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Donnerstag, 11. April 2024

10. April 2024: Galaxien und Supernovae

Nach dem Versuch, den Kometen 12P/Pons-Brooks zu fotografieren, habe ich weitere Objekte am Himmel besucht.

Hier ein Bild mit gleich mehreren Messier-Objekten, das ich mit Hilfe des Mosaik-Modes der Vespera erstellen konnte. Ich zeige hier gleich die Version mit der Annotierung durch nova.astrometry.net:

Galaxien im Sternbild Löwe

Aus dem großen Sternbild Löwe ist dies natürlich nur ein kleienr Ausschnitt. Es zeigt die Messier-Objekte M95, M96 und M105 sowie einige weitere kleinere Objekte. Die Galaxiengruppe um M105 ist auch für größere Brennweiten interessant, da hier die Galaxien sehr dicht beieinander stehen. Wie man bei Wikipedia nachlesen kann, stehen in Wirklichkeit jedoch nur zwei Galaxien dicht beieinander, NGC 3389 ist viel weiter entfernt als die anderen.

Das Bild wurde aus 317 Einzelbildern zusammengesetzt. Die Gesamtbelichtungszeit liegt also bei etwas über 50 Minuten.

Danach packte es mich, noch einmal nach neuen Supernovae Ausschau zu halten. Auch hier war ich erfolgreich:

Supernova SN2024ehs in NGC 3443 im Sternbild Löwe

Der helle Stern mitten in dieser kleinen Galaxie ist die Supernova. So zeigen es mir zumindest verschiedene andere Fotos über die Webseite rochesterastronomy. Normalerweise sollte die Galaxie NGC3443 nicht einen so hellen Kern zeigen. Die SN wird zur zeit mit 14,3mag angegeben, das entspricht auch der Größenordnung, die ich aus meinem Bild so ablese.

Bei der zweiten gesuchten Supernova ist das Ergebnis einfacher zu deuten:

SN2024exw bei M98

M98 ist eine Spiralgalaxie, die wir fast vond er Seite betrachten. Sie liegt im unscheinbaren Sternbild "Haar der Berenike". NGC4192 ist eine weitere Bezeichnung für M98.

  Die Supernova SN2024exw befindet sich in der Galaxie NGC 4192A.  Das angehängte A an die NGC-Nummer legt zunächst eine enge Nachbarschaft dieser beiden Galaxien nahe, das ist in Wirklichkeit jedoch nicht der Fall.

Die Supernova konnte ich diesmal besonders einfach identifizieren. Denn vor knapp zwei Jahren, am 15. Mai 2022 habe ich schon einmal ein Foto von M98 gemacht. Und da ist in dem entsprechenden Gebiet praktisch nichts zu finden. Die Galaxie NGC 4192A hebt sich kaum vom Bildrauschen ab, ein etwas hellerer Stern taucht dor überhaupt nicht auf.

M98 und Umgebung, aufgenommen am 14. Mai 2022

Beim Vergleich der beiden Bilder muss man natürlich eine leichte Verdrehung, bedingt durch die unterschiedlichen Aufnahmedaten, berücksichtigen.



Dienstag, 13. Oktober 2020

13. Oktober 2020: Venus, Mond und Regulus

 

Am Morgen des 13. Oktober 2020 zeigte sich eine schmale Mondsichel oberhalb der Venus. Und wenn man genau hinschaute, konnte man auch noch einige Sterne des Sternbilds Löwe erkennen, darunter Regulus, den Königsstern, rechts vom Mond. Vor zehn Tagen war die Venus noch dicht bei Regulus. Ist es nicht faszinierend zu sehen, wie schnell und weit sie sich inzwischen fort bewegt hat?

Mond über der Venus am 13.10.2020 um 7:00 Uhr MESZ

Regulus ist rechts vom Mond zu erkennen. Wenn man genau hinschaut, kann man im oberen Teil des Fotos noch zwei weitere Sterne des Löwen erkennen. Der Stern auf der linken Seite des Bildes, Algieba ("Mähne des Löwen"), ist ein schöner Doppelstern. Mit einem kleinen Fernrohr (ab 4" Zoll Objektivdurchmeser) kann man diesen Stern (Gesamthelligkeit 2mag) in zwei helle Komponenten (mit 2.3mag und 3.5mag) trennen.

