Sonntag, 19. Mai 2019

20. - 26. Mai 2019: Der Himmel über Bad Lippspringe

In dieser Woche setzt sich die gute Sichtbarkeit der Internationalen Raumstation fort, zahlreiche Überflüge können in den dunklen Stunden beobachtet werden. Die exakten Überflüge über Bad Lippspringe finden dabei von Tag zu Tag etwas früher statt. Der Mond nimmt langsam wieder ab. Von den Planeten ist Mars vor Mitternacht noch kurze Zeit nach Sonnenuntergang zu sehen. Jupiter geht bereits deutlich vor Mitternacht auf und Saturn folgt ab etwa 1:00 Uhr. Iridiumflares sind für diese Woche nicht vorhergesagt.

Am Montag, den 20. Mai, geht die Sonne um 5:25 Uhr auf und um 21:18 Uhr unter, das sind morgens und abends jeweils genau zehn Minuten früher bzw. später als noch vor genau einer Woche. der Mond geht heute um 23:06 Uhr auf und steht dicht bei Jupiter. Die ISS fliegt heute früh zwischen 1:15 Uhr und 1:23 Uhr über unsere Stadt (exakt um 1:18 Uhr) hinweg. Weitere Überflüge finden statt um 2:54 Uhr mit 44° Grad maximaler Höhe und um 4:30 Uhr in maximal 12° Grad Höhe, nur knapp unterhalb des Mondes und Jupiters. Am Abend ist die ISS dann noch einmal zwischen 22:47 Uhr und 22:56 Uhr in maximal 48° Grad Höhe zu sehen. An der Sternwarte in Paderborn Schloß Neuhaus gibt es heute einen Vortrag über die neu definierten physikalischen Basisgrößen.

Am Dienstag, den 21. Mai, geht der Mond am Abend erst kurz nach Mitternacht um 0:06 Uhr auf. Kurz danach, um 0:27 Uhr fliegt die ISS ein weiteres Mal exakt über Bad Lippspringe hinweg. Ein weiterer Überflug am Morgen finden statt um 2:04 Uhr. Am Abend ist die ISS dann wieder zwischen 21:57 Uhr und 22:05 Uhr und nocheinmal zwischen 23:33 Uhr und 23:41 Uhr zu sehen. Bei letzteren Überflug fliegt sie ein weiteres Mal fast genau über unsere Stadt hinweg.

Am Mittwoch, den 22. Mai, wandert nach dem Aufgang von Jupiter gegen Mitternacht in der Frühe der Mond Io vor dem Planeten (bis 1:21 Uhr) und sein Schatten fällt (bis 0:53 Uhr) auf die Jupiteroberfläche. Die ISS überfliegt um 1:13 Uhr und um 2:46 Uhr den Nachthimmel. Am Abend fliegt sie zwischen 22:41 Uhr und 22:51 Uhr in 72° Grad Höhe über den Abendhimmel hinweg.

Am Donnerstag, den 23. Mai, geht der Mond gegen 1:00 Uhr auf, er steht dann dicht bei Saturn und ist noch zu 83 Prozent beleuchtet. Die minimalste Entfernung beträgt  heute Nacht ca. 1,4 Grad, gut drei Vollmonddurchmesser. Die ISS fliegt um 0:22 Uhr mit 86° Grad Höhe ziemlich genau wieder über unsere Stadt hinweg, ein weiterer Überflug findet um 1:57 Uhr statt. Abends fliegt die ISS um 23:31 Uhr ganz exakt über Bad Lippspringe hinweg.

Am Freitag, den 24. Mai, gibt es um 1:07 Uhr einen Überflug der ISS. Um 3:43 Uhr zeigt der veränderliche Stern Algol ein Helligkeitminimum.Abends fliegt die ISS zwischen 22:36 Uhr und 22:44 Uhr ein weiteres mal praktisch genau über Bad Lippspringe hinweg.

Am Samstag, den 25. Mai, kann die ISS zwischen 0:14 Uhr und 0:18 Uhr am Nachthimmel beobachtet werden, am Abend noch einmal zwischen 23:22 Uhr und 23:28 Uhr erreicht die ISS eine maximale Höhe von 81° Grad über dem Horizont.

