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Freitag, 6. August 2021

5. August 2021: Wolken vor dem Sommerdreieck

Am Abend des 5. August klarte es teilweise auf. Die Wetter- und insbesondere Wolkenprognosen für diesen Abend waren sehr unterschiedlich. Während "wetteronline" mir einen klaren Himmel ab spätestens 22 Uhr prognostizierte, schwankte die App "Clearoutside" zwischen 33 und 65 Prozent, "meteoblue" gab immer mindestens 50 Prozent Bewölkung an und der DWD prognostizierte für 23 Uhr sogar noch einen kleinen Regenschauer.

So habe ich mein großes Teleskop doch nicht aufgebaut, sondern nur "mit kleinem Gepäck" den Himmel beobachtet. Und in der Tat zogen die allermeiste Zeit Wolken durch, zum Regen kam es glücklicherweise nicht. Ich hätte mein Teleskop sicherlich aufbauen können und in den jeweils wolkenfreien Gebieten sicherlich auch die eine oder andere schöne Beobachtung machen können. "Hätte" - naja, wenn ich es aufgebaut hätte, hätte es sicher auch geregnet... :-)

So habe ich überwiegend mit bloßem Auge und mit dem Fernglas beobachtet. Auch das war schön. 

Bei Jupiter zog langsam der Mond Io vor die Planetenscheibe. Saturns Ring leuchtete und sein Mond Titan war selbst im 7x42 Fernglas gut zu erkennen.

Die Nova in der Cassiopeia (Nova Cas 2021) war deutlich schwerer auszumachen, was allerdings eher an den vielen benachbarten Sternen in der Milchstraße liegt. Ich habe sie auf bestenfalls noch 8mag geschätzt.

Überhaupt die Milchstraße, sie war an diesem Abend von meinem Garten aus gut zu sehen. Natürlich braucht es eine Zeitlang, bis sich die Augen an die Dunkelheit adaptiert haben, aber dann hat das Beobachten doch viel Spaß gemacht. 

Insbesondere habe ich an dem Abend versucht, die Helligkeiten von veränderlichen Sternen zu schätzen. beta Lyra, nü Aquila, und einige andere Sterne habe ich probiert. Allerdings lag ich doch manches mal deutlich daneben. 

Auch einige deep-sky-Objekte waren gut im Fernglas zu sehen, zum Beispiel die Andromedagalaxie und der Kugelsternhaufen M13 im Herkules.

Und dann hatte ich auf erste Vorboten der Perseiden gehofft, doch da war meine Ausbeute sehr gering. Vielleicht habe ich zwei Sternschnuppen gesehen. Allerdings war ich eben auch immer wieder mit dem Fernglas an verschiedensten Objekten dran - und da wäre es schon ein großer Zufall, wenn so eine Sternschnuppe genau durch das kleine Gesichtsfeld fliegen würde.

Viele Satelliten habe ich jedoch gesehen. Die Anzahl der Satelliten ist inzwischen schon erschreckend hoch. Dies wird auch deutlich auf den Bildern, die ich in dieser Nacht gemacht habe.

Ich habe einfach meine DSLR-Kamera mit einem 20mm Weitwinkelobjektiv auf das Sommerdreieck ausgerichtet, mit der LX3-Nachführung die Rotation der Erde ausgeglichen und dann 100 Bilder a 30 Sekunden bei Blende 1.8 und ISO1600 belichtet. Aus diesen 100 Bildern habe ich dann ein animiertes gif erstellt, in dem nach dem Titelbild jedes einzelne Bild ein halbe Sekunde gezeigt wird. Sie sehen hier also 50 Minuten Sternenhimmel in nur 50 Sekunden.

 Achtung: das animierte gif läuft dreimal hintereinander. Die Datei ist 78 MB groß, je nach Internetverbindung müssen Sie leider mit einer längeren Ladezeit rechnen:

Wolken vor dem Sommerdreieck am 5./6. August 2021

Die Aufnahmen erfolgten von 23:28 bis 0:23 Uhr MESZ. Die einzelnen Bilder habe ich nicht weiterbearbeitet. Deutlich erkennt man, wie ständig helle Wolken über den Himmel ziehen, aber die Milchstraße dahinter bleibt eigentlich immer gut zu erkennen. Interessant ist auch zu sehen, wie unterschiedlich sich die Wolken im Foto auf die Sterne auswirken. Zum einen machen sie natürlich manchmal die Sterne etwas dunkler, manchmal sorgen sie jedoch auch dafür, dass die Sterne diffuser und aufgeblähter, also heller, erscheinen. Dieser Effekt lässt sich besonders schön an den helleren Sternen wie der Wega beobachten. (Vielleicht ja auch ein Grund, warum das Abschätzen der Helligkeit der veränderlichen Sterne an diesem Abend nicht so einfach war, wie ich es erhofft hatte).