Der schwächere Stern oberhalb des Mondes, Al Jabhah (3.45mag) ist sogar noch rätselhaft für die Astronomen. Zumindest gibt es in der Literatur zum Teil widersprüchliche Feststellungen. Uns escheint dieser Stern schon sehr lichtschwach. So schreibt Jim Kaler, dass er sich in einer Entfernung von 1275 Lichtjahren befindet. Könnte man dort hinreisen, hätten wir einen "Supergiant"-Stern vor uns, der etwa 5600mal so hell leuchtet wie unsere Sonne und mit einem Radius vom 27fachen der Sonne. Wikipedia nennt sogar eine 20.000fache Leuchtkraft im Vergeich zur Sonne. Beide Quellen schreiben außerdem, dass dieser Stern wahrscheinlich ebenfalls ein Doppelstern ist, wenn nicht sogar mehrfaches System. 

Hier noch einmal das Bild mit zusätzlicher Markierung dieser Sterne:

Mond, Venus und Löwe

 


Freitag, 2. Oktober 2020

1./2. Oktober 2020: Vollmond, Venus, Regulus

  Am Abend des 1. Oktober hatten wir Vollmond. Nach kurzem Regen klarte es am späten Abend auf und der Blick zum Mond war frei:

Vollmond am 1. Oktober um 23:10 Uhr

 

Am nächsten Morgen war es noch immer klar. Hier ein kleines, aus freier Hand geschossenes Foto, wie die Venus sich Regulus, dem hellsten Stern des Löwen, annähert. Morgen, am Samstag, den 3. Oktober, werden sich beide bis auf 6' Bogenminuten annähern. 


Venus und Regulus im Löwen ca. 6:20 Uhr

Leider zieht sich ein Kondensstreifen quer durch das Bild und hat sich so vor die Venus gelegt, dass diese zusehr aufgebläht und diffus erscheint. Mit dem bloßen Auge war dieser Streifen zunächst gar nicht sichtbar.


Sonntag, 15. Oktober 2017

15. Oktober: Der abnehmende Mond, Venus, Mars und ein Löwe

Auch heute früh war der Himmel wieder klar, deshalb leich noch einmal ein Foto des abnehmenden Mondes. Aufgenommen um 6:33 Uhr:

Mondsichel am 15. Oktober um 6:30 Uhr
Und hier noch ein Bild aus meinem Dachfenster heraus Richtung Osten fotografiert. Bei einer Belichtungszeit von einer Sekunde ist der Mond natürlich stark überbelichtet. Dafür kann man aber die Venus erkennen, die gerade aufgegangen unten durch den Baum in der Mitte scheint und auch der Mars, etwas weiter rechts, gerade oberhalb dieses Baumes ist zu sehen. Die hellen Sterne des Sternbilds Löwe lassen sich links neben und unterhalb des Mondes ebenfalls gut erkennen. Der kleine Streifen rechts neben dem Mond stammt von einem Flugzeug.

Morgenhimmel Richtung Osten, mit Venus, Mars, dem Löwen, Mond und Flugzeug

Montag, 26. Oktober 2015

26. Oktober: Jupiter und Venus dicht beieinander

Heute am frühen Morgen standen die Planeten Jupiter und Venus ganz dicht beieinander, so dass sie fast wie ein "Doppelstern" strahlten. Die Venus hat eine Helligkeit von ca. -4mag und Jupiter von -2mag.Etwas unterhalb der beiden war auch noch der Planet Mars (ca. 1mag) in der Morgendämmerung zu erkennen. Das erste Bild zeigt ganz oben am Rand auch noch Aldebaran, den hellsten Stern des Löwen. Meine beiden Fotos entstanden kurz nach 6:00 Uhr:

Jupiter und Venus am Morgen des 26. Oktober
Jupiter steht etwas oberhalb der helleren Venus. Links unterhalb der beiden kann man auch noch den deutlich schwächeren Mars erkennen. Das Foto entstand bei 1,5 Sekunden Belichtungszeit bei f /4.0 und einer Brnnweite von 45mm, ISO 400 mit meiner Canon 5D Mark II Kamera. Für diesen Blog habe ich das Foto natürlich etwas verkleinert.

