei Monde rechts.

Am Freitag, den 25. November, fliegt die ISS zwischen 17:52 Uhr und 17:56 Uhr in maximal 66° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg. Bei Jupiter wird ab 21:45 Uhr Mond Io bedeckt und ab 23:37 Uhr Mond Europa bedeckt. Der veränderliche Stern Algol erreicht um 21:30 Uhr ein Helligkeitsminimum.

Am Samstag, den 26. November, könnte der Mond ganz tief im Südwesten erstmalig wieder sichtbar sein. Seine Sichel ist zu 11 Prozent beleuchtet, er geht um 18:11 Uhr unter. Die ISS fliegt zwischen 17:03 Uhr und 17:10 Uhr in maximal 52° Grad Höhe über unseren Himmel. Ein zweites Mal ist sie kurz im Westen aufsteigend zwischen 18:39 Uhr und 18:43 Uhr zu sehen, sie steigt auf eine Höhe von 72° Grad noch im Westen auf, wo sie dann im Erdschatten verschwindet. Um 19:00 Uhr beginnt ein Durchgang von Jupitermond Io vor der Planetenscheibe (bis 21:14 Uhr), von 20:15 Uhr bis 22:29 Uhr wandert Ios Schatten über den Planeten.

Am Sonntag, den 27. November, Erster Advent, fliegt die ISS zwischen 17:51 Uhr und 17:56 Uhr mit maximal 86° Grad Höhe fast genau durch unseren Zenit über unseren Abendhimmel hinweg. Der zu 19 Prozent beleuchtete Mond geht um 19:31 Uhr im Südwesten unter. Um 18:07 Uhr beginnt ein Durchgang von Mond Europa vor der Jupiterscheibe (bis 20:39 Uhr), da gleichzeitig Mond Io bis 19:38 Uhr verfinstert wird, sind dann nur die Monde Ganymed und Kallisto zu sehen. Europas Schatten wandert von 20:37 Uhr bis 23:05 Uhr über den Planeten, ab 22:15 Uhr wird Mond Ganymed von Jupiter bedeckt.

19. November 2022: Zwei Objekte in der Cassiopeia

 Heute haben wir die erste richtige kalte Nacht nach langer Zeit. Draußen sind es -5°, also richtig Frost. Wir waren bei Nachbarn zum Abendessen eingeladen, es war ein netter Abend!

Die Kälte draußen lag natürlich am klaren Himmel. Wie gut, das meine Vespera Beobachtungsstation dann völlig autonom den Himmel beobachten kann. Seit einiger Zeit gibt es dort die Möglichkeit, sich einen automatischen Beobachtungsplan einzurichten, "my plan" genannt. Man stellt einfach ein, von wann bis wann welche Objekte am Himmel beobachtet werden sollen. Dies habe ich heute zum ersten Mal ausprobiert und es hat gutgeklappt.

Vespera hat zwei Objelte in der Cassiopeia fotografiert. Jedes wurde ca. zwei Stunden belichtet:

IC 1805

und als zweites dann:

IC 1848

Zuvor hatte ich noch einmal ein Bild vom KometenC/2022 E3 ZTF und von (115)Thyra aufgenommen.

So hatte ich nicht  ur einen schönen Abend mit Freunden, sondern auch och einen gelungenen Astro-Abend. Was will man mhr!?


Freitag, 18. November 2022

16./17. November 2022: Kleinplanet (115)Thyra zieht am Teufelsstern Algol vorbei

 Der Kleinplanet (115)Thyra sollte zwischen dem 16. und 17. November am Teufelsstern Algol, dem bekanntesten veränderlichen Stern im Perseus vorbeiziehen. der geringste Abstand sollte nur eine Bogenminute betragen.

Dieses Ereignis hätte ich gerne ausführlich dokumentiert, doch leider gab es in der Nacht vom 16. zum 17. November nur eine kurze Wolkenlücke um 18 Uhr, und dann noch einmal um 18 Uhr am nächsten Tag. Immerhin gelang mir beides mal gelang ein Foto, und auch daraus kann man auf diesen sehr engen Vorübergang schließen. Sonst hätte ich gerne versucht, alle zwei Stunden ein Foto der beiden zu erstellen, so hätte man die Bewegung von (115)Thyra sicherlich noch besser dokumentieren können.

Der helle Stern etwa in der Bildmitte ist Algol, Thyra steht am 16. November links von Algol, am 17. November rechts von Algol.

Algol und (115)Thyra am 16. November

Algol und (115)Thyra am 17. November

Haben Sie den Kleinplaneten auf beiden Bildern schon gefunden?  (115)Thyra hat nur eine Helligkeit von 9,8mag und fällt von daher nicht einfach auf.

(115) Thyra ist ein Hauptgürtel-Asteroid. Er wurde am 6. August 1871 durch den US-amerikanischen Astronomen J. C. Watson entdeckt. Der Asteroid wurde nach der dänischen Königin Thyra Danebod, der Gemahlin von Gorm, König von Jütland, benannt. Diese und weitere Informationen zum Kleinplaneten findet man auf Wikipedia.

Algol ist der zweithellste Stern im Perseus und leuchtet unverfinstert mit 2,1mag. Zu diesem Stern findet man ausführliche Informationen bei Wikipedia.

Um die Bewegung zu verdeutlichen, habe ich versucht, aus diesen beiden Bildern ein animiertes gif zu basteln, darin sieht man (115)Thyra deutlich hin und her spricngen:


Auch wenn die Beobachtungsmöglichkeiten nur kurz war, ich freue mich, dass es doch ein wenig geklappt hat.