Auf sehr vielen einzelnen Bildern sieht man auch längliche Strichspuren, entweder von Satelliten oder (weniger) von Flugzeugen. Ich habe mir die Bilder noch nicht so genau angeschaut, ob vielleicht doch auch einzelne Sternschnuppen darunter sind, das kommt vielleicht noch später.

Ach ja: Das "Sommerdreieck" wird durch die drei auffällig hellen Sterne im Sommer gebildet: Wega, der hellste Stern des Sternbild Leier. Deneb, der hellste Stern im Schwan und Altair, der hellste Stern im Adler. Deneb und Wega stehen im Sommer sehr hoch über unseren Köpfen am Himmel, Altair zieht deutlich tiefer über den Nachthimmel hinweg.

Sonntag, 13. Juni 2021

12.-16. Juni 2021: Helle Nova im Herkules

Samstagmittag entdeckte Seiji Ueda in Japan einen "neuen Stern" im Herkules. Genau an der Grenze der Sternbilder von Herkules und Adler, ganz in der Nähe des Sterns FF Aql. Zum Zeitpunkt der Entdeckung war die Helligkeit schon auf 8mag gestiegen. Weitere Beobachter bestätigten dies in Japan mit steigender Helligkeit.

Glücklicherweise hatte mein Sternfreund Heinz-Bernd Eggenstein diese Nachricht mitbekommen (in englisch: http://www.cbat.eps.harvard.edu/unconf/followups/J18573095+1653396.html) und die Mitglieder der Volkssternwarte in unserer Threema-Chatgruppe informiert. 

Zum Glück spielte bei uns das Wetter mit und es klarte am Abend gut auf. Nach 23 Uhr ging ich mit meiner DSLR auf Jagd. So richtig dunkel wird es in diesen Nächten ja leider nicht mehr, aber mit den inzwischen vermuteten 6mag sollte so ein neuer heller Stern doch gut zu finden sein. Zumal die Koordinaten ja bekannt sind: Rektaszension: 18h 57m 30.95s und Deklination +16° 53' 39.6' .

Zunächst fotografierte ich die Gegend der Nova mit einem 20mm Weitwinkelokular. 

Blick nach Osten, 12. Juni, 23:33 MESZ, f=20mm, ISO800, 9sec, f/2.5

 Eine halbe Stunde vor Mitternacht war es noch gar nicht richtig dunkel, doch schaut man sich dieses Foto etwas genauer an, kann man schon sehr viele Sterne erkennen.

Da ist dann natürlich die ganze Himmelsgegend Richtung Osten mit drauf, die Sommersternbilder Leier (oben), Schwan, Adler  (knapp über dem Horizont) und mehr. Schon auf diesem Foto ist die Nova zu erkennen, wie mir ein schneller Vergleich mit dem Planetariumsprogramm "Stellarium" zeigte. 

Anschließend machte ich gleich noch mehrere Fotos mit einem 50mm Objektiv, das natürlich schon eine ganze Reihe mehr an Details am Himmel zeigt.

Hier ein Ausschnitt aus einem der Bilder, in dem ich die Nova mit einem roten Kreis markiert habe:

  
Detailansicht mir markierter Nova (50mm, ISO800, 9sec, f/2.5)


In diesem Bild fällt vielleicht als erstes in der linken Bildhälfte unten die Konstellation des "Kleiderbügels" auf, eines meiner Lieblingssternbilder am Himmel. Natürlich kein offizielles Sternbild sondern "nur" ein Asterismus. In der Mitte dann, eingekreist, die Nova. Wie hell ist die Nova nun wirklich auf diesem Foto? Leider ist das nicht ganz einfach zu bestimmen. Sie scheint etwas dunkler zu sein als der Stern direkt neben ihr. Doch leider ist dieser Stern, "FF Aql", selbst ein veränderlicher Stern, der regelmäßig zwischen 5.18mag und 5.51mag schwankt. Wir müssen uns also schon in der etwas weiteren Umgebung nach Sternen vergleichbarer Helligkeit umschauen. Das ist dann zunächst natürlich nur eine grobe subjektive Schätzung, aber für mich sieht es so aus, als ob die Nova sogar durchaus 6.0mag erreicht hat, vielleicht sogar noch etwas heller. Schicken Sie mir gerne auch ihre Schätzung zu!