Am Sonntag, den 26. Mai, geht der Mond um 2:37 Uhr in der Frühe auf. Am Abend um 18:34 Uhr, dann ist er bei uns jedoch nicht zu sehen, erreicht er das letzte Viertel. Die ISS kann sehr gut zwischen 22:31 Uhr und 22:39 Uhr bei einem weiteren Überflug über unserer Stadt genau durch den Zenit gesehen werden.




Samstag, 18. Mai 2019

18. Mai 2019: Wirklich Vollmond


heute Abend war es so weit, um 23:11 Uhr MESZ erreichte der Mond seine exakte Vollmondposition. Hier ein Foto:

Vollmond am 18. Mai 2019 um ca. 23 Uhr

Freitag, 17. Mai 2019

17. Mai: Fast Vollmond


Es fehlt nur noch ein bisschen zum richtigen Vollmond ....

Mond am 17. Mai 2019 um 22:10 Uhr, fotografiert mit einer Nikon P900
... doch der findet erst am Samstag, den 18. Mai um 23:11 Uhr statt

Mittwoch, 15. Mai 2019

Noch einmal Mondbeobachtung


Hier noch ein kleiner Nachtrag zu einer kurzen Mondbeobachtung am 9. Mai. "Eigentlich" war der Himmel am Abend bewölkt und natürlich keine Sterne oder gar der Mond zu sehen. Doch als ich von einer Veranstaltung in unserer evangelischen Bücherei zurück nach Hause kam, gab es zumindest eine kleine Wolkenlücke, durch die ich einen schnellen Blick auf den Mond werfen konnte.

Mir fiel sofort auf, dass dicht neben dem Mond auf seiner rechten, westlichen Seite ein recht heller Stern leuchtete. Ein sehr schöner Anblick!

Und als ich etwas genauer durch mein Spektiv schaute, konnte ich auch auf der linken, östliche Seite, der noch unbeleuchteten Seite, einen nur schwach leuchtenden, aber trotzdem deutlich erkennbaren Stern sehen. Es würde nicht mehr lange dauern, stellte ich sofort fest, dass der Mond diesen Stern bedecken würde.

Hier ein etwas überbelichtetes Foto (des Mondes), um diese beiden Sterne deutlich erkennbar zu machen:

Mond mit Sternen am 9. Mai 2019 gegen 21:45 Uhr MESZ
Der helle Stern rechts im Bild heißt Wasat, steht im Sternbild Zwillinge und hat eine Helligkeit von 3,5mag. Aber wer war der kleine Stern links neben dem Mond?

Mir fiel ein, dass ich in meinem Blog für diese Woche ja einige Sternbedeckungen angekündigt hatte. Für diesen Donnerstag waren es sogar gleich zwei: "...um 22:20 den nur 6.5mag hellen HR 2835 und um 23:14 dann den 5,2mag hellen 63 Gemini."

Doch das passte nicht mit meinem Bild zusammen, dieser kleine Stern würde doch schon in Kürze bedeckt werden und nicht erst um 22:20 Uhr. Ein kleiner Schwenk meines Spektivs nach Osten zeigte dann auch sofort die beiden Sterne, deren Bedeckung angekündigt war.

Hier sind sie auf dem nächsten Bild zu erkennen:

Mond hinter Wolken und Sterne am 9. Mai 2019 gegen 21:46 Uhr
HR2835 und der etwas hellere 63 Gemini sind oben im Bild gut zu erkennen. Der "dunkle" Teil des Mondes befindet sich in der rechten unteren Ecke des Bildes. Und wer ganz genau hinschaut, kann dort - selbst durch die Wolken hindurch - auch noch das schwache Sternchen erkennen, das gleich bedeckt werden wird: HIP 35909 mit 7,6mag.

Das war doch mal ine schöne Überraschung, es würde heute Abend also gleich drei Sternbedeckungen durch den Mond kurz hintereinander geben! Doch leider war der Himmel dann schnell wieder völlig bedeckt, so dass ich alle diese Sternbedeckungen dann doch nicht beobachten, geschweige denn fotografieren konnte.

Doch einmal mehr habe ich die Erfahrung gemacht, es lohnt sich immer, die Blicke hinauf zum Himmel zu richten. In jedem Wolkenloch steckt eine kleine Überraschung!