Und hier jetzt ein weiteres Bild, ein Ausschnitt aus einem größeren Bild, das mit 105mm Brennweite bei ansonsten gleichen Daten aufgenommen wurde. Bei dieser Brennweite kann man rechts direkt am Jupiter sogar kleinere Lichtpunkte erkennen (okay, eher "Streifen"). Diese werden durch die vier Jupitermonde verursacht, die heute früh zufälligerweise alle auf der gleichen (westlichen) Seite des Planeten standen (fr eine größere Bilddarstellung einfach auf das Bild klicken.)

Ein Ausschnitt aus einem praktisch gleichen Bild, jedoch bei 105mm Brennweite.
Oberhalb vom Mars kann man noch einen weiteren Stern erkennen, dies ist sigma Leo, ein Stern mit 4mag, also 4. Größenklasse.

In den kommenden Tagen wird der Abstand zwischen Venus und Jupiter wieder größer werden. Wenn das Wetter mitspielt, wird es spannend, die beiden zu verfolgen.

Sonntag, 7. Dezember 2014

8. - 14. Dezember: Der Himmel über Bad Lippspringe

Draußen ist es kalt und dunkel. Aber nicht zu kalt, um vielleicht bei klarem Himmel mal den einen oder anderen Blick nach oben zu werfen. Der Mond zieht sich in dieser Woche langsam vom Abendhimmel zurück und gibt so den Blick frei auch für schwächere Sterne am Winterabendhimmel. Von den großen Planeten kann Jupiter ab etwa 22:15 Uhr im Südosten gefunden werden. In dieser Woche beginnt wieder eine Periode mit abendlichen Überflügen der ISS.

Am Montag, den 8. Dezember, geht die Sonne um 8:18 Uhr auf und um 16:15 Uhr unter. Der helle Tag dauert jetzt also bei uns weniger als acht Stunden. Der noch volle Mond steht heute Abend im Sternbild Zwillinge. Um 19:30 Uhr hält Martin Brehmer an der Sternwarte in Paderborn Schloß Neuhaus einen Kurzvortrag zum Sternenhimmel im Winter.

Am Dienstag, den 9. Dezember, kommt es um 7:12 Uhr zu einer Sternbedeckung durch den Mond. Der 3,6mag helle Stern lambda in den Zwillingen wird vom hellen Mondrand bedeckt. Der Stern taucht um 8:00 Uhr wieder hinter dem dunklen Mondrand auf, dann wird es jedoch schon zu hell sein. Um 19 Uhr findet in Rietberg in der Gaststätte Bartscher (Rathausstr. 8) wieder ein Treffen der  Planetariumsinitiative OWL statt.

Am Mittwoch, den 10. Dezember, geht der Mond erst um 20:33 Uhr auf, vorher kann es also noch richtig dunkel werden. Um 23:07 Uhr taucht am dunklen Mondrand der Stern 45 Cancri (5,7mag) auf, der zuvor vom Mond bedeckt wurde. Ab 23:46 Uhr wandert der Schatten von Jupitermond Io über den Planeten.

Am Donnerstag, den 11. Dezember, steht am Abend der Mond nur noch 5° Grad südwestlich von Jupiter. Der Mond geht um 21:36 Uhr auf (bis er über die Egge rüber kommt dauert es noch etwas länger). Um 23:55 Uhr endet wieder eine Sternbedeckung, am dunklen Rand taucht 6 Leonis (5,3mag) auf. Die ISS ist zwischen 18:03 Uhr und 18:07 Uhr tief am Südhimmel in maximaler Höhe von 22° Grad zu sehen.

Am Freitag, den 12. Dezember, ist am frühen Morgen der Mond schon "auf die andere Seite" von Jupiter gewandert. Er bildet jetzt mit dem Planeten und Regulus, dem hellsten Stern des Löwen ein ungefähr gleichseitiges Dreieck. Am Abend geht der Mond um 22:38 Uhr auf.

