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Mittwoch, 23. August 2023

21./22. August 2023: Wolken - Sterne - Wolken - Sterne - Wolken - Sterne

 In der Nacht von Sonntag zu Montag ging es am Himmel immer hin und her. Mal Wolken, mal freie Sicht auf die Sterne, dann wieder Wolken, dann wieder freie Sicht....

Für längere Belichtungen also eigentlich keine gute Nacht. Aber mein Vespera ist ja gutmütig und kann dann selbstständig viele ungeeignete Aufnahmen aussortieren. So habe ich eine ganze Zeitlang die Dunkelnebel B142 und B143 beobachtet. Das nachfolgende Bild ist ein Stack aus 152 Einzelbildern (also eine Gesamtbelichtungszeit von etwas über 25 Minuten. In Wirklichkeit hat mein Vespera jedoch länger als eine Stunde versucht, von diesen Dunkelbildern Aufnahmen zu machen, also deutlich mehr als Hälfte der Bilder wieder weggeschmissen.

Dunkelwolken B142 und B143

Erkennen Sie die sternenlosen Bereiche in diesem Bild? Hier versperren dunkle galaktische Materiewolken den Blick auf die dahinterliegenden Sterne.

Während das Vespera diese Aufnahme gemacht hat, habe ich parallel mit meinem großen Teleskop versucht, Doppelsterne zu beobachten. Ich war gespannt, wie dicht diese Zusammenstehen dürfen, damit mein Celestron C8 diese Sterne noch trennen kann - oder eben auch nicht. 

Einen berühmten Doppelstern habe ich dann auch mit meiner Vespera fotografiert: den sog. Augenprüfer, das berühmte Reiterlein auf der Deichsel des Großen Wagen, also das Sternenpaar Mizar und Alkor:

Mizar und Alkor im Großen Wagen

Mizar ist der helle Stern in der Bildmitte (2mag)  und Alkor der nächst hellere Stern dadrüber (4mag). Dazwischen entdeckt man schnell einen weiteren schwach leuchtenden Stern von ca. 8mag. Dieser ist jedoch nur ein sich dort zufällig aufhaltender Hintergrundstern, während Mizar und Alkor tatsächlich dicht beieinander stehen. Ob sie jedoch, wie echte Doppelsterne, gravitativ miteinander gebunden sind, ist heute noch unklar. In meinem großen Fernrohr zeigt sich übrigens Mizar selbst auch schnell als enger Doppelstern (wofür die Auflösung des Vespera jedoch nicht reicht). Viel mehr interessantes um Mizar und Alkor findet man natürlich bei Wikipedia.

Und noch einen anderen Doppelstern  habe ich mit meinem Vespera fotografiert (Achtung Fun Fact!)::

Messier 40

Zu diesem Doppelstern findet man bei Wikipedia den wichtigen Hinweis: "Dieser in einem lichtstarken Feldstecher auflösbare scheinbare Doppelstern wurde von Charles Messier 1764 entdeckt, fälschlicherweise für einen Nebelfleck gehalten und erhielt so die Bezeichnung M 40." Der Messier-Katalog enthält also nicht nur Nebel oder ferne Galaxien, sondern auch einen Doppelstern. Heute ist dies Objekt unter der Bezeichnung "Winnecke 4" wissenschaftlich katalogisiert.

Später konnte ich in den Wolkenlücken sogar auch noch einen Kometen beobachten:

Komet C/2023 E1 Atlas (etwas rechts der Bildmitte)

Der Komet hat zur Zeit eine Helligkeit von etwa 9,5mag, die jedoch langsam wieder abnimmt. Er ist im Sternbild Pegasus zu finden.

Freitag, 8. Juli 2022

Der Krallennebel oder der schwarze Skorpion - eine Dunkelwolke am Sternenhimmel

 Am Himmel leuchten nicht nur helle Sterne. es gibt dort auch Gegenden, da sieht man nichts. Und auch dies kann spannend sein.

Der amerikanische Astronom Edward Barnard (*1857, +1923) war ein erster Meister der Astrofotografie, er stellte einen Katalog von  349 Dunkelwolken zusammen.

Hier einmal eine von vielen solcher Dunkelwolken, die mir in den letzten Tagen am Himmel so aufgefallen waren:

Die Dunkelwolke B 84 im Sternbild Schütze

 Falls Sie selbst den Ausschnitt dieser Fotografie mit einem Sternenatlas vergleichen wollen. habe ich hier ein paar hellere Sterne über die Webseite "nova.astrometry.net" markieren lassen.

Markiert wurde auch der Kugelsternhaufen NGC 6440, der 1786 von William Herschel entdeckt wurde. NGC 6440 ist 27700 Lichtjahre von uns entfernt. Oben links hat astrometry.net auch noch NGC 6445 markiert, ein kleiner planetarischer Nebel, der jedoch ohne die Beschriftung im Originalbild (siehe unten)  besser zu erkennen ist.

Die Dunkelwolke B 84 ist besonders gut im Dreieck zwischen den Sternen HD 161557, HD 161326 und HD 161504 zu erkennen. Sie erinnert mich ein wenig an die Krallen eines Vogelfußes oder an ein gefährliches Monster. Im englischen wird diese Dunkelwolke auch "The Claw Nebula" ("Der Krallennebel") oder "The Dark Scorpion" (Der schwarze Skorpion") genannt.

Es handelt sich um eine dichte interstellare Wolke, die das Licht von dahinter liegenden Objekten wie Sternen oder hellen Nebeln verdunkelt. Diese dunklen Wolken enthalten winzige Staubpartikel, die mit gefrorenem Kohlenmonoxid und Stickstoff überzogen sind und den Durchgang des Lichts im sichtbaren Wellenlängenbereich effektiv blockieren.

Hier noch einmal das gleiche Bild ohne Beschriftung:

 


B 84, aufgenommen am 3.7.2022 um 0:29 mit Vaonis Vespera, Gesamtbelichtungszeit 6:30 Minuten, 39 Bilder gestacked.