Dienstag, 14. Mai 2019

14. Mai: Der "goldene Henkel"


In meiner wöchentlichen Astrovorschau hatte ich es angekündigt: Am Dienstagabend sollte der "goldene Henkel" mal wieder am Mond sichtbar sein. Und es hat auch gut geklappt, der Himmel wurde am Abend nach Sonnenuntergang wieder schön klar, so dass ich dieses Foto machen konnte:

Goldener Henkel am 14. Mai 2019 um 21:42 Uhr MESZ
Das Foto ist wieder mit meinem Spektiv entstanden.

Zwei Stunden früher hatte meine Astrofreundin Anja Verhöfen auf facebook gleich mehrere Fotos des goldenen Henkels gepostet. Ihre Bilder zeigen auch den Mond vor einem pechschwarzen Himmel. Ich war zunächst überrascht, denn bei uns war die Sonne um die Zeit noch gar nicht untergegangen. Doch dann stellte ich fest, Anja hatte ihre Fotos auf Rhodos gemacht. Dort ging heute die Sonne erst um 6:02 Uhr auf und schon um 20:06 Uhr unter. Bei uns war heute Sonnenaufgang um 5:34 Uhr und Sonnenuntergang erst um 21:09 Uhr, also über eine Stunde später als dort. Und  es gibt einen weiteren wichtigen Unterschied: Bei uns sinkt die Sonne zur Zeit nur noch 19,7° Grad unter den Horizont. Für Rhodos werden noch 35,1° Grad angegeben. Das bedeutet, nachts sinkt die Sonne viel tiefer unter den Horizont, was bedeutet, die Dämmerung ist kürzer und die Nächte sind wirklich dunkler.

Und wer die Bilder genau vergleicht, kann an kleinen Details auch gut erkennen, wie die Sonne beim "goldenen Henkel" auf meinem Foto schon deutlich höher über dem Mondhorizont steht und dadurch kürzere Schatten wirft als auf den Fotos von Anja. Hier der Link zu ihrem Post, wenn Sie auch Zugang zu facebook haben: https://www.facebook.com/anja.verhofen/posts/1876392769129509

Montag, 13. Mai 2019

20. Mai: "RELOADED: Die neue Welt der physikalischen Basisgrößen"


Am Montag, den 20. Mai, gibt es in der Volkssternwarte Paderborn wieder einen spannenden Vortrag meines Sternfreunds Dr. Martin Otte. Hier die Ankündigung dazu von der Webseite unserer Sternwarte:

Vier der sieben Grundeinheiten des Internationalen Einheitensystems erfahren eine Neudefinition, die am Vortragstag offiziell in Kraft tritt und wovon insbesondere das Kilogramm betroffen ist. Wird sich unser Alltagsleben dadurch verändern und müssen gar Personenwaagen umgeeicht werden? Ist die Reproduzierbarkeit des Meters auf x Stellen nach dem Komma nur von rein akademischem Interesse oder steckt ein wirklicher Anwendungsnutzen dahinter? Was hat das Scheitern der Marsmission "Mars Climate Orbiter" oder die Notlandung eines Passagierflugzeugs auf einem ausgedienten Militärflughafen mit den physikalischen Basisgrößen zu tun?

Der Vortrag führt durch die Welt und Historie der physikalischen Basisgrößen und zeigt die Notwendigkeit eines weltweit gleichartig zu verwendenden Einheitensystems auf. Es werden sämtliche Basisgrößen vorgestellt, sodass die Besucher des Vortrags nicht nur etwas über solch gängigen Größen wie Meter oder Kilogramm erfahren, sondern auch über weniger bekannte Größen wie Mol oder Candela.

Der Eintritt kommt wie immer der ehrenamtlichen Arbeit der Sternwarte zu gute. Sie sind herzlich eingeladen!

Sonntag, 12. Mai 2019

13. - 19. Mai: Der Himmel über Bad Lippspringe

In dieser Woche haben wir Vollmond, der Mond beherrscht daher eindeutig den Nachthimmel. Von den großen Planeten ist der Mars noch am Abend nach Sonnenuntergang tief im Nordwesten zu sehen, Jupiter geht jetzt bereits vor Mitternacht im Südosten auf und Saturn folgte gegen 1:30 Uhr. Es gibt auch in dieser Woche keine Iridiumflares zu bewundern, aber viele Überflüge der ISS.

