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Samstag, 16. Juli 2022

15. Juli 2022: Komet und Kugelsternhaufen

 In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2022 zog der Komet C/2017 K2 Panstarrs dicht am Kugelsternhaufen M10 vorbei:

M10 (links) und Komet C/2017 K2 Panstarrs

M10 ist einer von mehreren Kugelsternhaufen im Sternbild Schlangenträger, das zur Zeit nach Einbruch der Dunkelheit ganz gut am südlichen/südwestlichen Himmel zu sehen ist. Kugelsternhaufen sind phantastische Gebilde im Weltall. Zu unserer Galaxis gehören ungefähr 150 Stück, typischerweise ballen sich in ihnen um die einhunderttausend Sterne zusammen, die gravitativ aneinander gebunden sind und dadurch gemeinsam ungefähr eine kugelige Form bilden. Sie bestehen alle aus überwiegend sehr alten Sternen, die sich schon frühzeitig im Kosmos gebildet haben müssen. M10 ist konkret von uns ca. 45.000 Lichtjahre entfernt.

Nur wenige Lichtminuten entfernt von uns ist zur Zeit der Komet C/2017 K2 Panstarrs, den ich in letzter Zeit öfters fotografiert habe. Er ist mit gut 8mag deutlich lichtschwächer als M10, die enge Begegnung der beiden wollte ich mir jedoch nicht entgehen lassen. Der Komet ist die "kleine Wolke" etwas oben rechts neben dem Kugelsternhaufen.

Sonntag, 10. Juli 2022

11. - 17. Juli 2022: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche haben wir Vollmond. Das helle Licht des Mondes leuchtet praktisch in allen Nächten dieser Woche recht stark und lässt dadurch meist nur die helleren Sterne für dass bloße Auge sichtbar werden. Die Aufgangszeiten der hellen Planeten verlagern sich immer weiter nach vorne, Saturn geht jetzt bereits vor Mitternacht gegen 23 Uhr auf, Jupiter folgt gegen 0:30 Uhr, Mars gegen 1:30 Uhr und die Venus folgt um ca. 3:30 Uhr. Weil die Sonne nachts nicht tief unter den Horizont sinkt, ist die ISS in jeder Nacht bei vier Überflügen mal mehr, mal weniger gut zu beobachten. Der nur im Fernrohr sichtbare Komet C/2017 K2 PANSTARRS wird langsam etwas heller, hat es in dieser Woche aber schwer, gegen das Mondlicht anzukommen.

Am Montag, den 11. Juli, geht die Sonne um 5:19 Uhr auf und um 21:41 Uhr unter. Der helle Tag ist also 11 Minuten kürzer als noch vor einer Woche. Der zu 95 Prozent beleuchtete Mond geht kurz nach 20 Uhr über der Egge auf. Er steht im Sternbild Schlangenträger und geht erst am folgenden Tag um 3:06 Uhr unter. Bei Jupiter geht um 2:21 Uhr eine Bedeckung von Mond Io zu Ende, dann stehen alle vier galiläischen Monde auf der gleichen östlichen (linken) Seite.Die ISS ist am frühen Morgen dreimal zu sehen: Um ca. 0:13 Uhr tief im Südosten, zwischen 1:45 Uhr und 1:53 Uhr fliegt sie in 77° Grad Höhe über unseren Himmel hinweg und noch einmal zwischen 3:20 Uhr und 3:29 Uhr in sogar maximal 83° Grad Höhe. Am Abend kann die ISS dann noch einmal zwischen 23:18 Uhr und 23:28 Uhr tief am südlichen Himmel bei einem Überflug etwas oberhalb des Mondes beobachtet werden.

Am Dienstag, den 12. Juli, fliegt die ISS zwischen 0:55 und 1:04 Uhr in maximal 64° Grad Höhe über uns hinweg, der nächste Überflug zwischen 2:32 Uhr und 2:41 Uhr führt genau über unsere Stadt hinweg und zwischen 4:09 Uhr und 4:18 Uhr ist sie noch einmal in maximal 45° Grad Höhe zu sehen. Der zu 99 Prozent beleuchtete Mond geht um 21:14 Uhr auf. Die ISS ist danach noch einmal zwischen 22:32 Uhr und 22:38 Uhr für kurze Zweit sehr tief im Süden (maximale Höhe 14° Grad) zu sehen. Heute werden die erst5en Bilder des James-Webb-Teleskops der Öffentlichkeit vorgestellt. Ich habe dazu einen eigenen Blogeintrag geschrieben.

