Dienstag, 17. März 2026

16. März 2026: IC 405 in verschiedenen Farben

 Am Montagabend treffen wir, Mitglieder der Volkssternwarte Paderborn, uns regelmäßig zu einer Videokonferenz. 

Doch darf man als Hobbyastronom in seinem Zimmer abhängen und sich stundenlang in einer Videokonferenz aufhalten, wenn es draußen dunkel wird und der Himmel klar ist?

Zum Glück geht heute beides gleichzeitig. Während der Videokonferenz habe ich einfach meine beiden Vesperas, die ich schon vorher in den Garten gestellt hatte, eingeschaltet und initialisiert. Und dann vor allem nur ein einziges Objekt fotografiert, dieses jedoch dann über zwei Stunden "netto" belichtet.

IC 405 ist ein diffuser Nebel im Sternbild Fuhrmann. Vaonis gibt dafür eine Mindestbelichtungszeit von zwei Stunden an.  Doch schon nach circa 15 Minuten kann man erste "Nebelschwaden" erkennen.

Hier meine Ergebnisse, zuerst wie immer nicht weiter bearbeitet, sondern schlicht "out-of-the-box", wie meine Vesperas das Objekt selbst darstellen. 

IC 405 am 16.3.26, 9200 sec = 153 Minuten belichtet im Vespera Pro

 IC 405 hatte ich schon einmal fotografiert, diesmal habe ich IC 405 jedoch über zwei einhalb Stunden lang und mit meinem Vespera Pro belichtet. Ich denke, man kann schon etliche Details mehr entdecken als beim ersten Foto im Jahr 2022.

Mit dem klassischen Vespera habe ich paralell auch eine Aufnahme gemacht, diesmal mit Dualbandfilter:

IC 405 mit Dualbandfilter, 129 Minuten belichtet im Vespera "classic"

Dieses Bild ist gegenüber dem ersten etwas verdreht, da ich mich beim "classic" für eine Mosaik-Aufnahme entschieden hatte, die ich wohl leider etwas zu schräg angesetzt hatte. Die Wirkung des Dualbandfilters ist schnell erkennbar, das Licht der Sterne ist etwas dezenter, dadurch treten insbesondere die roten Wasserstoffanteile des Nebels stärker hervor. Allerdings unterdrückt der Filter auch die eher bläulichen Reflexionsnebelstrukturen in diesem Objekt.

Bei diesem Objekt war es jetzt spannend, die neuer Feature des "Sky Color" in der Vaonis App auszuprobieren.

Zunächst habe ich das Bild aus dem Vespera Pro entrauscht und dann "starless" gestellt: 


 Man kann erkennen, hier arbeit "Sky Color" noch nicht ganz perfekt. Vom hellsten Stern im Bild (HIP 24575, 5,96mag) direkt vor dem Nebel, sind leider immer noch Artefakte zu sehen.

Schaltet man jetzt in der "Palette" auf "OIII" erscheint folgendes Bild, welches die Blauanteile schön zeigt und die Rottöne unterdrückt:

IC 405, ohne Sterne, in OIII Palette

 Mit der "H alpha SII" Palette sieht das Bild wie folgt aus:

IC 405 in der H alpha SII Palette
 Und in der "Hubble-Palette" erscheint es dann so: 

IC 405 in der Hubble Palette
 

Und hier noch einmal das gleiche Bild, wieder in der "Hubble-Palette", jedoch die Sterne wieder eingeblendet, außerdem habe ich etwas an "Lebendigkeit" ("Vibrance") und Sättigung gedreht.

IC 405 in Hubble-Palette, mit Sternen und mehr.

 Wie Ihr aus den ergänzenden Texten unter den Bildern entnehmen könnt, habe ich diese "Farbspielereien" nicht am Ende der Belichtugnszeit durchgeführt, sondern schon nach gut einer Stunde und ca. 15 Minuten. Man muss offensichtlich gut aufpassen oder überlegen, wann man während eines Belichtungsvorgangs einen "Sky Color"-Vorgang abspeichert. Nach Abschluss einer Session scheint dies nicht mehr zu gehen. Und ich hatte diesmal das wohl nur zu diesem Zeitpunkt gemacht und nicht zum Ende der Session nach über zwei Stunden.  

Das habe ich jedoch mit meinem Bild aus dem Vespera "classic" gemacht:

IC 405 im Vespera classic

 Dieses Bild entspricht in etwa den Einstellungen des letzten Bildes des Vespera Pro, also auch wieder Hubble-Palette, Lebendigkeit, Sättigung höher gedreht, entrauscht, allerdings nach 2 Stunden Belichtungszeit abgespeichert. Da dieses Bild ja mit dem Dualbandfilter aufgenommen wurde, fehlen hier im Nebel vollkommen die blauen (OIII) Reflexionsnebelanteile.

Während in der Profi-Astrofotografie die Bilder mit echten Filtern unterschiedlichster Wellenlängen erzeugt werden, sind diese Farbspielereien durch eine reine Softwarelösung entstanden, wenn man mal vom Einsatz meines Dualbandfilters absieht. Ich vermute, Vaonis definiert hier einfach bestimmte Farben bestimmten Paletten oder Filtern zu, die dann entweder verstärkt oder unterdrückt werden. 

Über Sinn und Zweck solcher Zuordnungen mag man streiten. Aber es ist zumindest für eine gewisse Zeit mal eine ganz interessante Spielerei. 

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