Am Montag, den 13. Mai, geht die Sonne um 5:35 Uhr auf und um 21:08 Uhr unter. Das sind 23 Minuten länger als noch vor einer Woche. Sie sinkt diese Woche nur noch bis zu 20° Grad unter den Horizont, die "astronomische Nacht" dauert inzwischen nur noch knapp zwei Stunden. Dafür kann aber die ISS bei vielen Überflügen gesichtet werden, teilweise bis zu fünf mal in einer Nacht. So erscheint sie heute um 2:52 Uhr in 62° Grad Höhe im Südosten und fliegt dann schnell dem Horizont entgegen, zwischen 3:58 Uhr (Aufstieg im Westen) und 4:06 Uhr (Untergang im Osten) fliegt sie dann noch einmal exakt über unsere Stadt hinweg.

Am Dienstag, den 14. Mai, kann die ISS um 1:37 Uhr kurz im Osten gesehen werden, dann fliegt sie zwischen 3:09 Uhr und 3:15 Uhr exakt über Bad Lippspringe hinweg, zwischen 4:44 Uhr und 4:56 Uhr erreicht sie noch einmal eine Höhe von 60° Grad über dem Horizont. Beim Mond kann heute Abend der "goldene Henkel" beobachtet werden.

Am Mittwoch, den 15. Mai, ist die ISS um 0:58 Uhr tief im Osten sichtbar, um 2:20 Uhr 83° Grad hoch fast im Zenit in der Nähe der Leier und zwischen 3:53 Uhr und 4:01 Uhr noch einmal in maximal 75° Grad Höhe. Der Mond zeigt maximale Libration in Breite, so dass wir auf seinen Südpol schauen können.

Am Donnerstag, den 16. Mai, kann man die ISS um 1:29 Uhr, um 3:05 Uhr und 4:41 Uhr sehen.

Am Freitag, den 17. Mai, ist die ISS das erste Mal um 0:39 Uhr tief im Osten zu sehen, dann fliegt die ISS um 2:14 Uhr exakt über Bad Lippspringe hinweg, ein weiterer Überflug in maximal 52° Grad Höhe findet um 3:51 Uhr statt. Am Abend ist sie dann noch um 22:10 Uhr ganz flach über dem Horizont im Südosten zu sehen (nur 11° Grad hoch) und um 23:50 im Osten in der Nähe von Altair im Sternbild Adler.

Am Samstag, den 18. Mai, ist die ISS das erste Mal um 1:23 Uhr bei einem weiteren Überflug (fast) genau über unserer Stadt zu sehen, noch einmal um 3:00 Uhr in 68° Grad Höhe und um 4:36 Uhr mehr im Südwesten, aber tief zwischen Mond, Jupiter und Saturn. Und dann ist noch einmal um 22:56 Uhr herum in maximal 29° Grad Höhe zu sehen. Am Abend ist exakt um 23:11 Uhr Vollmond. Der Mond steht dann nur 15° Grad über dem Horizont. Bei klarem Wetter kann man sicherlich das eine oder andere schöne Vollmondbild fotografieren. Tief im Westen nähert sich der Mars dem offenen Sternhaufen M35 in den Zwillingen. In Essen findet heute von 10 - 18 Uhr die größte europäische Astronomie-Messe statt, das ATT.

Am Sonntag, den 19. Mai, ist die ISS in der morgendlichen Nachthälfte um 0:32 Uhr, 2:09 Uhr und 3:45 Uhr zu sehen. Am Abend dann noch einmal zwischen 22:03 Uhr und 22:08 Uhr, allerdings nur in maximal 20° Grad Höhe und zwischen 23:38 Uhr und 23:45 Uhr in maximal 64° Grad Höhe. Der Mond nähert sich allmählich dem Jupiter, er geht gegen 22 Uhr auf und ist immer noch zu 99 Prozent beleuchtet. Der Krater Grimaldi steht nah am Rand, der Mond zeigt maximale Libration in Länge. Heute steht Mars nur 0,2° Grad oberhalb von M35 in den Zwillingen.