Am Mittwoch, den 13. Juli, fliegt die ISS zwischen 0:06 und 0:16 Uhr in maximal 50° Grad Höhe über unseren Himmel, um 1:48 Uhr fliegt sie exakt über unsere Stadt hinweg, und um 3:24 Uhr erreicht sie noch einmal eine Höhe von 59° Grad im Süden. Bereits um 11:08 Uhr erreicht der Mond auf seiner leicht elliptischen Bahn um die Erde den kürzesten Abstand zu uns im Laufe des Jahres, um 20:38 Uhr erreicht er seine exakte Vollmondposition. Zu beiden Zeitpunkten steht er bei uns jedoch noch unter dem Horizont. Er geht in dieser Vollmondnacht um 22:13 Uhr auf, aber sollte er Ihnen diesmal besonders groß erscheinen ist das nicht nur eine optische Täuschung. Zwischen 23:20 Uhr und 23:28 Uhr fliegt die ISS ein weiteres Mal in maximal 37° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg.

Am Donnerstag, den 14. Juli, fliegt die ISS um 0:59 Uhr in 85° Grad Höhe sehr hoch über unsere Köpfe hinweg, um 2:26 Uhr erreicht sie noch einmal eine Höhe von 73° Grad, bei Überflug zwischen 4:10 Uhr und 4:17 Uhr fliegt sie haarscharf an Saturn vorüber.  Am Abend fliegt die ISS zwischen 22:31 Uhr und 22:40 Uhr in maximal 27° Grad Höhe über unseren Südhimmel hinweg. Der noch immer fast volle Mond geht um 22:53 Uhr auf.

Am Freitag, den 15. Juli, fliegt die ISS um 0:11 Uhr, um 1:48 Uhr und um 3:24 Uhr über unseren Nachthimmel hinweg. Am Abend fliegt sie zwischen 23:18 Uhr und 23:28 Uhr in maximal 63° Grad Höhe über unseren Abendhimmel hinweg. Der Mond geht heute um 23:21 Uhr auf und ist unterhalb von Saturn zu finden.

Am Samstag, den 16. Juli, fliegt die ISS um 0:59 Uhr genau im Zenit über unsere Stadt hinweg, um 2:36 Uhr(47° Grad Höhe) und um 4:12 Uhr (nur 13° Grad Höhe) ist sie noch einmal bei weiteren Überflügen zu sehen.  Am Abend ist die ISS ein weiteres Mal zwischen 22:32 Uhr und 22:40 Uhr in maximal 48° Grad Höhe in der Dämmerung zu sehen. Der Mond nur "noch" zu 86 Prozent beleuchtete geht erst um kurz vor Mitternacht, um 23:41 Uhr auf.

Am Sonntag, den 17. Juli, fliegt die ISS um 0:11 Uhr exakt über Bad Lippspringe hinweg. Beim nächsten Überflug um 1:48 Uhr erreicht sie nur 61° Grad Höhe und beim folgenden Überflug ist sie nur ganz kurz um 3:21 Uhr im Westen zu sehen, bevor sie im Erdschatten verschwindet. Bereits um 1:17 Uhr endet eine Sternbedeckung von tau Aquarii , der (4,2mag)helle Stern taucht plötzlich "wie angeknipst" am dunklen Mondrand wieder auf.Am Abend fliegt die ISS zwischen 23:19 Uhr und 23:28 Uhr in maximal 84° Grad Höhe hoch über unsere Stadt hinweg.  Der nur noch zu 77 Prozent beleuchtete Mond geht am Abend erst um Mitternacht auf.

Sonntag, 19. Juni 2022

20. - 26. Juni 2022: Der Himmel über Bad Lippspringe

 In dieser Woche haben wir Sommeranfang, den längsten Tag, die kürzeste Nacht des Jahres. Der abnehmende Mond zieht sich in den Morgenhimmel zurück, wo auch die Planeten alle zu finden sind. Als erster Planet geht Saturn gegen 0:30 Uhr kurz nach Mitternacht auf. Um 1:45 Uhr folgte Jupiter, um 2:15 der Mars, um 3:40 Uhr die Venus und mit viel Glück kann man auch noch den um ca. 4:15 Uhr aufgehenden Merkur finden. Die ISS ist in dieser Woche nicht bei nächtlichen Überflügen zu sehen.