Am Samstag, den 13. Dezember, geht der Mond gar erst kurz vor Mitternacht auf. In der Nacht zum Sonntag kommt es zum Maximum des "Geminiden"-Meteorstrom. Bis zum Mondaufgang kann man vielleicht schon die eine oder andere Sternschnuppe erhaschen. Die ISS steigt heute zwischen 18:00 Uhr und 18:04 Uhr immerhin schon 38° Grad am Himmel hinauf.

Am Sonntag, den 14. Dezember, am 3. Advent, kommt es bei Jupiteraufgang wieder zu einer Bedeckung der Jupitermonde Io und Ganymed untereinander. Auch diesmal dürfte das Ereignis wegen der Horizontnähe nur schwer zu beobachten sein. Gegen Mitternacht steht Kleinplanet Iris (10,1mag) nur 1' Bogenminute von Stern SAO138079 (mit 6,8mag) entfernt. Der Mond erreicht heute das Letzte Viertel. Er ist jetzt nur noch in der zweiten Nachthälfte zu sehen.

Freitag, 25. Januar 2013

25. Januar: Der Mira-Stern R Leo

In diesen Tagen erreicht der veränderliche Stern "R Leo" wieder einmal ein Helligkeitsmaximum. Die Bezeichnung "Mira-Stern" klassifiziert bestimmte veränderliche Sterne. Der erste dieser Art wurde 1596 vom ostfriesischen Pfarrer und Amateurastronomen David Fabricius im Sternbild Walfisch entdeckt (Omicron Ceti), der plötzlich einen Stern an einer Stelle fand, wo es zuvor eigentlich keinen gegeben hat. Johann Hevelius taufte diesen Stern damals "Mira", die "Wundersame". "Mira-Sterne" verändern langsam, aber stetig ihre Helligkeit und sind manchmal mit bloßem Auge zu sehen und manchmal eben nicht. Sie sind keine Nova, die nur einmal plötzlich aufblitzen, sondern zeichnen sich durch eine sehr konstante Priode des Lichtwechsels aus.

Mit ca 5,5mag kann er bei klarem, dunklem Himmel ohne störende künstliche Beleuchtung so gerade eben mit bloßem Auge erkannt werden. Zumeist ist er jedoch wesentlich dunkler, denn er verändert seine Helligkeit mit einer ca. zehnmonatigen Periode. Im Minimum bei nur noch 11mag ist er nur noch mit besseren optischen Geräten zu erkennen, ein gewöhnliches Fernglas wird nicht mehr ausreichen, man braucht schon ein Teleskop mit ca. 7 cm Objektivdurchmesser.

Hier die Lichtkurve von r Leo:

Lichtkurve des veränderlichen Sterns r Leo der letzten Jahre

R Leo befindet sich ca. 5° Grad westlich von Regulus, dem hellsten Stern des Löwen und ist relativ einfach zu finden. Hier einmal ein Übersichtsbild des Löwen mit einer Markierung, wo r Leo zu finden ist:

Das Sternbild Löwe, r leo befindet sich in der Mitte des Kreises am rechten Bildrand

Und hier eine genaue Aufsuchkarte, die für einige schwächere Sterne in der Umgebung von r Leo Helligkeitsangaben enthält, mit denen man die wechselnde Helligkeit von r Leo vergleichen kann.

Vergleichschart der amerikanischen Organisation zur Beobachtung veränderlicher Sterne

Auf diesem oberen Chart ist Regulus ganz links zu erkennen. Direkt oberhalb der Markierung für r Leo fallen zwei ähnlich helle Sterne auf, es sind dies die Sterne "18 Leo" und "19 Leo" mit einer Helligkeit von 5,7mag bzw. 6,4mag.