Freitag, 10. Mai 2019

Wie lange dauert ein Sonnenuntergang?


In den Osterferien 2019 war ich wieder einmal bei herrlichstem Wetter auf der schönen Nordseeinsel Amrum zu Gast. Natürlich stand auch die Beobachtung eines Sonnenuntergangs auf meinem Programm. Am 16. April sollte der um 20:31 Uhr MESZ stattfinden. Doch - wie lange dauert so ein Sonnenuntergang eigentlich? Eine einfache Frage? Nicht, wenn man es genau nimmt.

Hier die erste einfache Rechnung: Die Größe der Sonnenscheibe beträgt ungefähr ein halbes Grad am Himmel. Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um ihre Achse, also um 360 Grad. Der Tag hat 24h x 60m = 1440 Minuten, die Erde dreht sich also in vier Minuten um ein Grad weiter. Das bedeutet wiederum für die Sonne, sie braucht zwei Minuten, um eine bestimmte Linie am Himmel zu überqueren. Diese gedachte Linie kann ja zum Beispiel unser Horizont sein. Etwa so wie hier auf diesem Bild:

Sonnenuntergang auf Amrum am 16. April 2019 um 20:31 Uhr

Doch ganz so einfach ist es nicht. Zunächst einmal ist die Sonne nicht immer gleich groß, denn die Erde dreht sich nicht auf einer perfekten Kreisbahn, sondern auf eine Ellipsen-Bahn um die Sonne. Dadurch ist sie im Sommer (Juli) etwas weiter von der Sonne entfernt als im Winter (Januar). Dies bedeutet konkret, die Sonne braucht im Januar zwei Minuten und zehn Sekunden, im Juli sind es (weil sie ja minimal kleiner ist) vier Sekunden weniger. Jetzt zu Ostern sind wir sozusagen "etwa in der Mitte", also dauert ein Sonnenuntergang zwei Minuten und acht Sekunden ?

Nein, denn wir müssen berücksichtigen, dass wir ja nicht beim Äquator stehen, wo die Sonne z.B. am Frühlingsanfang exakt senkrecht den Horizont durchlaufen würde, sondern an der deutschen Nordseeküste. Hier sinkt die Sonne "schräg" ins Meer. Und das verlängert den Sonnenuntergang natürlich. Noch weiter nördlicher würde die Sonne noch flacher ins Meer sinken - und am Nordpol würde sie schon seit Frühlingsanfang ständig scheinen, da gäbe es bis zum Herbst ja gar keinen Sonnenuntergang mehr.

Was macht also die geographische Breite aus? Mein Standort auf Amrum liegt bei 54,667° Nord

Auf der Webseite "Welt der Physik" gibt es dafür ein schöne Berechnung mit Herleitung und Erklärung der notwendigen Formeln.  Ich erspare ihnen hier das Berechnen der Formeln und Einsetzen aller exakten Werte. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, komme ich für den 16. April für meinen Standort auf Amrum auf eine Zeit von vier Minuten und 18 Sekunden für die tatsächliche Dauer des Absinkens der Sonnenscheibe unter den Horizont.

Das ist ja schon gut doppelt solange wie in der ersten einfachen Überschlagsrechnung! Wird das stimmen? Machen wir doch einfach mal einen Praxistest, eine kleine wissenschaftliche Beobachtung. Also: ab nach draußen an den Strand!

Hier jetzt erst mal ein paar Bilder. Angegeben habe ich immer die Zeiten, wie sie meine Kamera in den Bilddaten angegeben hat. Ein späterer Vergleich mit der tatsächlichen Uhrzeit hatte übrigens ergeben, meine Kamera geht 16 Sekunden vor. Doch das ist fürdie Bestimmung der "Dauer" eines Sonnenuntergangs eigentlich auch unerheblich.

Hier beginnt der Sonnenuntergang am 16. April - Aufnahme von 20h:28m:31s

Nur vier Sekunden später, um 20h:28m:35s erscheint der Sonnenrand leicht abgeplattet - der Untergang hat wirklich begonnen.

