Samstag, 21. September 2019

20. September: Streifende Sternbedeckung


*******   Ergänzung vom 28. September 2019 ********
Sternfreund Bernd Gaehrken hat heute seine Auswertungen der Beobachtungen im Internet aufgeschrieben:
Herzlichen Dank! 
**********************************************



Am 20. September gab es ganz in der Nähe vom Bad Lippspringe einen ganz besondere Sternbedeckung durch den Mond, eine sogenannte "streifende Sternbedeckung". Auf der Webseite der Vereinigung der Sternfreunde Deutschlands findet man dazu folgende Definition:

Streifende Sternbedeckungen sind ein Sonderfall der Sternbedeckungen durch den Mond. Während bei einer totalen Bedeckung der Stern nur einmal an der voranlaufenden Seite des Mondes verschwindet und auf der gegenüberliegenden Seite wieder auftaucht, geschehen solche Bedeckungsphänomene in den Polregionen des Mondes gleich mehrfach. Hierzu muss man die Linien auf der Erde kennen, die der jeweils oberste bzw. unterste Rand des scheinbaren Mondschattens beschreibt. Je nach Standort auf oder in der Nähe dieser Grenzlinie beobachtet man ein unterschiedliches Relief des Mondschattens. Aus den Kontaktzeiten mehrerer Beobachter lässt sich das vom Stern auf die Erde projizierte Mondprofil rekonstruieren.

Ein solches Ereignis gab es wieder einmal am 20. September kurz nach 6 Uhr in der Frühe - und zum Glück war bei uns der Himmel klar. Mit mehreren Sternfreunden gemeinsamen trafen wir uns bei Paderborn direkt auf der "Zentrallinie" dieser Bedeckung:

Am Beobachtungsplatz im ersten Morgengrauen

Unser Beobachtungsort. Die quer durch das Bild gehenden Linien zeigen den Bereich der "streifenden Bedeckung" an. Oberhalb davon wird der Mond gar nicht bedeckt, unterhalb wird er "total" verfinstert. (Bild: google earth)
 
Früher waren solche Beobachtungen wichtig, um das Profil des Mondrands genau zu berechnen. Auf den ersten Blick erscheint der Mond - selbst in großen Fernrohren - am Rand immer rund. Sterne sind jedoch immer so weit von uns entfernt, dass sie stets nur wie eine echte punktförmige Lichtquelle leuchten. Und weil der Mond aber auch am Rand, bedingt durch Krater oder andere Erhebungen, nicht gleichförmig rund ist, kann es passieren, dass bei einer "streifenden Bedeckung" so ein Stern mal durch einen Berg oder Krater verdeckt wird und dann nicht zu sehen ist und dann plötzlich in einem Tal zwischen zwei Erhebungen wieder auftaucht, dann wieder verschwindet usw.

Heute ist zur Berechnung des Mondprofils die Beobachtung von Amateurastronomen nicht mehr notwendig, den Mond umkreisende Satelliten sind einfach viel näher dran und erledigen solche Aufgaben professionell. Auch gibt es inzwischen ein hervorragendes Programm zur Vorhersage solcher Ereignisse. Hier mal ein "Screenshot" aus dem Programm GRAZREP:

Bildausschnitt aus dem Programm GRAZREP für diese Bedeckung.
Aber ist das nicht alles nur Theorie? Wie sieht das wirklich in der Praxis aus? Und so eine Beobachtung ist allemal besonders spannend. Wie oft verschwindet der Stern tatsächlich am Mondrand? Einmal, zweimal, mehrfach? Oder vielleicht gar nicht?  Es kommt dabei schon sehr genau auf den Standort des Beobachters an, 100 Meter weiter kann eine solche Beobachtung schon ganz anders ausfallen.

Es ist auch nicht ganz einfach eine solche Beobachtung zu dokumentieren. In meinem Spektiv zum Beispiel war das Sternchen am 20. September mit bloßem Auge kaum zu erkennen, der helle Mond überstrahlte fast alles. Das macht auch das Fotografieren nicht einfach. Hier mal ein erstes Bild:


Finden Sie den Stern? Noch steht er genau "über" dem Mond.

Damit eine solche Beobachtung überhaupt erfolgreich ist, darf sie natürlich nur am dunklen, unbeleuchteten Mondrand stattfinden. Hier nähert sich jetzt der Stern diesem Mondrand:

Der Stern ist einkleiner lichtschwacher Punkt,dicht an der Schattengrenze des Mondes.

 Und hier ist jetzt der Stern verschwunden:
Der Stern ist weg.
 Und er taucht wieder auf:

Der Stern ist wieder da.

Die obigen Bilder habe ich glücklicherweise mit meiner Ausrüstung selbst festhalten können. Viel besser hat es jedoch mein Sternfreund Rainer Kleibrink gemacht. Er konnte das gesamte Ereignis sogar per Video aufzeichnen. Versuchen Sie mal zu zählen, wie häufig der Stern verschwindet und wieder auftaucht:





Wer mehr über "streifende Sternbedeckungen" erfahren will, dem seien die Seiten der entsprechenden Fachgruppe der Vereinigung der Sternfreunde Deutschlands empfohlen oder gleich die Seiten einer  weltweiten Spezialistenorganisation, der IOTA/ES.

Und von mir noch einmal einen ganz herzlichen Dank an all die anderen Mitbeobachter aus Bayern, aus Bielefeld, aus Delbrück, ... Es war wirklich eine schöne, spannende Aktion! Und vielen Dank an die Freunde des "Beobachtertreff OWL", die rechtzeitig auf das Ereignis aufmerksam machten!

Zum Schluss noch ein Foto des Mondes vom gleichen Morgen. Dieses wurde natürlich nur kurz belichtet, damit die vielen Einzelheiten auf dem Mond, die Meere und Krater gut zur Geltung kommen. Dann ist der Stern natürlich nicht mehr zu sehen:


Der Mond am 20.9.2019 um 6:00 Uhr MESZ

Keine Kommentare:

Kommentar posten