Das obige Bild habe ich dann auch gleich in einem der deutschsprachigen astronomischen Foren publiziert. Vielleicht ja sogar das erste im deutschsprachigen Raum veröffentlichte Foto eines hiesigen Beobachters?

In der Zwischenzeit wurde die Nova von vielen weiteren Beobachtern untersucht. Auch wurden erste Spektren erstellt und analysiert. Die wissenschaftliche Untersuchung ist also in vollem Gange. 

Und die weiteren Beobachtungen versprechen spannend zu werden. Im Moment (Sonntagnachmittag) sieht es so aus, als ob die Helligkeit der Nova schon wieder deutlich nachlässt. In neuesten Beobachtungen aus Japan ist nur noch von einer Helligkeit zwischen 7mag und 8mag die Rede. Ob ich heute Nacht wieder klaren Himmel für weitere Fotos haben werde? Und sollte ich gestern die Nova vielleicht tatsächlich in ihrem hellsten Moment erwischt haben? Wir werden es sehen.

********************  Ergänzung aus der Nacht vom 13./14. Juni ************************

Die Nova wird tatsächlich schon wieder deutlich schwächer. Am Sonntagabend fotografierte ich die Gegend erneut mit meinem 50mm Objektiv, diesmal mit ISO1600, 6sec, f/1.8:

Die Nova am 13. Juni 2021 um 23:35 MESZ

Die Nova ist deutlich schwächer geworden. Der kleine Stern im Kreis neben ihr (HD 175919) hat 8,5mag, ganz so dunkel würde ich sie noch nicht einschätzen. Der Stern senkrecht unter ihr wird mit 7.05mag angegeben, er scheint mir deutlich heller zu sein als die Nova. Ich schätze sie daher grob auf nur noch ungefähr 8mag ein. 

*********************** weitere Ergänzung vom 14. Juni 2021 *********************

Und hier noch ein Foto der Nova. Sie ist erneut schwächer geworden und erreicht langsam die Nachweisgrenze meiner DSLR:

Die Nova am 14. Juni um 23:39 Uhr (50mm, ISO3200, 8sec, f/2.5)

Jetzt ist sie schon deutlich schwächer geworden als der benachbarte Stern HD 175919 mit 8.5 mag. Ich schätze, sie liegt bei ungefähr 9mag. Meine Kamera bildet bei dunklem Himmel auf Einzelfotos Sterne bis zu 10mag ab, wenn ich Bilder stacke komme ich sogar noch etwas darunter. Jetzt im Sommer ist es aber selbst um Mitternacht noch gar nicht richtig dunkel. Um diese Zeit geht gerade die nautische Dämmerung in die astronomische Dämmerung über, die Sonne steht im Norden nur 11 bis 12 Grad unter dem Horizont. Da muss man aufpassen, das man mit der Kamera nicht zu lange und zu stark belichtet, weil sonst einfach alles im Himmelshintergrund unter geht.

*************************** Ergänzung vom 15. Juni ************************

Die Nova schwächt sich weiter ab, wenn auch nicht mehr ganz so rasant wie zuletzt. Hier ein "Suchbild":

Nova am 15. Juni um 23:51 Uhr (50mm, 8sec, f/2.5, ISO3200)

Die Nova befindet sich im roten Kreis genau in der Mitte. Der hellere Stern rechts neben ihr ist HD 175919 mit 8.5 mag. Der Stern links neben der Nova hat eine Helligkeit von 9.5mag, oberhalb der Nova kann man zwei Sterne erkennen, der rechte, etwas hellere hat 10.0mag, der linke kaum noch erkennbare 10.9mag. Wie schätzen Sie für heute die Helligkeit der Nova ein?

******************************** Ergänzung 16. Juni 2021 ***************************

Die Nova wird immer schwächer. Abends am 16. Juni 2021 dürfte die Helligkeit nur noch bei knapp 10mag gelegen haben. 

Nova im Herkules, 16.6.21, 23:44 MESZ, f=50mm, f/2.5, 10sec, ISO3200