Ausgerechnet zum Sonnenuntergang fährt ein Fischkutter genau in meine Sichtlinie - Foto von 20h:32m:12s
Jetzt ist der Fischkutter durch und die Sonne weg: 20h:32m:38s
Das waren genau vier Minuten und sieben Sekunden. Okay, ich denke mir, im Rahmen eines so einfachen Versuchsaufbau, und der Ungenauigkeit in der Auswertung  (wann "berührt" die Sonne tatsächlich den Horizont?), können wir mit dem Ergebnis doch recht zufrieden sein.

Es gibt jedoch noch ein weiteres optisches Phänomen, das unsere Sonnenuntergänge beeinflusst. Das ist die optische Brechung der Lichtstrahlen in unserer Atmosphäre. Der Fachausdruck dafür lautet "Refraktion". Er wird recht gut auf der Webseite "timeanddate" beschrieben. Praktisch bedeutet dies, das unser Bild der Sonne durch die Lichtbrechung in Horizontrichtung angehoben wird, wir also die Sonne tatsächlich noch sehen können, obwohl sie in Wirklichkeit schon unter dem Horizont versunken ist.

Diese Refraktion wird im übrigen von allen ernsthaften Sonnenauf- und untergangsberechnungen berücksichtigt. Sie macht am Horizont laut Wikipedia etwa 0,5° bis 0,6° Grad aus. Dies wird z.B. auf der Webseite von heavens-above deutlich, wenn sie angeben, dass im Moment des Sonnenuntergangs um 20:31 Uhr diese bereits -0,8° Grad unter dem Horizont stehe. Eigentlich würde man ja exakt 0° Grad erwarten, oder? Bei diesen Berechnungen wird immer vom "Sonnenmittelpunkt" ausgegangen, wenn dieser den Horizont überschreitet, gilt die Sonne als aufgegangen bzw. wenn dieser den Horizont unterschreitet gilt die Sonne als untergegangen. Also ein halbes Grad für die Refraktion plus ein Viertelgrad für den Sonnenradius, da liegt man mit -0,8° Grad für den "wahren" Sonnenort im Moment des Sonnenuntergangs schon nicht ganz falsch.

Und es erklärt auch, warum mein tatsächlicher Sonnenuntergang doch etwas später war als bei heavens-above oder anderswo angegeben wurde, denn auch die letzter Teil der Sonne musste bei mir ja richtig unter den Horizont.

Zwei Tage später war ich wieder am Strand zum Sonnenuntergang. Und diesmal wurde es noch spannender! Heute sollte die Sonne um 20:35 Uhr untergehen, also vier Minuten später.

Hier wieder ein paar Fotos:

Der Sonnenuntergang beginnt - Foto von 20h:31m:25s

Foto von 20h:31m:35s - Ohje, jetzt ist die Sonne ja richtig "abgerundet". Hat sie nun schon den Horizont berührt oder noch nicht?

Foto von 20h:31m:41s

Foto von 20h:35m:31s - sollte sie jetzt nicht schon fast verschwunden sein?

Foto von 20h:36m:31s - noch nicht weg!

Foto von 20h:37m:33s - immer noch nicht weg!

Foto von 20h:38m:27s - der allerletzte Sonnenstrahl (Ausschnittsvergrößerung)

Foto von 20h:38m:31s - jetzt ist sie wirklich weg

Der Sonnenuntergang hat pünktlich begonnen, etwa vier Minuten vor dem vorhergesagten tatsächlichem Verschwinden. Doch dann wollte und wollte sie nicht untergehen. Bis auch der letzte Sonnenstrahl verschwunden war, hat es diesmal etwas über sieben Minuten gedauert!

Wie kann das sein, dass ein Sonnenuntergang einmal vier Minuten dauert und nur zwei Tage später gleich sieben Minuten?

Am 19. April war ich noch einmal am Strand. Diesmal mit einer etwas anderen Kamera. Auch hier wieder ein paar Fotos:

Sonnenuntergang am 19. April - Foto von 20:29 Uhr, hier ist sicherlich noch etwas Zeit bis zum Beginn ...
 Der Sonnenuntergang war für 20:37 Uhr angesagt. Vier Minuten vorher ist bereits eine deutlich Verformung der Sonnenscheibe zu erkennen:

20:33:17 Uhr - Hat der Sonnenuntergang nun begonnen oder nicht? Eine Verformung der Sonnenscheibe ist unverkennbar.