Auf der Suche nach einer früheren Aufnahme dieser Gegend bin ich tatsächlich fündig geworden. Am 21. März 2009 habe ich ein Foto des Löwen gemacht. Daraus ist für uns der nachfolgende Ausschnitt interessant:

Foto der Umgebung von r Leo (21.3.2009 20:50 UT, Canon 350D, f=20mm, ISO400, 30sec

Oben rechts habe ich in das Bild einen vierfach vergrößerten Ausschnitt der Bildmitte kopiert. Man erkennt leicht die Sterne 18 und 19 Leo und darunter kann man so gerade eben drei weitere schwache Lichtpunkte erkennen. Der linke davon ist r Leo. An diesem Tag (der 21. März 2009 entspricht dem Julianischem Datum 2454912) hat r Leo nach der Helligkeitskurve ganz oben in etwa eine Helligkeit zwischen 9mag und 10mag gehabt. Solche Sterne sind mit der genannten Fotoausrüstung gerade noch eben abbildbar. Die beiden anderen Sterne dieses kleinen "Dreiecks" haben laut Stellarium-Planetariumsprogramm eine Helligkeit von 9,15mag und 9,85mag. Der schwache Stern neben 18 Leo hat eine Helligkeit von 9,05mag.

Im "Interstellarum-Newsletter" (Nr. 180, 25.1.2013) gibt es von Wolfgang Vollmann noch eine kleine Erläutetung zur Natur von r Leo:

Mirasterne sind späte Entwicklungsphasen von Sternen ähnlich der Sonne. Sie sind aufgeblähte verdünnte Sternhüllen um einen heißen Kern, in dem der Wasserstoff bereits aufgebraucht ist. Mirasterne verlieren ständig Masse und entwickeln sich zukünftig zu einem Weißen Zwergstern (dem Überrest des Kerns) umgeben von einem Planetarischen Nebel. R Leonis ist etwa 270 Lichtjahre entfernt. Der Stern hat einen interferometrischen messbaren Durchmesser von 30 bis 80 Millibogensekunden und ist abgeplattet. An die Stelle der Sonne gesetzt würde R Leonis bis über die Erdbahn hinausreichen.

Ein paar weitere  Informationen gibt es auch bei Wikipedia (deutsch, englisch).

Mal sehen, ob es mir gelingt, in diesen Tagen eine neue Aufnahme dieses Sternfelds zu machen. Der Löwe geht zwischen 19 und 20 Uhr MEZ auf. Bis die Sterne eine für ein Foto ausreichende Höhe erreichen kann man noch einmal gut zwei Stunden hinzugeben. Im Moment wird allerdings das Mondlicht stören. Nach dem 1. Februar ist der Mond jedoch durch das Sternbild Löwe hindurch gezogen, da könnte es vielleicht besser klappen. Und vor allem muss auch das Wetter mitspielen!

***********    So schnell kann es gehen // Nachtrag 26.1. 0:30 Uhr   ********************

Den obigen Text schrieb ich heute Abend gegen 18 Uhr.  Vorhin hat es tatsächlich schon geklappt mit dem Wetter. Das Licht des hellen Mondes hatte mich ans Fenster gelockt. Es zogen zwar auch dauernd Wolken über den Himmel, aber mit Geduld und Spucke konnte ich dann nach einer guten halben Stunde in einer Wolkenlücke doch das Objekt meiner Begierde ausfindig machen. Zuerst hatte ich Regulus gefunden, von dort etwas nach Westen und etwas höher gepeilt und langsam immer weiter nach Westen gezogen ... Ja! Da war das gesuchte Sternenpaar 18 Leo und 19 Leo, wie oben aus dem Foto - und direkt dadrunter ein auf den ersten Blick ebenso heller rötlicher Stern. Das muss r Leo sein!

Ein ähnliches Foto wie oben mit meiner Spiegelreflex wird heute kaum möglich sein, dachte ich mir. Dafür strahlt der Mond zu hell, andauernd ziehen Wolken durch, das würde schwierig werden. Aber vielleicht könnte ich es mit meinem Spektiv probieren, da könnte ich mit der angeschlossenen Kleinbildkamera vielleicht ja auch mit nur wenig Sekunden Belichtungszeit ein Bild bekommen. Und - Voila! Hier ist es:

r Leo ist der helle rote "Strich" im unteren Bereich

Dieses Foto hat jetzt natürlich eine viel größere Vergrößerung als ein DSLR-Objektiv, es ist ja bei etwa 400 mm Brennweite entstanden. Durch die Belichtungszeit von 5 Sekunden bei ISO800 haben die Sterne auch schon kleine Strichspuren erzeugt.

r Leo ist deutlich heller als 19 Leo, der bläulichere Stern, also heller als 6,4mag bestimmt, etwa so hell wie 18 Leo, also ca. 5,7mag. Vielleicht sogar etwas heller, auch wenn dies durch die deutliche rote Färbung nicht ganz so wirkt.