Am Montag, den 20. Juni, geht die Sonne um 5:06 Uhr auf und um 21:47 Uhr unter. Der noch zu über 60 Prozent beleuchtete Mond geht um 1:38 Uhr auf. Um 3:35 Uhr beginnt ein Durchgang von Ganymed vor der Jupiterscheibe. Gegen 4:15 Uhr kann man die chinesische Raumstation Tiangong in knapp 11° Grad Höhe über unserem Südhorizont sehen. Komet C/2017 K2 Panstarrs steht heute dicht beim offenen Sternhaufen IC 4665.

Am Dienstag, den 21. Juni, ist Sommeranfang. Um 11:13 Uhr erreicht die Sonne den nördlichsten Punkt auf ihrer Bahn an unserem Himmel. Noch verschieben sich die Sonnenauf- und Sonnenuntergangszeiten nicht merklich, aber im Prinzip werden jetzt die Nächte wieder länger. Heute früh um 5:11 Uhr erreicht der Mond übrigens exakt das Letzte Viertel. Sein Aufgang erfolgt um 1:52 Uhr, der Untergang um 13:38 Uhr. Er steht nach dem Aufgang dicht unterhalb von Jupiter und zeigt maximale Libration in Länge, der Krater Grimaldi steht nahe am Rand.

Am Mittwoch, den 22. Juni, geht der Mond um 2:04 Uhr auf, er hat sich etwas von Jupiter entfernt und geht jetzt auf Mars zu. Er zeigt jetzt eine Sichelgestalt, die noch zu 40 Prozent beleuchtet ist. Im dunklen Teil kann man heute und die nächsten Tage das Erdlicht schimmern sehen.

Am Donnerstag, den 23. Juni, geht der Mond um 2:17 Uhr auf und ist noch zu 30 Prozent beleuchtet. Heute früh ist er bereits an Mars vorbeigezogen. Saturnmond Titan steht heute früh in östlicher Elongation.

Am Freitag, den 24. Juni, geht die zu 21 Prozent beleuchtete Mondsichel um 2:30 Uhr auf. Bei Jupiter wandert ab 3:08 Uhr der Schatten von Io über den Planeten, Um 4:32 Uhr beginnt dann der Durchgang von Io selbst vor der Planetenscheibe.

Am Samstag, den 25. Juni, geht der zu 14 Prozent beleuchtete Mond um 2:46 Uhr auf Jupitermond Io wird bis 4:06 Uhr von Jupiter bedeckt. Kleinplanet (387)Aquitania (10,1mag) steht heute in Opposition zur Sonne.

Am Sonntag, den 26. Juni, geht die nur noch zu 8 Prozent beleuchtete Mondsichel um 3:08 Uhr auf, etwas oberhalb der Venus und unterhalb der Plejaden. Aber ob das in der Morgendämmerung noch gut zu beobachten sein wird?

Samstag, 18. Juni 2022

16./17. Juni 2022: Eine schöne Beobachtungsnacht

 Die Nacht vom 16. auf den 17. Juni konnte ich endlich mal wieder etwas länger für astronomische Beobachtungen ausnutzen.

Hier ein kleiner Teil der Bilder. Als erstes jedoch kein Bild aus der Nacht, sondern vom Tag. Ein Bild der Sonne und ihrer Flecken:

Sonnenflecken am 16. Juni 2022

Auffällig ist heute, dass viele Flecken sich in Ketten auf der Sonne zeigen. Es gibt keine besonders großen Flecken, aber eben doch viele Gruppen, die aus vielen Einzelfleckem bestehen. Das renommierte Observatorium Kanzelhöhe in Österreich hat für diesen Tag eine Relativzahl von 159 bestimmt.

Am Abend dauerte es dann lange Zeit, bis es halbwegs dunkel wurde, und ich mit dem Beobachten beginnen konnte.