20:33:59 Uhr - jetzt hat er sicherlich begonnen - obgleich die Sonne immer noch über dem Horizont zu schweben scheint.

20h:34m:28s Uhr

20:37:24 Uhr - sollte sie jetzt nicht weg sein?

Letzte Strahlen, schon wieder Minuten nach dem berechnetem Zeitpunkt.

20h:40m:49s - ein letzter Strahl ist noch zu erkennen...

20h:41m - nun ist sie doch endgültig weg.
Diese letzte Aufnahmeserie zeigt, dass schon der Beginn des Sonnenuntergangs nicht immer einfach zu bestimmen ist. Aber auch diesmal scheint der Sonnenuntergang in etwa vier Minuten vor dem berechnetem Untergangszeitpunkt zu beginnen. Das wurde ja auch durch die Serien der Tage zuvor in etwa bestätigt. Aber auch am 19. Mai hat es dann noch einmal vier Minuten gedauert, bis auch der letzte Sonnenstrahl weg war.

Und wenn sie die letzten Bilder ganz genau betrachten, kann man sogar sehen, wie dieser letzte Sonnenstrahl am Horizont langsam nach rechts (also in Richtung Norden) wandert. Mit bloßem Auge habe ich es zunächst auch nicht gesehen, sondern erst auf diesen Fotos erkannt: Vor dem Horizont befindet sich noch eine Sandbank (der "Jungnamensand"), auf der wohl ein paar Robben liegen. Geht man davon aus, das diese sich nicht gleichzeitig nach links (also Richtung Süden) vorgerobbt haben, können wir sie als feste Marke nutzen und stellen fest, um 20:37 Uhr befanden sie sich ziemlich genau in Richtung Sonne. Vier Minuten später befinden sie sich deutlich weiter links, etwa zwei Sonnendurchmesser. Laut heavens-above befand sich die Sonne um 20:37 Uhr bei einem Azimut von 291°, vier Minuten später hat sich die Erde um ein Grad gedreht und die Sonne befindet sich bei 292° Grad und 1,5° Grad unter dem Horizont. Eine weitere schöne Bestätigung, dass in der Tat der allerletzte Sonnenstrahl auch immer noch von unserer Sonne gekommen sein wird und nicht durch irgendeine andere Reflexion von Licht entstanden sein kann.

Doch woran liegt es nun, dass diese Sonnenuntergänge etwa doppelt so lange dauern wie sie eigentlich "dürfen"? Daran ist einfach nur das Wetter schuld! Denn die atmosphärische Refraktion ist abhängig vom Luftdruck, so schreibt es ja auch "timeanddate": "Je niedriger die Temperatur und je höher der Luftdruck, desto größer der Unterschied." Ob das wirklich der Fall war, habe ich natürlich nicht gemessen. Aus den Daten von Wetteronline konnte ich jedoch entnehmen, dass der Luftdruck an der Nordsee (Wetterstation auf Sylt) vom 16. zum 18.April von 1023 hPa auf  1031 hPa gestiegen war und zum 19. April noch einmal um 1034 hPa, das passt also. Die Luft-Temperatur auf der Insel war zwar auch etwas angestiegen, hier dürfte aber eher die Temperatur des Wassers entscheidend sein, welche sich jedoch innerhalb von zwei/drei Tagen kaum geändert haben kann.

Der letzte Verweis in diesem Artikel mag noch an eine weitere Webseite gehen. Auf sonnenuntergang.de fand ich noch diesen Hinweis:

"Oft begleiten beindruckende Farbspiele die Sonnenuntergänge. Nicht nur das berühmte Abendrot, auch gelb, violett sogar grüne Farbtöne sind oft zu sehen. Auch hier wirkt wieder die Strahlenbrechung der Atmosphäre. Die schwebenden Partikel der Erdatmosphäre dienen dabei als diffuses Medium der Streuung. Blaues Licht wird stärker gestreut wie rotes, und deshalb sehen wir mehr rotes Licht. Auch kann sich ein Prismeneffekt einstellen, wenn bestimmte Temperatur Schichtungen vorhanden sind. Da Resultat ist ein „Grüner Blitz“. Bei diesem Phänomen ist der rote Anteil der Sonne zuerst verschwunden, so dass ein grünlicher Saum aufblitzt. 