Und wenn man genau hinschaut, kann man neben r Leo auch noch schwach die Spuren der beiden anderen Sterne von ca. 9mag erkennen, und natürlich auch den schwachen Stern neben 18 Leo im oberen Bereich. Das Spektivfoto entspricht vom Ausschnitt her also tatsächlich in etwa der Vergrößerung im Bild oben rechts.

Die Nacht hat sich gelohnt! Jetzt kann ich ruhig ins Bett gehen :-)

Donnerstag, 22. März 2012

21. März - Supernova sichtbar!

Herrlich! Am Mittwochabend war es wieder wunderschön klar und es hat geklappt, wir haben die neue Supernova tatsächlich gesehen!

Es war unheimlich spannend. Als es dunkel wurde, trafen sich mehrere Sternfreunde auf der Paderborner Volkssternwarte in Schloß Neuhaus, um zu schauen, ob man denn die neue Supernova in der Galaxie M95 auch hier würde sehen können.

Venus und Jupiter strahlten als erste hell im Westen, nach und nach kamen immer mehr Sterne durch. Wir richteten zunächst unser großes Teleskop auf den Mars, der zur Zeit ganz dicht bei M95 steht. Schon hier gab es für den einen oder anderen aus unser Gruppe die erste Überraschung. Deutlich waren auf seiner Oberfläche dunkle Flecken zu erkennen. Mars war sehr hell, mittels eines Polfilter konnten wir sein Licht etwas dämpfen, nun war sogar eindeutig eine Polkappe zu erkennen. Aber war das nun der Nord- oder Südpol? Nach kurzer Diskussion und etwas nachdenken, war uns schnell klar, das konnte nur der Nordpol sein, der uns in dieser Opposition zugewandt ist. Aber vor allem zeigte uns dies schon mal, dass wir es in dieser Nacht mit einem guten, klaren und ruhigem Nachthimmel zu tun haben werden.

 Dann schwenkten wir das Teleskop zu M95. Zu sehen war - nichts. Es war auch gerade erst so um 20 Uhr herum. Die sog. "nautische Dämmerung" war gerade zu ende gegangen, die Sonne stand ca. 12° Grad unter dem Horizont. Hatten wir überhaupt das Teleskop an die richtige Stelle geführt? Im Okular waren verschiedene Sternchen zu erkennen. Jetzt galt es also, diesen Anblick mit dem eines Sternatlas zu vergleichen. Bei dem von uns eingesetzten PC-Programm konnte man für die von uns verwendete Fernrohr/Okular-Kombination genau den sog. "Field of View", also genau den Ausschnitt, den das Okular zeigen sollte, wenn es richtig positioniert ist, zeigen sollte. Sollte?! Auf den ersten Blick schien das nicht zu stimmen. Ich hatte deutlich in den Sternen ein Dreieck erkannt, . Ein anderer Sternfreund sah auch drei Sterne, aber eher an anderer Stelle. Nun ging die Diskussion los. Lass uns doch erst mal genau die passende Sternhelligkeit am PC dazu einstellen, also alle Sterne bis zur 13. Größenklasse, so hell sollte auch die Supernova sein. Der FOV zeigte jetzt mindestens zwei hellere Dreiecke an. Immer wieder wechselten wir uns beim Schauen durch das Okular ab und verglichen unseren Eindruck mit dem Bild am PC. Dann wurde klar, wir kamen jetzt etwa bis zu Sternen der 11. Größenklasse - und wir mussten das Bild am PC um ca. 100° Grad drehen, damit es zum Bild im Okular auch in der Ausrichtung passte.

