Mittwoch, 22. Januar 2020

21. Januar 2020: Starlink-Satelliten sorgen für ein Spektakel am Himmel


Eines der umstrittensten Projekte in der Weltraumfahrt ist zur Zeit "Starlink". Dies ist ein vom amerikanischen Unternehmen SpaceX gestartetes Projekt, mit dem in den nächsten Monaten und Jahren ein weltweiter, schnellerInternetzugang angeboten werden soll.

Das Projekt ist in die Kritik der Astronomen gekommen, da hier in der Endausbaustufe zehntausende von Satelliten ständig über unserem Himmel kreisen werden und die Befürchtung besteht, dass dann eine fotografische Beobachtung des Himmels praktisch nicht mehr möglich sein wird, weil einem ständig Starlink-Satelliten durch das Bild fliegen werden.

Eine zusammengefasste Beschreibung des Projekts findet man natürlich bei Wikipedia. Aber auch die Webseite zu diesem Projekt ist aufschlussreich.

Die IAU (International Astronomical Union) hat bereits ihre Besorgnis über dieses Projekt in einer Stellungnahme veröffentlicht. Außerdem berichtet die Presse über ein möglicherweise rechtswidriges Vorgehen.

Am Dienstagabend, den 21. Januar 2020, war wieder einmal ein klarer Nachthimmel. Am 7. Januar war das dritte "Paket" mit 60 Starlink-Satelliten gestartet worden, und dieses sollte an diesem Abend zwischen 17:30 Uhr und 20:00 Uhr am Abendhimmel gut sichtbar sein. Eine "Show", die sich in den kommenden Tagen jeden Abend wiederholen kann. Genaue Vorhersagen gibt es auf der Webseite heavens-above.com.

Ich habe am Dienstagabend mit meiner Kamera einige Fotos der Satelliten gemacht. Hat man die Kamera auf einem Stativ aufgestellt, ist es im Dunkeln natürlich notwendig um Sterne zu sehen, entweder die Empfindlichkeit hoch einzustellen oder eine längere Zeitspanne zu belichten. Will man lichtschwache Objekte fotografieren, kommt man oft um beides gleichzeitig nicht herum. Belichtet man länger, werden bewegte Objekte wie Flugzeuge oder eben auch Satelliten auf Nachtfotos als "Strichspuren" dargestellt. Belichtet man zu lange, würden die Bilder dann sogar die scheinbare Drehung der Sterne am Himmel zeigen, die eigentlich ja nur durch die Rotation der Erde verursacht wird.

Auf dem ersten Bild habe ich 8 Sekunden belichtet, ISO800, 20mm Weitwinkel-Objektiv.

Starlink-Satelliten steigen im Westen auf. 21.1.2020 um 18:32 Uhr.
Deutlich erkennt man die aufeinander folgenden Spuren, eine ganze "Kette" von Satelliten. Mit bloßem Auge konnte man diese gut als helle Lichtpunkte am Himmel aufsteigen sehen. Der ganz helle Punkt, der auf der linken Bildseite zwischen den Ästen knapp über dem Hausdach durchscheint ist übrigens die Venus.

Auf dem nächsten Bild habe ich 15 Sekunden belichtet. Durch die längere Belichtungszeit werden die Satellitenspuren natürlich länger. Fast überlappen sie sich.

Starlink-Satellitenspur
Neben ein paar weiteren Fotos habe ich auch eine Fotoreihe aufgenommen, in der ich die einzelnen Bilder nur jeweils eine Sekunde belichtet habe. Damit trotzdem auch Sterne sichtbar werden, wurde die Empfindlichkeit auf ISO6400 hoch gesetzt. Ich habe zehn Bilder zu einem animierten gif zusammengesetzt, die quasi wie in einem Film hintereinander abgespult werden. So kann man am ehesten nachvollziehen, wie die Satelliten am Himmel aufwärts zogen:

Starlink - zehn Bilder hintereinander
In Wirklichkeit war dies natürlich keine "Endlos-Schleife", wie in dieser kleinen Animation.
Es ist auf den ersten Blick schon sehr beeindruckend, wenn man eine solche lange Kette von bis zu 60 Satelliten plötzlich am Himmel aufsteigen sieht. Die Kritik der IAU kann ich sehr gut nachvollziehen.

Für mich wird deutlich, dass mit dem Starlink-Projekt eine neue Dimension in der Weltraumfahrt erreicht wird, deren wirkliche Folgen und Konsequenzen wir uns noch gar nicht richtig bewußt sein können. Als die ersten 60 oder vielleicht auch 1000 Autos auf unseren Wegen fuhren, konnte sich sicherlich auch noch niemand vorstellen, welches Ausmaß eines Tages die Motorisierung auf der Erde einnehmen würde. Wie wird sich jetzt unser Blick in den Himmel verändern?

Kommentare:

  1. Ich habe bei demselben Überflug jeweils kürzer als eine Sekunde belichtet, damit die Satelliten zumindest im Aufgang noch punktförmig blieben und der visuelle Eindruck der wundersamen Kette gewahrt blieb - dafür rauscht's wegen der sehr hohen ISO-Zahlen aber mehr.

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar, Daniel! Ja, diese Starlink-Satelliten sind zur Zeit wirklich sehr hell, da reichen in der Tat kurze Belichtungszeiten. Hoffentlich ändert sich das noch im Laufe der Zeit.

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