Doch all dieses Wissen um physikalische Hintergründe und nüchternen Fakten ändern nichts an der Tatsache, dass der Sonnenuntergang ein Ereignis ist, das jeden von uns in seinen Bann zieht und immer wieder aufs Neue fasziniert."

Einen grünen Blitz habe ich nicht gesehen. Doch besonders dem letzten Satz ist nichts hinzuzufügen:  Natur und Wissenschaft ist immer wieder faszinierend!

Sonntag, 5. Mai 2019

6. - 12. Mai: Der Sternenhimmel über Bad Lippspringe


In dieser Woche nimmt der Mond wieder zu und bestimmt zunehmend den Nachthimmel. Von den hellen Planeten ist Mars noch kurze Zeit am Abend bis gegen Mitternacht zu sehen. Jupiter geht etwa um Mitternacht im Südosten auf und Saturn folgt gegen 2:00 Uhr. Zwischen den beiden Planeten kann man an dunklen Standorten gut das Bad der Milchstraße erkennen.  Die ISS ist bei morgendlichen Überflügen zu sehen, dafür ist jedochein sehr frühes Aufstehen notwendig. Iridiumflares sind keine mehr angekündigt.

Am Montag, den 6. Mai, fliegt die ISS zwischen 5:05 UHr und 5:13 Uhr in 63° Grad Höhe über unseren Morgenhimmel hinweg. Die Sonne geht um 5:47 Uhr auf und um 20:57 Uhr unter, der helle Tag ist noch einmal 25 Minuten länger als noch vor einer Woche.  Die schmale nur zu 4 Prozent beleuchtete Mondsichel geht um 22:41 Uhr unter. Sie steht in den Hyaden dicht bei Aldebaran und zeigt maximale Libration in Breite, das Mare Crisium steht dicht am Rand.

Am Dienstag, den 7. Mai, fliegt die ISS bereits zwischen 4:15 Uhr und 4:22 Uhr in maximal 43° Grad Höhe über unseren Morgenhimmel hinweg. Am Abend steht der Mond, zu 9 Prozent beleuchtet, unterhalb von Mars noch im Sternbild Stier. In seinem dunklen Teil schimmert das Erdlicht.

Am Mittwoch, den 8. Mai, fliegt die ISS zwischen 5:00 Uhr und 5:08 Uhr sehr hoch über unseren Himmel hinweg, mit maximal 83° Grad Höhe fast durch den Zenit. Am Abend ist der jetzt zu 17 Prozent beleuchtete Mond schon in das Sternbild Zwillinge weiter gezogen. Er bedeckt um 21:44 Uhr den 6.5mag hellen Stern 14 Gemini.

Am Donnerstag, den 9. Mai, fliegt die ISS bereits zwischen 4:10 Uhr und 4:17 Uhr in maximal 71° Grad Höhe über unseren Morgenhimmel hinweg. Der Mond bedeckt am Abend kurz nacheinander zwei Sterne, um 22:20 den nur 6.5mag hellen HR 2835 und um 23:14 dann den 5,2mag hellen 63 Gemini.

Am Freitag, den 10. Mai, fliegt die ISS um 4:57 Uhr exakt über unsere Stadt hinweg. Vier Minuten vorher steigt sie im Westen hoch hinauf und verschwindet vier Minuten später genau im Osten. Am Abend steht der Mond im Sternbild Krebs.

Am Samstag, den 11. Mai, fliegt die ISS zwischen 4:04 Uhr und 4:12 Uhr noch einmal (fast) genau über unsere Stadt hinweg, sie verfehlt mit 87° Grad Höhe nur knapp den Zenit.

Am Sonntag, den 12. Mai, erreicht der Mond exakt um 3:12 Uhr das Erste Viertel, das geschieht praktisch im Moment seines Untergangs im Westen. Am Abend steht er dann unweit von Regulus im Löwen und ist schon fast zu 60 Prozent beleuchtet. Die ISS fliegt bereits zwischen 4:15 Uhr und 4:22 Uhr in maximal 81° Grad Höhe über unseren Morgenhimmel hinweg. Mars(1,7mag)  geht am Abend nur 6' Bogenminuten nördlich an 132 Tauri (5,0mag) vorüber.