Kugelsternhaufen M 12

Das erste Objekt war ein Kugelsternhaufen. Die Zeitschrift "Sterne und Weltraum" hatte mich durch einen Artikel im aktuellen Juniheft dazu angeregt. M 12 (NGC 6218) ist ein 6,1mag heller Kugelsternhaufen, der 1764 von Charles Messier entdeckt wurde. IM Sternbild Schlangenträger ist er von 5 Kugelsternhaufen der hellste. Er ist etwa 16000 Lichtjahre von uns entfernt.


Komet C/2017 K2 Panstarrs

Anschließend habe ich noch einmal den hellen Kometen fotografiert. Gegenüber der letzten Aufnahme vor einer Woche hat er sich schon ein ganzes Stück am Himmel weiter bewegt.

Asteroid (41) Daphne

 

Nach dem Kometen habe ich versucht Asteroiden, Kleinplaneten zu fotografieren. Bei (41) Daphne hatte ich Glück. Dieser Asteroid bildete mit einem ähnlich hellen Stern ein wunderschönes enges Paar am Himmel. Daphne ist von den beiden hellen Punkten in der Bildmitte der linke. Der rechte ist der Stern HD154920, der mit einer Helligkeit von 9,62mag angegeben wird. Das ist etwas heller als die 10,3mag, die bei heavens-above für Daphne angegeben werden.

Dann habe ich mich auf die Suche nach einer Nova gemacht. Am 6. Juni wurde ein Ausbruch von U Sco gemeldet. Dieser Stern ist eine Art "Wiederholungstäter". Ungefähr alle zehn Jahre (+/- 2 Jahre) kommt es zu einem kurzzeitigen Helligkeitsausbruch. Von diesem seltenen Nova-Typ gibt es nur ca. 10 bekannte Exemplare in der gesamten Milchstrasse. Zuletzt hatte die Helligkeit ca. 18mag betragen, also ausserhalb der Reichweite meiner Teleskope. Jetzt war sie - typisch für eine Nova) um gut zehn Größenklassen angestiegen, die hellste Schätzung la bei ca. 7,7mag. Doch auch der Abfall der Helligkeit wird zügig sein. Hier mein Bild:

Nova U Sco

Die Nova in der Mitte habe ich markiert. Sie ist am 16. Juni nur noch ca. 13mag hell. Ich kann froh sein, sie überhaupt noch erwischt zu haben. Bald wird sie wieder zu schwach für meine Geräte sein.

Hier die Lichtkurve der AAVSO:

Die grünen Markierungen entsprechen grob gesagt der visuellen Helligkeit

Bei der AAVSO kann man auch die Geschichte bzw. Beobachtungen des letzten Helligkeitsausbruchs von 2010 nachverfolgen.

Ein weiterer Kugelsternhaufen, M9:

Kugelsternhaufen M9

M9 ist ein relativ kleiner, leicht ovaler Kugelsternhaufen. Auf dem Foto ist südwestlich des Kugelsternhaufens auch eine Dunkelwolke auffällig, diese trägt die Bezeichnung "Barnard 64". Man kann hier gut erkennen, dass die Dunkelwolke in vielen Bereichen gar kein Sternenlicht durchzulassen scheint und zum Rand hin das Licht der Sterne zumindest deutlich schwächt.

In der Literatur bei anderen Fotografen wird auch häufig eine kleine Kette von Sternen erwähnt, die bei mir jedoch nicht so auffällig zu sehen ist.

Das nächste Bild zeigt keinen Kugelsternhaufen, sondern "nur" einen sehr kompakten sog. "offenen Sternhaufen":

M 11, im kleinen Sternbild "Schild", der sog. "Wildenten-Haufen

M 11 wird auch der Wildentenhaufen genannt. Mit 5,8mag ist er auch im Fernglas relativ leicht zu finden. Im Gegensatz zu anderen "offenen Sternhaufen" wie den Plejaden oder der Praesepe stehen hier die Sterne doch sehr kompakt beieinander. Dies liegt zum Teil natürlich auch einfach an der Entfernung, während die Plejaden von uns nur ca. 440 Lichtjahre entfernt sind, beträgt der Abstand zu M11 über 6100 Lichtjahre. Erst in größeren, leistungsfähigen Teleskopen wie zum Beispiel dem Hubble-Teleskop, lassen sich die Sterne alle voneinander trennen.