Jetzt wurde es spannend. Wir hatten schon den richtigen Himmelsausschnitt getroffen. Durch indirektes Sehen konnte man jetzt auch den verschwommenen Kern der Galaxie erkennen. Doch wo war die Supernova. Am Himmel wurde es immer dunkler. Doch würde es hier, mitten in der Stadt, wirklich dunkel genug werden?  Das Sternbild Löwe mit Mars, M95 und der Supernova stand genau über dem beleuchteten Schloß, und die Schloßbeleuchtung wird erst nach 22:30 Uhr abgeschaltet.

Wir beschäftigten uns genauer mit dem Sternfeld im Okular, Sterne bis zur 11. Größenklasse waren eindeutig zu identifizieren. und da, blinkte da zwischen den beiden Sternen im unteren Teil des Blickfelds nicht noch ein dritter, etwas mehr zur Mitte gerichtet? Der würde schon die 12. Größenklasse haben. Wir spürten deutlich die Spannung in uns hoch steigen. Wir näherten uns unserem Ziel. Die Beobachtungsbedingen wurden immer besser, denn der Löwe stieg langsam immer noch etwas höher am Himmel hinauf, weg vom störenden Streulicht der Stadt.

Wo aber sollte nun die Supernova sein. Im PC stellten wir jetzt auch Sterne der 14. Größenklasse ein. und über das Internet schauten wir uns Bilder der Supernova an, die von deren Entdeckung vor zwei Tagen berichteten. Doch hier stellte sich zunächst gleich wieder die Frage, wie waren die ausgerichtet. Bei denen war Norden natürlich oben, also mussten wir auch diese Bilder um gute 100° Grad drehen. Unterhalb M95 müssten wir ein charakteristisches Sternenmuster erkennen können, ein liegendes Kreuz, so ähnlich wie das Sternbild Schwan. Die Sterne am Ende der langen Hauptachse sollten 10./11. Größenklasse haben (die hatten wir ja schon längst identifiziert), die der kleinen Querachse 12./13. Größenordnung. Und am hinteren Ende noch ein kleiner Begleitstern,  13,5 mag hell. Größenordnung. Jetzt war im Okular das Kreuz immer deutlicher zu erkennen, nur der hintere Begleiter machte uns Probleme, der wollte sich nicht sehen lassen. Inzwischen bauten wir einen "deep-sky-Filter" ein, dadurch ließ sich der Kontrast im Okularbild tatsächlich noch einmal etwas verbessern.  Der Kern von M95 war inzwischen deutlich besser zu erkennen, einige glaubten sogar, die Balkenstruktur zu sehen. Aber halt, war da nicht in Richtung M95 ein Sternchen zu erkennen? Wir schauten und schauten. mal glaubten wir etwas zu sehen, dann wieder nicht.

Mittlerweile war es 21:45 Uhr geworden. Es war wirklich "grenzwertig", aber jetzt meinten schon mehrere Beobachter, dort, relativ dicht an M95 dran, etwas erkennen zu können. Zwar ganz schwach und nicht ständig, aber doch eindeutig.

War das die Supernova?

Könnte man genau diesen Anblick nicht fotografieren? Gesagt, getan. Eine Kamera wurde geholt und an das Fernrohr angeschlossen. Im ursprünglichen Gesichtsfeld war zunächst nichts zu erkennen, also mussten wir einen etwas helleren Stern ansteuern, um die Kamera genau zu fokussieren. Wir entschieden uns für den Stern Rho im Löwen, dieser war sicherlich hell genug (3,8mag) und nur zwei bis drei Grad von M95 entfernt. dann - sch... - die Steuerung des Teleskop rutschte aus der Hand und viel zu Boden, das Fernrohr bewegte sich unkontrolliert ...  war jetzt all die Mühe umsonst, mussten wir noch einmal ganz von vorne anfangen?

Zum Glück war alles halb so schlimm, das Gerät ließ sich noch einwandfrei positionieren, also wieder zurück zu M95 geschwenkt und einfach mal ausgelöst, höchste ISO-Stufe und 30 Sekunden belichtet. Die Kamera macht nach dem Bild noch automatisch einen "Darkframe-Abzug" von der gleichen Länge der Belichtungszeit, innerlich zählten wir die Sekunden mit. Dann erschien auf dem Kameradisplay das Bild - ja, da in der Mitte war M95 als verwaschener Fleck zu erkennen, und da war das lang gestreckte Kreuz, und da - ja genau da wo wir es visuell auch haben "blinken" sehen - genau da war schon im Display der Kamera eindeutig ein Stern zu sehen! Das musst die Supernova sein!

Dieser Beobachtungsabend hatte sich tatsächlich gelohnt!

Schritt für Schritt haben wir uns dem "Objekt der Begierde" angenähert und es tatsächlich geschafft, die Supernova mit der Nummer SN2012aw in der 38 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie M95 über dem Stadthimmel von Paderborn mit eigenen Augen zu sehen.

Hier unser Belegfoto, nicht nach Norden ausgerichtet, sondern eher so, wie wir auch durch das Okular geschaut haben.

Supernova SN2012aw in M95 im Löwen. Aufgenommen mit Newton-Reflektor (354mm Durchmesser, f=1600mm und Canon EOS1100 Kamera)


Der rot-weiße Pfeil markiert die Supernova, der etwas verwaschene Fleck etwas rechts oberhalb davon ist der Kern der Galaxie M95. Weiter rechts unterhalb das im Text oben beschriebene lang gestreckte Kreuz. Auf dem Foto sind an dessen hinteren Ende sogar zwei weitere kleine Sterne zu sehen, die beide eine Helligkeit zwischen der 13. und 14. Größenklasse haben.

Nachtrag vom 22.3.: Heute Abend habe ich die Supernova auch von meinem Garten aus in Bad Lippspringe beobachtet. Sie war in meinem viel kleinerem Teleskop als dem Gerät auf der Sternwarte  deutlich zu erkennen. Dies zeigt einmal mehr, es kommt beim Beobachten des Himmels gar nicht in erster Linie auf die eingesetzte Technik an, sondern viel mehr auf einen klaren Himmel. Und wenn der dunkel genug ist und nicht durch viel Stadtlicht aufgehellt wird, dann kann man die Supernova wirklich auch in einem 8-Zöller sehen!

In meinem Teleskop (ein C8 der Firma Celestron), war zunächst M95 sehr deutlich zu erkennen. Die Supernova hat scheinbar einen deutlichen Abstand von der Galaxie. Dies täuscht jedoch, da man von ihr nur den hellen Kern sieht und nicht die Spiralarme am Rand. Diese werden erst auf länger belichteten Fotografien deutlich, die man z.B. in den Foren von astronomie.de findet.

Dienstag, 20. März 2012

20. März - Schmale Mondsichel und Supernova

Heute früh entdeckte ich nach dem Aufstehen eine schmale Mondsichel über unseren Nachbarhäusern. Es sind nur noch zwei Tage bis Neumond am Donnerstag. Die Mondsichel war jetzt nur noch zu 6 % beleuchtet und hatte es schwer, sich gegen den Morgendunst durchzusetzen.

Hier ein Foto, das ich etwas abgeblendet habe, damit man die schmal Sichel besser erkennen kann:

Mondsichel am Morgen des 20. März - Frühlingsanfang

Und als ich eben meinen Computer startete, erfuhr ich gleich aufregende Neuigkeiten: Im Sternbild Löwe befindet sich die Galaxie M95, zur Zeit steht Mars nur eine Vollmondbreite entfernt davon. Dort hat sich eine Supernova-Explosion ereignet. Informationen dazu gibt es zur Zeit nur auf englisch, hier ein paar Links:

Karte zum Auffinden und das "Entdeckungsbild":
http://www.dailykos.com/story/2012/03/19/1075950/-Baking-Supernova-Cooking-Up-in-M95

Ein interessantes erklärendes YouTube-Video:
http://youtu.be/_GEyAsaWB4k

An der Sternwarte Paderborn hat sich vor kurzem eine Beobachtergruppe gebildet, diese hat sich für diesen Monat das Sternbild Löwe als "Schwerpunkt" der Beobachtungen ausgesucht. Ob wir wohl demnächst von der Supernova ausführlicher berichten können?

Nachtrag 22.3.: ja, Gleich am Abend des 21.3. war es wieder klar und es hat geklappt, wie mein nächster Blogeintrag zeigt.